HalleStart im Impfzentrum trotzt dem Winter - bald soll es schneller gehen

Nur wenige Impflinge lassen sich vom Schnee aufhalten. Weil der Kreis aber nur 240 Portionen am Tag verimpfen kann, ist die Auslastung des Zentrums noch begrenzt. Ab Donnerstag könnte sich das ändern.

Ludger Osterkamp

Sie war die erste: Die 91-jährige Erna Brink aus Rheda-Wiedenbrück wird nach ihrer Impfung von Landrat Sven-Georg Adenauer verabschiedet; Landtagsabgeordneter Raphael Tigges ist ebenfalls dabei. Die 67-jährige Tochter hatte den Neu-Impfling begleitet. - © Jens Dunhölter
Sie war die erste: Die 91-jährige Erna Brink aus Rheda-Wiedenbrück wird nach ihrer Impfung von Landrat Sven-Georg Adenauer verabschiedet; Landtagsabgeordneter Raphael Tigges ist ebenfalls dabei. Die 67-jährige Tochter hatte den Neu-Impfling begleitet. © Jens Dunhölter

Gütersloh. Da hatte sich das Impfzentrum des Kreises Gütersloh akribisch auf seinen Start vorbereitet, und was passiert? Der erste Impfling bleibt im Schnee stecken. Die 91-jährige Erna Brink, mit ihrer Tochter aus Rheda-Wiedenbrück angereist, musste erst mal aus einer Schneewehe befreit werden. Zum Glück war die Hilfe nah: Einer vom Rettungsdienst ans Steuer, einige Helfer und Sicherheitsleute zum Anschieben – schon war der Weg für den ersten Piks frei. Und vertragen hat ihn die betagte Dame gut.

„Es war aufregend", berichtete die 67-jährige Tochter hinterher. Nicht die eigentliche Impfung – vor der hatte sich ihre Mutter, eine ehemalige Krankenschwester, ohnehin nicht bange gemacht. Nein, die Umstände waren es. Schon am Sonntagabend habe man angefangen, die lange Sackgasse, an deren Ende die Mutter wohnt, freizuschaufeln, Montagmorgen dann ein zweites Mal. Seit fünf Uhr sei sie auf den Beinen, so die Tochter. Alles nur, um auf keinen Fall den Impftermin zu verpassen. „Wir wären so froh, wenn hoffentlich bald alles wieder normal wird."

Pfiffiger Enkel hat bei der Buchung drei Rechner auf dem Tisch

"Montag, 8. Februar, 14 Uhr", hatte auf ihrem Bestätigungsformular gestanden: Der allererste Termin im Gütersloher Impfzentrum. Klargemacht hatte ihn der Enkel von Erna Brink, ein Informatik-Student und Pfiffikus; drei Rechner habe er bei der Buchung auf seinem Tisch gehabt. Wie es dann abgelaufen sei im Impfzentrum, „die Organisation und das ganze Drumherum", sei perfekt gewesen, berichtet die Tochter. „Da stimmt von Anfang bis Ende alles." Dieses Fazit zieht sie nicht, weil gerade Landrat Sven-Georg Adenauer und andere Offizielle daneben stehen, sondern später in einem Telefonat.

Schon weit vor Öffnung des Zentrums um 14 Uhr standen die Impflinge an, um den begehrten Piks zu bekommen. - © Jens Dunhölter
Schon weit vor Öffnung des Zentrums um 14 Uhr standen die Impflinge an, um den begehrten Piks zu bekommen. (© Jens Dunhölter)

Insgesamt habe der Schnee den Start des Impfzentrums für den Kreis Gütersloh kaum erschwert, sagt dessen Leiter Bernhard Riepe. Vier seiner acht Impfstraßen hatte der Kreis in Betrieb genommen, genug, um von nachmittags bis zum letzten Termin um 18.45 Uhr 240 Menschen impfen zu können. Dass es am Ende nur 205 waren, finden die Verantwortlichen keineswegs ernüchternd, sondern im Gegenteil erstaunlich: „Das ist eine Super-Quote", sagte der ärztliche Leiter Michael Hanraths. 90 Prozent seien gekommen, damit habe man angesichts des Wetters kaum rechnen können. „Die Leute sind total dankbar, dass es endlich losgeht", so Hanraths. Bis auf einen kurzen, rasch behobenen Computerausfall habe es keine Komplikationen gegeben, schon gar nicht medizinische. „Der Ablauf passt."

