HalleBereiche mit hoher Nitrat-Belastung sind plötzlich von der Karte verschwunden

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz bezeichnet nur wenige Gebiete im Altkreis als nitratbelastet. Das jedoch widerspricht den Erfahrungen einiger privater Haushalte.

Heiko Kaiser

Färbt sich die Wasserprobe im Labor rosa, ist der Nitritgehalt hoch. - © CC0 Pixabay
Färbt sich die Wasserprobe im Labor rosa, ist der Nitritgehalt hoch. © CC0 Pixabay

Halle. Und plötzlich ist alles in Ordnung. Ende Januar hatten wir darüber berichtet, dass die neue Düngeverordnung in Kraft getreten ist. Folgerichtig hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LaNUV) nitratbelastete Gebiete für den Kreis Gütersloh ausgewiesen. Auf der entsprechenden Karte waren sie rot markiert worden.

Und sie setzen tatsächlich ein Stopp-Signal für die betroffenen Landwirte. Denn in diesen Gebieten gelten strengere Vorschriften für das Düngen. Seit Beginn des Jahres muss hier die Düngung um 20 Prozent reduziert werden. Außerdem wird die Herbstdüngung von Winterraps und Wintergerste sowie von Zwischenfrüchten verboten.

Zunächst waren 13 % mehr Feldstücke bedenklich

Aufregung herrschte bei den landwirtschaftlichen Betrieben nachdem im Kreis Gütersloh die rot markierten Feldstücke um gut 13 Prozent auf 9.319 Hektar gestiegen waren. Doch das war noch nicht das letzte Wort. Denn die Einteilung in nitratbelastete Gebiete durchläuft ein zweistufiges Verfahren. Im ersten wird ein Rechenmodell herangezogen, nach dem die Einteilung in rote und unbedenkliche Gebiete erfolgt. Es berücksichtigt unterschiedliche Faktoren. Hierzu gehören unter anderem die Bodenbeschaffenheit, die Stickstoffbelastung aus der Luft, die Fähigkeit des jeweiligen Bodens, durch Bakterien Nitrat zu entfernen und nicht zuletzt die sogenannte Nitratbilanz der Gemeinde, zu der ein Betrieb gehört.

Das Resultat aus diesem ersten Schritt ergab: Während Werther, Steinhagen und der nördliche Teil von Borgholzhausen hinsichtlich der Nitratbelastung unbedenklich sind, zog sich ein „Nitrat-Band" von Berghausen und Kleekamp in südwestliche Richtung über Westbarthausen und Versmold bis ins Münsterland. Halle war nur vereinzelt in Hörste und Hesseln betroffen. Nur einen Monat später ist die Lage völlig verändert.

Altkreis weitgehend ohne rote Felder

Wer heute auf die Karte des LaNUV schaut, der sieht den Altkreis weitgehend ohne rote Felder. Nitratbelastete Gebiete werden lediglich nordwestlich von Versmold an der Landesgrenze zu Niedersachsen zwischen Loxten und Knetterhausen ausgewiesen. Grund für den plötzlichen Wandel ist der zweite Schritt des Verfahrens, in dem Ende Februar die Messergebnisse von Testbrunnen in die Bewertung eingeflossen sind. Nach der Regel: „Wenn eine Messstelle in einem roten Gebiet eine unbedenkliche Nitratkonzentration ergibt, wird das Gebiet nachträglich grün", sind nun 95 Prozent des Altkreises hinsichtlich der Nitratbelastung unbedenklich.

Dass es in der Realität völlig anders aussieht, zeigt der Fall eines Anwohners der Straße Grüner Weg. Seit 25 Jahren kämpft Kai Wilhelms mit zu hohen Nitratwerten in seinem Hausbrunnen. Das Gesundheitsamt des Kreises hat ihn mehrfach aufgefordert, seinen Brunnen zu sanieren, beziehungsweise eine Filteranlage einzubauen und zuletzt ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Kai Wilhelms aber will nicht zahlen. Er ärgert sich darüber, dass niemand der Ursache auf den Grund geht. Die ist seiner Ansicht nach klar. Direkt an sein Grundstück grenzt eine landwirtschaftliche Fläche, die regelmäßig gegüllt wird. Und wo nun weiterhin uneingeschränkt gegüllt werden darf. Denn auch dieser Bereich gilt hinsichtlich der Nitratbelastung als unbedenklich.

Wie viele Hausbrunnen sind betroffen?

Die Fraktion der Grünen hat inzwischen eine offizielle Anfrage an die Untere Wasserbehörde des Kreises gestellt, in der sie geklärt haben will, wie viele Hausbrunnen in diesem Gebiet von erhöhten Nitratwerten betroffen sind. Sie fragt zudem, ob der oberirdische Eintrag von Nitrat in Betracht gezogen worden sei und verweist in diesem Zusammenhang auf eine Entscheidung des Tiefbauamtes aus dem Jahr 1992.

In der wurde dem Grundstückseigentümer die Errichtung einer Schilfbeetkläranlage wegen des klüftigen Untergrundes und der damit verbundenen Gefahr der Einsickerung von Schadstoffen in das Grundwasser untersagt. Grundsätzlich solle die Frage beantwortet werden, ob die öffentliche Trinkwasserversorgung gefährdet sei. Eine Antwort steht noch aus.

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