HalleHomeoffice und Ausgangssperre: Tankstellenbesitzer haben weniger Umsatz

Die minimalen Freizeitmöglichkeiten lassen die Tankumsätze schrumpfen. Viel schlimmer ist aber ein Nebeneffekt.

Uwe Pollmeier

An der Esso-Tankstelle an der Alleestraße ist es seit dem Aufkommen von Corona vor 15 Monaten deutlich ruhiger geworden. Für den Weg ins Homeoffice braucht man halt kein Benzin. - © Nicole Donath
An der Esso-Tankstelle an der Alleestraße ist es seit dem Aufkommen von Corona vor 15 Monaten deutlich ruhiger geworden. Für den Weg ins Homeoffice braucht man halt kein Benzin. © Nicole Donath

Halle. Vor gut 30 Jahren hat Gerhard Schäper seinem Schwiegervater die Tankstelle abgekauft und ist seitdem Chef der Zapfsäulen an der Esso-Tankstelle an der Alleestraße. Die Situation der vergangenen Monate ist jedoch für einen „alten Hasen" im Kraftstoffgeschäft etwas Außergewöhnliches gewesen. „Man spürt die Corona-Krise deutlich bei den Umsätzen. Wenn weniger gefahren wird, wird natürlich weniger getankt und dadurch wird wiederum weniger im Shop gekauft", sagt Schäper. Wer sonst regelmäßig zum Tanken kam, kaufte auch schnell Dinge wie Zeitschriften oder Zigaretten mit ein. „Aber es fährt doch kein Raucher zur Tankstelle, um sich Zigaretten zu holen", sagt Schäper. „Die bringen ihre Tabakwaren doch heute lieber aus dem Supermarkt mit", sagt Schäper, der mittlerweile beruflich fast ausschließlich in seiner Kfz-Werkstatt nebenan tätig ist.

Der Umsatz sei um rund 20 Prozent eingebrochen, auch die Schließung der benachbarten Gesamtschule bekommt er deutlich zu spüren. „Sonst kamen viele Schüler mittags mal rein, um sich einen Schokoriegel zu kaufen", sagt Schäper. Er wolle aber auch nicht zu viel jammern, schließlich sei ihm klar, dass es anderen noch schlechter gehe. „Wir sind ja nicht in unserer Existenz bedroht, aber natürlich spüren wir die Auswirkungen der Pandemie ganz deutlich", sagt Schäper.

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Gravierender Verkaufseinbruch bei Schokoriegeln und Co.

Unterm Strich ist der Einbruch des Lebensmittelverkaufs gravierender als der des Treibstoffabsatzes. „Der Kraftstoff wirkt sich gar nicht so sehr aus. Der gehört uns ja eh nicht, das ist Agenturware", sagt Schäper. Er erhalte vom Mineralölkonzern eine feste Provision pro verkauftem Liter, so dass auch die derzeitig recht hohen Preise seine Kasse nicht praller füllen als niedrige Benzinpreise. „Manchmal ändert sich ja fünf Mal am Tag der Benzinpreis und wir merken das selbst manchmal kaum", sagt Schäper. Alles laufe automatisch, so dass die Umstellung der Zapfsäulen und der Preistafel im Hintergrund erfolge. Ihm seien die Hände gebunden, so dass er auch nur mit den Achseln zucken könne, wenn sich mal wieder ein Kunde über plötzliche Preissprünge von zehn Cent nach oben beschwert.

Die bundesweite Ausgangssperre hat sich auf den Umsatz der Haller Esso-Tankstelle nicht ausgewirkt. „Wir haben immer schon um 21 Uhr geschlossen, also ist uns die Ausgangssperre ab 22 Uhr egal", sagt Schäper.

Ein Drittel der Kunden fehlt

Ganz ähnlich ist die Lage bei Waldemar Kobus, der die Aral-Tankstellen in Halle und Werther betreibt. „Wir spüren natürlich deutlich, dass die Leute weniger unterwegs sind und daher auch weniger tanken", sagt Kobus. Alles hänge mit allem zusammen und der Lockdown habe seinen Umsatz deutlich einbrechen lassen. „Rund ein Drittel der Kunden fehlt", sagt Kobus.

Ärgerlich sei es auch, dass man nicht einfach schließen könne. „Wir müssen unsere Tankstellen offenlassen und im Gegenzug erhalten wir keine Hilfe vom Staat", sagt Kobus. Er hoffe, dass die Pandemie bald vorüber sei, damit das Geschäft wieder Fahrt aufnehmen könne. „Wir haben rund um die Uhr geöffnet, allerdings passiert spätestens ab 22 Uhr nichts mehr", sagt Kobus. Da kämen dann nur noch Zeitungsboten, Polizisten oder Feuerwehrleute. „Und am frühen Morgen kommen dann die ersten, die noch zur Arbeit fahren. Aber das sind deutlich weniger Menschen als sonst", sagt Kobus.

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