HalleTour durch das Impfzentrum: HK-Redakteur geht mit Mama zum Impfen

Als Mutter eines Journalisten war Ursula Pollmeier klar, dass es einen Artikel über ihren Besuch im Impfzentrum gibt. Überraschender war für sie dann schon eher die Spritze.

Uwe Pollmeier

Impfzentrum Kreis Gütersloh - © Uwe Pollmeier
Impfzentrum Kreis Gütersloh © Uwe Pollmeier

Kreis Gütersloh. Maske rauf, Fenster runter und schon folgt die erste freundliche Begrüßung vor der geschlossenen Schranke an der Einfahrt zum Impfzentrum des Kreises Gütersloh. „Das reicht mir schon, passt alles", sagt der Sicherheitsmann nach einem kurzen Blick auf die ausgedruckte Terminbestätigung. Die Schranke öffnet sich und nach etwa 100 Metern folgt der nächste Zwischenstopp unter einem Zeltdach. Meine Mutter holt ihren Personalausweis aus der Tasche und überreicht ihn der Mitarbeiterin zwecks Überprüfung des Geburtsdatums. Mindestens 80 Kerzen hätten auf die letzte Geburtstagstorte gehört, also dürfen wir auf den Parkplatz des früheren Supermarkts fahren.

Nach einer weiteren Begrüßung im Eingangsbereich, verbunden mit Fiebermessung und Händedesinfektion, gehen wir weiter zum Anmeldeterminal. Ein Klick auf den Touchscreen, und schon spuckt der Kasten ein Warteticket mit der Nummer 432 aus. Es ist 17.46 Uhr, der Impftermin meiner Mutter ist für 18 Uhr angesetzt. An der nächsten Station erhalten wir die auszufüllenden Formulare, verpackt in einer Pappmappe der kassenärztlichen Vereinigung.

Neben einem Anamnese-Bogen, in dem medizinisch relevanten Informationen abgefragt werden, gibt es noch ein Aufklärungsmerkblatt und den Impfzettel mit einigen persönlichen Daten. Nun beginnt in einem großen abgetrennten Bereich mit kleinen Seitenwänden zwischen den Stühlen die erste Wartephase. Auf mehreren Monitoren erscheinen mit einem Klingelton versehen die Nummern der Impfwilligen, die einen Raum weitergehen dürfen. Eine Atmosphäre wie beim Straßenverkehrsamt oder im Bürgerbüro, nur steriler und mit einem alles dominierenden Weißton bei der Innenausstattung.

„Bis Ostern sind die 80-Jährigen geimpft"

Hinter acht Doppelflügeltüren warten Ärztinnen und Ärzte auf das Aufklärungsgespräch, in dem Fragen zum Impfverlauf gestellt werden können, und wo der Mediziner einen Blick auf mögliche durch Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bedingte Risiken nimmt. Es fällt auf, dass der Raum ziemlich hellhörig ist. „Es ist hier mitunter recht laut, daher lassen wir auch keine Musik laufen", erklärt Bernhard Riepe, Leiter des Impfzentrums, später im Gespräch. Auf Zeitungen muss man wegen der Infektionsgefahr verzichten. Stattdessen gibt es freies W-Lan, und auf den großen Monitoren laufen Infos zum Impfablauf, ohne Ton, aber dafür mit erklärenden Untertiteln. Zielgruppengerecht wird das Infoprogramm ab und zu von einem Hinweis der Polizei unterbrochen, in dem auf Anrufer mit Enkeltrickabsichten verwiesen wird. Das passt, denke ich angesichts der Zweiergruppen, die mindestens zur Hälfte aus einer Ü 80-Person besteht. Meistens fungiert als Begleitperson Kind oder Enkel, vereinzelt sieht man aber auch Ehepaare, die das Glück hatten, einen gemeinsamen Termin zu ergattern.

Papierkram für die Impfung - © Uwe Pollmeier
Papierkram für die Impfung (© Uwe Pollmeier)

Weniger für die Impfsenioren geeignet ist der auf den Bildschirmen regelmäßig erscheinende Warnhinweis für Schwangere, für die eine Impfung ungeeignet ist. Ich warte gespannt auf die erste Seniorin, die wehengeplagt aufspringt und nach einer Hebamme ruft. Es bleibt erwartungsgemäß beim Kopfkino.

Gegen 18.10 Uhr dürfen wir in den Raum 4, wo meine Mutter Fragen an die Ärztin stellen kann. Da sie kaum Klärungsbedarf hat, geht es keine fünf Minuten später durch die Hintertür in den nächsten Wartebereich. Zehn Minuten später folgt dann die Impfung und alles geht ganz schnell, oder um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen: „Schon vorbei, ich habe ja gar nichts gemerkt."

Danach zieht sie sich an einem Automaten erneut einen Zettel, auf dem das Ende der nun anstehenden 30-minütigen Beobachtungszeit steht. „Wir werden diese wohl bald auf 20 Minuten verkürzen, halten die Wartezeit aber für sinnvoll", erklärt Zentrumsleiter Bernhard Riepe. Vereinzelt gebe es Menschen, denen im Anschluss schwindelig werde, und die sich dann etwas hinlegen können. Kritisch sieht Riepe hingegen das komplizierte Anmeldeverfahren, das von der Kassenärztlichen Vereinigung gesteuert werde. Der Kreis Gütersloh denkt offenbar darüber nach, ein eigenes Verfahren zu installieren.

„Die Impfung der über 80-Jährigen sollte bis Ostern abgeschlossen sein", sagt Riepe. Durch den fehlenden Impfstoff seien die Kapazitäten längst nicht ausgeschöpft. Er gehe davon aus, dass sich die Impfungen in den kommenden Wochen deutlich beschleunigen.

Kurz vor 19 Uhr verlassen wir das Impfzentrum. Alles ist gut gegangen, hat nur eine Stunde gedauert und auch am Tag danach hatte meine Mutter keinerlei Beschwerden.

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