HalleSteigende Kosten: Worauf Bankkunden achten sollten

Bei Girokonten und Überweisungen ziehen die Gebühren zunehmend an. Wie sieht es bei den Banken in der Region aus? Wo werden Gebühren angepasst? Was gilt es zu beachten? Ein Überblick.

Uwe Pollmeier, Christian Bröder

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Kreis Gütersloh. Es sind schwierige Zeiten – für Banken und deren Kunden. Während sich Verbraucher fragen, wie sie ihr Geld angesichts niedriger Zinsen anlegen sollen, verdienen auch die Institute kaum noch am klassischen Einlagengeschäft. Die Folgen: Die Banken wollen sparen, erhöhen nicht selten die Kosten für ihre Dienstleistungen – zum Beispiel die Gebühr für ein Girokonto, aber auch für eine Papier-Überweisung am Schalter. Wie sieht es Anfang 2021 bei den Geldhäusern in der Region aus? Werden Gebühren angepasst? Worauf muss der Kunde achten?

Holger Piel, langjähriger Kunde der Sparkasse Gütersloh-Rietberg, spricht von einem Fall versteckter Gebührenerhöhung. Den 31-Jährigen hat verwundert, als ihm ein Kontoauszug mitteilte, dass ab 1. Mai 2021 für jede Papierüberweisung, in der Fachsprache Überweisung „per Beleg“, zwei Euro Gebühr fällig werden. Das enttäuscht Piel vor allem darum, weil immer noch viele Menschen auf Papier-Überweisungen angewiesen seien und auf sie keine Rücksicht genommen werde. „Es liegt auf der Hand, dass die Sparkasse immer mehr Richtung Selbstbedienung und online verlagert und auf persönliche Dienstleistungen am Kunden immer mehr Gebühren erhebt. Das ist insbesondere für Senioren und Arbeitslose mit kleinem Geldbeutel zunehmend belastend.“

SparkasseGütersloh-Rietberg

Bei der Sparkasse Gütersloh sieht man die Sachlage anders und gerade bei Überweisungen am Schalter einen abnehmenden Bedarf. „Wir merken, dass Menschen stark die Geräte nutzen, zumal diese rund um die Uhr bereitstehen“, erklärt Pressesprecher Matthias Trepper. Er verweist auf Alternativen wie das S-Privatkonto, das für Schüler, Auszubildende und Studenten bis zum 30. Lebensjahr kostenlos, ansonsten mit 7,50 Euro im Monat buchbar ist und weitere Leistungen beinhalte. Der Kunde könne kostenlos Überweisungen an Selbstbedienungsterminals oder online tätigen. Und welchen Service bietet die Sparkasse Gütersloh-Rietberg Menschen, die das nicht können? „Es gibt immer eine Lösung. Wir bitten Kunden, die Unterstützung benötigen, sich einfach zu melden.“ Ein Girokonto ist bei der Sparkasse Gütersloh-Rietberg seit Jahrzehnten mit einer Gebühr versehen. „Eine grundsätzliche Giropreisanpassung ist in diesem Jahr nicht geplant“, so Trepper.

Kreissparkasse Halle

Auch bei der Kreissparkasse Halle sind Papierüberweisen längst nicht mehr kostenlos. „Beleghafte Überweisungen werden mit 1,25 Euro bei Selbstausfüllung und 1,75 Euro bei der Ausfüllung durch den Kundenservice berechnet“, erklärt Sprecherin Heidi Kirsch. „Wir raten unseren Kunden, möglichst SB-Geräte oder Online-Banking zu nutzen. Kundenberater und Servicemitarbeiter helfen bei Fragen dazu gern weiter“, erklärt Kirsch. Nicht nur jüngere Menschen, sondern auch immer mehr Senioren wechselten laut Sparkasse zum Online-Banking und immer weniger Menschen nutzen die Überweisung per Beleg. Sie sei die aufwendigste Art des Geldtransfers und somit kostenintensiv. Im Gegensatz zu Onlineüberweisungen müssten hier noch Bereitstellung, manuelle Nachbearbeitung und Archivierung berücksichtigt werden. Im Bereich der Kontoführungsgebühren sei in diesem Jahr keine Änderung der Konditionen vorgesehen. „Wie alle Unternehmen beobachten wir jedoch die Kostenentwicklung, so dass es bei Leistungen und Preisen gegebenenfalls zu Anpassungen kommen kann“, sagt Kirsch. Das Giroangebot für unterschiedliche Kundengruppen reicht von 3,95 Euro für ein Partner-Konto bis zu 16,95 Euro für ein Giro-Top-Konto inklusive goldener Mastercard und kostenfreier Bargeldversorgung im Ausland. Das Giro Online-Konto kostet im Monat 6,95 Euro. „Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gibt es mit dem Giro Start-Konto außerdem ein kostenfreies Angebot bis maximal zum 30. Lebensjahr“, erklärt Kirsch.

