LokalsportSoziales Jahr nach dem Abi: Wenn Corona plötzlich sämtliche Pläne umwirft

Das FSJ bei der TG Hörste läuft für Larissa Vorjohann anders als geplant und erhofft. Die 18-Jährige macht das Beste aus der Situation und hat Wege gefunden, mit der Handballgemeinde den Kontakt zu halten.

Nils Uhlig

Foto einer Podcast-Aufnahme von Larissa Vorjohann (links) und Luisa Deppermann - © nuhlig
Foto einer Podcast-Aufnahme von Larissa Vorjohann (links) und Luisa Deppermann (© nuhlig)

Hörste. Larissa Vorjohann macht nichts lieber, als ihre Zeit in der Sporthalle zu verbringen. Die 18 Jahre alte Handballerin, die aktuell beim TuS 97 Bielefeld/Jöllenbeck in der A-Jugend spielt, hat sich deswegen entschieden, ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in den Dienst der TG Hörste zu stellen. Doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Seit dem Lockdown sind von ihr und dem Verein mehr Kreativität denn je gefragt.

„Eigentlich wollte ich gerne 80 Prozent der Woche in der Halle stehen", erzählt Vorjohann, die es sehr schade findet, dass ihr FSJ vollkommen anders verläuft als geplant. Trainerin der weiblichen C-Jugend, Hilfe bei den Mini-Minis, Schiedsrichterin, Zeitnehmerin, Zusammenarbeit mit Schulen und AG-Angebote – all das sollten ihre Aufgaben sein. „Die Erfahrung, als Trainerin in der Halle zu stehen fehlt mir. Aber wir müssen das Beste draus machen", sagt „Larry", wie sie in Hörste gerufen wird.

Mini-Minis machen zusammen mit den Eltern Übungen vorm Bildschirm

Also hieß es für Vorjohann und die TG, Ideen zu entwickeln, um das FSJ mit Leben zu füllen: Das C-Jugend-Training findet nun online statt. Immer wieder überlegt sich die junge Übungsleiterin so genannte Challenges, die sie wöchentlich auswertet. „Das Wichtigste ist, den Kontakt zu den Spielerinnen und zum Verein zu halten", findet Larissa Vorjohann. Auch ein virtueller Mannschaftsabend mit einem Online-Escape-Room-Spiel stand schon auf der Agenda.

Die Mini-Minis betreut sie ebenfalls virtuell, auch wenn sich das bei den kleinsten Vereinsmitgliedern deutlich schwieriger gestaltet. Dreier- bis Sechser-Gruppen machen zusammen mit den Eltern vor dem Bildschirm Übungen, bei denen es um Spiel, Spaß und Ballgewöhnung geht. „Mit mehr Kindern", weiß Larissa Vorjohann, „wäre das einfach ein zu großes Durcheinander." Das Training werde trotz der Umstellung sehr gut angenommen, berichtet die Rückraumspielerin, die mit der TG bereits in der A-Jugend-Bundesliga auflief.

Eigener Podcast als FSJ-Projekt

Weitere Projekte wie eine QR-Code-Schnitzeljagd, die für ältere Mitglieder auch eine ausgeprägte läuferische Komponente bereithält, stehen bereits in den Startlöchern. „Auch wenn es nicht wie geplant läuft, bin ich froh, überhaupt etwas machen zu können. Andere in meinem Seminar haben aktuell gar keine Aufgaben", berichtet die Handballerin.

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Ein eigenes Projekt müssen alle FSJler aber trotz der aktuellen Lage durchführen. Vorbereitung und Durchführung sollen dokumentiert und vorgelegt werden. Das brachte „Larry" auf eine Idee: Mit ihrer Freundin und Mitspielerin Luisa Deppermann, die ihr FSJ beim TuS 97 Bielefeld/Jöllenbeck bestreitet, rief die 18-Jährige einen Podcast ins Leben.

„Team Timeout" heißt das über den Streamingdienst Spotify abrufbare Format, bei dem Handballfans den beiden Spielerinnen und ihren zugeschalteten Gästen einmal pro Woche lauschen dürfen. Am Anfang waren das vor allem Freunde und Bekannte, inzwischen aber steigt die Hörerschaft deutlich an. In 15 bis 30 Minuten Sendezeit sprechen Larissa Vorjohann und Luisa Deppermann mit Mitspielerinnen, kommentieren „lustige und peinliche Storys" aus der Handballwelt auf oder fragen sich in einem Handballquiz gegenseitig aus.

Im Podcast Team Timeout „quatschen wir einfach drauf los"

Der Podcast wirkt erstaunlich routiniert, und die beiden Moderatorinnen sind bereits nach kurzer Zeit sehr eingespielt. „Bei der ersten Folge waren wir schon noch sehr nervös und haben uns zu viel aufgeschrieben. Inzwischen quatschen wir aber einfach drauf los. Wir sind eben auch zwei selbstbewusste Charaktere", berichtet Vorjohann und freut sich, dass die beiden bisher reichlich positives Feedback bekommen haben.

Trotz dieses spannenden Projekt hofft Larissa Vorjohann, lieber früher als später in die Sporthalle zurückkehren zu können. Denn dort fühlt sich die FSJlerin einfach am Wohlsten.

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