Wer seinen Termin am Montag versäumte, kann ihn am heutigen Dienstag nachholen. Der Impfstoff sei ja da, sagte Hanraths, und für zusätzliches Personal sei gesorgt. Noch liegt die Auslastung des Impfzentrums weit unter dem Maximum, denn mehr als die täglich 240 Portionen von Biontech bekommt der Kreis bislang nicht. „Erst wenn die Menge steigt, können wir auch mehr verimpfen", sagt Bernhard Riepe. Der Kreis gehe davon aus, dass ab Donnerstag auch der Stoff von Astra-Zeneca verfügbar ist. Dann werden die vier Impfstraßen auch vormittags geöffnet, allerdings nur für Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der ambulanten Pflege. Platz genug ist in der umgebauten Halle, ehemals der Supermarkt (Naafi-Shop) der Briten, allemal.

 

Freut sich über ihren Impfausweis: Paula Hamschmidt (90) aus Rietberg. Die Zweitimpfung wird sie am 1. März erhalten. - © Jens Dunhölter
Freut sich über ihren Impfausweis: Paula Hamschmidt (90) aus Rietberg. Die Zweitimpfung wird sie am 1. März erhalten. (© Jens Dunhölter)

70 Minuten Aufenthalt hatte der Kreis bei einem Probedurchlauf pro Impfling veranschlagt, von der Registrierung bis zum Abschied. „Wir haben im Schnitt aber nur 60 Minuten gebraucht", sagte der ärztliche Leiter Hanraths am Abend.

Mehrere Firmen und Organisationen sind eingespannt. Die Einlasskontrolle mit Überprüfung von Termin und Begleitpersonen übernimmt ein Sicherheitsdienst – ohne Termin kommt keiner rein. Das Rote Kreuz und die Malteser betreuen die Impflinge, die kassenärztliche Vereinigung stellt das medizinische Personal, der Kiebitzhof kümmert sich alle zwei Stunden ums Desinfizieren. Die pharmazeutische Leiterin Claudia Scherrer ist dafür zuständig, dass der Impfstoff ordentlich aufbereitet ist, und Cheforganisator Bernhard Riepe freut sich über neun Mitarbeiter des Kreises an seiner Seite.

Hotline zu Fragen rund um den Impftermin geschaltet

Insgesamt, so Landrat Adenauer, seien 60 Menschen dort im Einsatz: „Die Art und Weise, wie das hier geregelt ist, beeindruckt mich. Hier hat das Virus endgültig ausgespielt." Unterdessen hat der Kreis eine Hotline – (0 52 41) 85 26 90 – zu den Impfterminen eingerichtet. Sie ist montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr geschaltet. Neue Termine werden über die Hotline nicht vergeben, sie ist nur dafür da, Fragen zu den schon feststehenden Terminen zu beantworten.

Sei es aus Sorge, zu spät zu kommen, sei es wegen des Wetters: Jedenfalls trafen am ersten Tag viele Impflinge überpünktlich ein. „Wir sind glücklich, zu den ersten zu gehören", sagte Heike Kilian-Amshoff (61), die ihre Mutter Inge begleitete. Die 85-Jährige habe in den vergangenen Monaten fast völlig auf Kontakte verzichten müssen, nun hoffe sie, bald wieder unter Leute zu kommen, spätestens nach der Zweitimpfung am 1. März. Ähnlich ergeht es Paula Hamschmidt, 90, aus Rietberg. „Ich will meine Enkel und Urenkel endlich wieder sehen", sagte sie. Zurück auf dem Parkplatz, hielt sie ihren Impfausweis fest in der Hand.

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