HalleFördergelder auf der Kippe: Kosten für Umbau der Kläranlage verdoppeln sich

Die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses erfahren in einem ersten Vorentwurf, wie teuer das neue Klärwerk werden könnte. Konkrete Zahlen gibt es erst Ende April.

Uwe Pollmeier

Klärwerk in Künsebeck, unweit des Sandforther Sees. - © Uwe Pollmeier
Klärwerk in Künsebeck, unweit des Sandforther Sees. © Uwe Pollmeier

Halle. „Wir beginnen mit einem Thema, das wir klären müssen", sagte Axel Reimers, Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses in der jüngsten Sitzung am Dienstagabend. Treffender hätte er die Tagesordnung in der Sporthalle Masch kaum eröffnen können, denn im Mittelpunkt stand das Millionenprojekt Kläranlage. Der Sachstandsbericht von Diplom-Ingenieur Ralf Fritze vom Engeraner Büro Bockermann Fritze, welches die Projektsteuerung übernimmt, zeigte schließlich zwei Punkte ganz deutlich: Es wird teuer und es dauert lange.

War für den Umbau der Kläranlage Künsebeck in der Bedarfsplanung noch von netto 16 Millionen Euro Baukosten die Rede gewesen, gibt es nun eine Verdoppelung auf rund 32 Millionen Euro. „Die erste Summe war nur eine große Abschätzung, diese Summe wäre hingegen beim Worstcase-Szenario fällig", versuchte Fritze die Summe zu relativieren. Man stünde derzeit noch ganz am Anfang, erst mit der Vorplanung könne man eine belastbare Baukostenschätzung vorlegen. Diese soll im Bau- und Verkehrsausschuss am 27. April vorgestellt werden. „Man kann hier nicht von einer Kostenexplosion reden", stärkte Jochen Stoppenbrink (Grüne) die Aussage des Diplom-Ingenieurs. Es habe ja bisher streng genommen noch gar keine Kostenermittlung gegeben.

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Fritze versprach, verschiedenste Modelle vorzustellen, damit die Ausschussmitglieder abwägen könnten, welche Anforderungen zwingend notwendig seien und welche zusätzlichen Funktionen und somit Kostenfaktoren dazu gepackt werden sollen. So sei etwa eine vierte Reinigungsstufe weiterhin optional zu betrachten.

Fördergelder stehen auf der Kippe

Zugleich warnte er davor, sich zu sehr auf Fördergelder zu verlassen. „Bisher konnte man im ResA II-Programm eigentlich immer mit dem Höchstfördersatz rechnen", sagte Fritze. Jedoch weise die Bezirksregierung derzeit darauf hin, dass die Fördertöpfe bald erschöpft seien. „Das Programm läuft noch bis Ende 2022, die Förderbescheide gibt es erst dann. Man weiß auch nicht, wie sich Corona auswirkt. Das ist derzeit eher Kaffeesatzleserei", sagt Fritze. Es besteht die nicht unberechtigte Sorge, dass das Geld weg ist und man nicht weiß, es ein Nachfolgeprogramm ResA III geben wird.

Da die Firma Baxter Interesse an einem Vollanschluss bekundet hat, stellte Silke Schäfer (SPD) die Frage, ob dies Auswirkungen auf die Leistungsanforderungen und somit auch auf die Kosten der Anlage hätte. „Ich gehe davon aus, dass Baxter das Wasser vorbehandeln würde und es somit wie normales Hauswasser anzusehen wäre", sagte Fritze. Dann wären die Auswirkungen minimal. Würde Baxter das Wasser hingegen unbehandelt zuführen, wären die Auswirkungen immens, da die Firma mit „schnell wechselnde unterschiedliche Rohstoffe" einsetze.

„Wenn die Anlage fertig ist, befindet sie sich auf dem aktuellen Stand der Technik. Natürlich kann es aber sein, dass es in zehn oder 20 Jahren neue Anforderungen gibt. Dann muss man die Anlage anpassen", sagte Fritze. Er gehe derzeit davon aus, dass der Baustart im ersten Quartal 2023 erfolgen könne. Bei einer zweieinhalb- bis dreijährigen Bauzeit wäre man 2026 fertig.

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