HalleCorona als Kunst-Stück - dieser Schmied will die Hoffnung nicht aufgeben

Schmied Christoph Kasper und viele seiner Künstlerkollegen in der Alten Lederfabrik erleben eine schwere Zeit. Doch die Zuversicht bleibt, auch wenn sich Besserung noch nicht abzeichnet.

Rolf Uhlemeier

Christoph Kasper zwischen einigen seiner Arbeiten. - © Rolf Uhlemeier
Christoph Kasper zwischen einigen seiner Arbeiten. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. Der durchsichtige Windfang taucht die schwere Metalltür in gedämpftes Licht. Einen Spalt breit steht sie offen und lädt dazu ein, in die Welt von Christoph Kasper einzutreten. Schrill heult ein Trennschleifer auf, der Geruch von Metall liegt in der Luft. Der große Raum hinter der massiven Tür ist angefüllt mit fantasievoll gestalteten Skulpturen. Sie stehen auf dem Boden, hängen von der Decke und füllen die Emporen, die sich eng an das altehrwürdige Gemäuer der Lederfabrik schmiegen.

Langsam klingt der kreischende Ton aus, verliert sich in den Winkeln der Schmiede. Aus einem Nebenraum betritt der Mann die Werkstatt, in der er seit 19 Jahren jenes Material bearbeitet, das Deutschland dereinst zur Industrienation aufsteigen ließ. Wie immer trägt der Schmied seine Lederweste, an der die zahllosen Stunden an Esse und Amboss nicht spurlos vorübergegangen sind. Auch bei Christoph Kasper haben die vergangenen Wochen und Monate Spuren hinterlassen.

„Für den Einzelnen ist das alles mittlerweile sehr, sehr schwierig"

„Lange konnte ich das alles gut verpacken, doch langsam steht mir das Wasser bis zum Hals." Der Mann, der über die stattliche Erscheinung eines Menschen verfügt, der mit spielerischer Leichtigkeit den schweren Schmiedehammer auf dem glühenden Metall tanzen lassen kann, wirkt ein wenig müde: „Ich sehe vieles immer noch ein, aber für den Einzelnen ist das alles mittlerweile sehr, sehr schwierig."

Schattenmann von Christoph Kasper - © Christoph Kasper
Schattenmann von Christoph Kasper (© Christoph Kasper)

Bis November hatte er eine Ausstellung zusammen mit Frank Schmidts unter dem Titel „Schmidts-Kasper": „Die war gut besucht", sagt der Kunsthandwerker, doch die Zeiten, in der die Menschen zahlreich in die Werkstatt im Hinterhof der Alten Lederfabrik strömten, sind vorbei: „Mittlerweile kommen immer weniger Leute zu mir", sagt Christoph Kasper und ergänzt: „Dabei ist meine Werkstatt wie die aller anderen Handwerkern weiterhin fast normal geöffnet. Natürlich unter Einhaltung der AHA-Regeln."

 

Ein weiteres Werk des Kunstschmieds. - © Rolf Uhlemeier
Ein weiteres Werk des Kunstschmieds. (© Rolf Uhlemeier)

Alles andere als normal sind die Dinge, die in der Werkstatt an der Alleestraße Gestalt annehmen. Bei Hermann Gradinger hat er das Handwerk des Kunstschmieds gelernt. Zusammen mit seiner späteren Frau ist er seiner Berufung gefolgt, hat seinen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau verkauft und ist nach Mainz gegangen. Auf die Ausbildung zum Metallbauer mit der Facharichtung Gestaltung folgte die Meisterschule und 1997 die Rückkehr. Zunächst arbeitete Christoph Kasper in der Schmiede von Hans Hartmann in Künsebeck an der B 68. Seit 2002 befeuert er die Esse in der Alten Lederfabrik und fertigt dort handwerkliche Kunst, an der sich die Menschen weit über die Grenzen des Altkreises hinaus erfreuen.

"Hier gibt es nichts von der Stange"

„Hier gibt es nichts von der Stange", sagt Christoph Kasper und blickt hinüber zu einer Metallskulptur, die vor gut einem Jahr entstanden ist: „Das ist ein Corona-Fighter, ein Corona-Jäger." Da ist sie wieder zu spüren, die Kraft und Kreativität, die Christoph Kasper so auszeichnet. Und dann holt er seine jüngste Kreation hervor. Es ist ein Seiltänzer, der sich in luftiger Höhe auf schmalem Grad über dem Abgrund bewegt. Gerade so wie der Haller Kunstschmied in diesen Tagen, bei dem Begegnungen mit Kunden so selten geworden sind, weil nur noch wenige Menschen in die Werkstätten und Ateliers der Alten Lederfabrik kommen.

 

Der Corona-Fighter, ein Werk von Christoph Kasper. - © Christoph Kasper
Der Corona-Fighter, ein Werk von Christoph Kasper. (© Christoph Kasper)

„Ich kenne mich manchmal selbst nicht mehr", fügt der Man mit den kraftvollen Armen und den breiten Schultern an: „Ich wache nachts oft auf und kann vor lauter Grübeln nicht wieder einschlafen." So geht es vielen Menschen in diesen Tagen und ganz besonders den Kunstschaffenden, die von sich nicht behaupten dürfen, systemrelevant zu sein. Doch sind Kunst und Kultur nicht so wichtig wie das Sonnenlicht, das man nicht greifen kann und dennoch eine zarte Pflanze zum Leben erweckt?

„Ich habe Hoffnung – auf jeden Fall", sagt der Schmied und für einen Augenblick kehrt das Lächeln in sein Gesicht zurück. Da ist die Energie wieder spürbar, die rohes Eisen in so wundervolle Kunstwerke zu verwandeln vermag, die diese schweren Tage lange überdauern werden.

Mehr im Internet unter www.c-kasper.de.

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