Halle"Das gibt es im Kreis noch nicht": Stadt Halle plant besonderes Projekt

Die Verwaltung der Stadt will auf zwei Etagen an der Neulehenstraße ein Innovationszentrum gründen. Die Politik steht dahinter, will aber nicht sofort folgen.

Heiko Kaiser

Das Gebäude der Gerry Weber International AG könnte künftig ein neues Zentrum für Start-ups werden. - © Nicole Donath
Das Gebäude der Gerry Weber International AG könnte künftig ein neues Zentrum für Start-ups werden. © Nicole Donath

Halle. Halle soll ein sogenannter DigitalHafen werden. Das jedenfalls plant die Verwaltung der Stadt Halle, die jetzt einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion aufgenommen hat und auch umsetzen will. Geplant ist die Einrichtung eines Innovationszentrums mit einem sogenannten Coworking Space. Hier arbeiten Freiberufler, kleinere Start-ups oder auch Gruppen von bestehenden Unternehmen in gemeinsamen Räumen oder getrennten Büros und können auf diese Weise voneinander profitieren.

„Wir brauchen eine Ankerstation, um denen, die wirtschaftlich gute, vielleicht auch verrückte Ideen haben, eine Bleibe und ein Forum zu bieten, wo sie sich austauschen können", erläutert Bürgermeister Thomas Tappe das Konzept. Weil der Kreis Gütersloh wirtschaftlich sehr produktionslastig ausgerichtet sei, benötige man einen Ort, an dem neue wohlstandssichernde Technologien entwickelt werden können. „Dazu brauchen wir ein Gründerzentrum."

Auch ein Ort ist dafür bereits gefunden. So plant die Stadt, zwei Etagen im Gebäude der Gerry Weber AG an der Neulehenstraße anzumieten. Dr. Torsten Hübner, bei der Stadt zuständig für Digitalisierung, erläuterte im Bau- und Verkehrsausschuss das Vorhaben.

„So ein Zentrum gibt es im ganzen Kreis nicht"

Demzufolge sollen hier sowohl Bestandsunternehmen als auch Start-ups Raum zum Austausch und Ausprobieren bekommen. Auf zwei Etagen mit jeweils 750 Quadratmetern befinden sich Büro-, Konferenz- und Präsentationsräume. Dazu, so Hübner, biete die Immobilie mit Umkleiden, Duschen, Lagerflächen, Glasfaseranschlüssen, Parkplätzen, Kita und Kantine sowie einem Fotostudio eine optimale Infrastruktur.

Noch seien keine Mieter für das mögliche Innovativzentrum gefunden. Deshalb plane die Stadt zunächst konservativ. Für das erste Jahr sei eine Auslastung von 20 Prozent geplant. Das führe zu Kosten von 55.000 Euro. Als initiale Investitionskosten seien 100.000 Euro angesetzt.

Karl-Heinz Wöstmann (UWG) bezeichnet das Thema als „sehr spannend", stellte jedoch die Frage, ob es angemessen sei, dass die Stadt als Anbieter in Aktion trete und damit private Initiativen verdränge. Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT, die die Idee an die Stadt herangetragen hatte, warb für das Projekt: „Das ist ein strukturpolitischer Ansatz. Wir werden oft von jungen Unternehmen gefragt, wo sie sich vernetzen können. Dann müssen wir mit dem Kopf schütteln. So ein Innovationszentrum gibt es im ganzen Kreis nicht", sagte er.

Einwand der Grünen: Wer interessiert sich dafür?

Dieser Argumentation wollte Dr. Kirsten Witte (Grüne) nicht uneingeschränkt folgen. Zwar sei es eine „super Chance für Halle" und zudem an der Zeit, solche Konzepte zu verfolgen, jedoch seien noch viele Fragen offen. Darunter die, an wen sich das Angebot richte oder wer sich dafür überhaupt interessiere. Sie plädierte dafür, mit der Anmietung des Gebäudes nicht den vierten Schritt vor dem ersten zu tun und schlug vor, das Thema in den Rat zu verlegen, damit die Fraktionen sich zunächst noch einmal austauschen können. Dem stimmte auch Edda Sommer (SPD) zu.

„Wir gehen an Bord", griff Sandra Wißmann (CDU) das Thema DigitalHafen auch sprachlich auf. Harald Stützlein (FDP) war „schlichtweg begeistert" und riet, das Projekt nicht auf die lange Bank zu schieben. „Wir müssen mutig sein", forderte er. Dem stimmte Björn Hüllbrock von der Stadt Halle zu und erklärte, man solle nicht zu lange warten, da auch andere Kommunen ähnliche Überlegungen anstellten.

Veronika Karpf (Grüne) gab schließlich zu bedenken, ein Innovationszentrum brauche eine Atmosphäre und Umgebung, die junge Unternehmen anspreche. Dieses Anforderungsprofil sieht sie im Gerry-Weber-Gebäude nicht erfüllt. Schließlich verständigten sich die Ausschussmitglieder darauf, das vorgestellte Konzept erneut im Rat zu besprechen.

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