Volksbank Bielefeld-Gütersloh

Die Volksbank Bielefeld-Gütersloh bietet vier Girokontomodelle, die – je nach individueller Nutzungsart – mit monatlichen Preisen zwischen 3,95 Euro und 12,95 Euro berechnet werden. Bedingungen, wie etwa einen notwendigen Gehaltseingang, gibt es nicht. „Das klassische Online-Girokonto, das über 85 Prozent unserer Kunden nutzen, wird mit 4,95 Euro monatlich bepreist“, sagt Pressesprecher Dennis Will. Je nach Variante des Kontos wird auch bei der Volksbank eine Gebühr für eine Überweisung per Papiervordruck fällig, bei einem Onlinekonto etwa 1,99 Euro. Es gelte, die dem persönlichen Nutzerverhalten entsprechende Variante zu wählen. Abhängig vom Kontomodell sind etwaige Gebühren für eine Überweisung am Selbstbedienungsterminal oder für Bareinzahlungen. „Die letzte Gebührenanpassung der Girokontomodelle ist über sechs Jahre her – damals bei der Fusion zur Volksbank Bielefeld-Gütersloh“, erinnert Will. Weitere Planungen gebe es derzeit nicht.

Volksbank Halle

„Wir beraten unsere Kunden nach individueller Nutzungsart und bieten hierfür drei verschieden Kontomodelle für Privatkunden an“, erklärt Petra Maschkötter, Sprecherin der Volksbank Halle. Die monatliche Grundgebühr im Privatkundengeschäft werde mit Preisen zwischen 5,95 Euro und 10,95 Euro berechnet. Im VR-Mitglieder-Konto seien viele Buchungen wie die Überweisung im Online-Banking oder an den SB-Terminals enthalten. „Die Gebühr für beleghafte Buchungen liegt zwischen 0,49 Euro im VR-Mitgliederkonto und 1,99 Euro im VR-Direktkonto“, erklärt Maschkötter. Die letztes Anpassung der Kontoführungsgebühren sei zum 1. Oktober 2019 erfolgt. „Die Überprüfung der Gebühren ist ein jährlicher Standard-Prozess unserer Volksbank, daher sind Anpassungen 2021 möglich“, sagt Maschkötter. Man gehe jedoch sensibel mit Preisveränderungen um.

Commerzbank

Die Commerzbank verweist auf ihr „seit langem kostenloses Girokonto“, so Sprecher Dirk Kärgel. Doch bietet sie drei Optionen. Beim Basic-Girokonto ist die Kontoführung frei, aber nur dann, wenn es „einen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro“ gibt. Wer den nicht hat, muss für dieses Girokonto 9,90 Euro pro Monat bezahlen. Kostenpflichtig sind zudem Ein- und Auszahlungen in bar am Schalter einer Filiale oder bei papierhaften Zahlungsaufträgen per Überweisung oder Scheck. Fällig werden pro Vorgang oder Auftrag 2,50 Euro. „Das ist für uns ein ganz anderer Arbeitsaufwand, da fallen Kosten an“, erklärt Kärgel. Er verweist auf zwei weitere Girokonten, auf denen kein monatlicher Mindestbetrag eingehen muss. Für die Klassik-Variante sind monatlich 4,90 Euro fällig, alle papierhaften Leistungen in der Filiale sowie Ein- und Auszahlungen aber inklusive. Das gilt auch für das Extra Premium-Girokonto, für das Kunden monatlich 12.90 Euro berappen müssen. Dafür bekommen sie zwei Kreditkarten. Komplett kostenlos „ist es, alles digital zu machen, das ist auch sicherer“, so der Sprecher. Da die Gebühren erst im vergangenen Jahr angepasst worden seien, gebe es 2021 vorerst keine Veränderungen für die Kunden.

Deutsche Bank

Bei der Deutschen Bank wurden die monatlichen Grundpreise für die zwei Kontomodelle zuletzt zum 1. Oktober 2020 angepasst. „Aktuell sind keine Änderungen geplant“, so ein Sprecher der Deutschen Bank. Grundsätzlich werden Privatkunden verschiedene Varianten angeboten, deren monatlicher Grundpreis von 6,90 Euro (zuvor 5,90 Euro) bis zu 13,90 Euro (zuvor 11,90) reiche. Die Deutsche Bank begründet die Gebührenanpassung so wie viele andere Institute: Man reagiere auf steigende Kosten, denn Leistungen und Service rund um die Konten seien in den vergangenen Jahren laufend erweitert worden – vor allem im Online- und Mobile-Banking. Ein Ende ist wohl nicht in Sicht.

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