So erleben die Menschen im Altkreis den ersten richtigen Schnee des Jahres

Der gemeinsame Gegner ist weiß und flockig. Schwere Schneepflüge und hunderte handgeführte Schneeschieber sollen den Weg frei machen. Sonntagmorgen ist es im gesamten Altkreis Halle nahezu unmöglich. Doch die weiße Pracht hat auch ihre schönen Seiten.

Herbert Gontek, Sonja Faulhaber, Marc Uthmann

Der Schneefall hat Halle ein völlig anderes Antlitz verpasst. Von oben betrachtet hat sich das Haller Herz in eine prächtige Winterlandschaft verwandelt. - © Ulrich Fälker
Der Schneefall hat Halle ein völlig anderes Antlitz verpasst. Von oben betrachtet hat sich das Haller Herz in eine prächtige Winterlandschaft verwandelt. (© Ulrich Fälker)

Altkreis Halle. Als die Menschen im Altkreis Halle am Sonntagmorgen aus dem Fenster blicken, da wissen sie: Der Winter hat wirklich mit voller Wucht zugeschlagen. Und die durch die Luft peitschenden Schneefontänen verraten, dass es auch noch den ganzen Tag so weitergehen wird. Auf den Straßen kämpfen die Mitarbeiter der Kommunen derweil einen verzweifelten Kampf.

Hans-Hermann Koop, Tochter Anna und die Enkel genießen den Schnee. - © Alexander Heim
Hans-Hermann Koop, Tochter Anna und die Enkel genießen den Schnee. (© Alexander Heim)

„Wir kommen gegenwärtig gegen die Schneemassen nicht an," sagte Alexander Köster, Einsatzleiter bei Straßen NRW, am späten Sonntagmorgen. Dieses Bild zeigte sich überall im Verbreitungsgebiet. Der scharfe Ostwind wehte in kürzester Zeit die geschaffenen Spuren wieder zu. Und in eng bebauten Siedlungen wussten die Menschen nicht, wohin mit dem weißen Zauber. Die meisten überregionalen Straßen konnten nur einspurig frei gehalten werden, das galt auch auf der A 33.

Wintereinbruch Altkreis Halle 2021
Info
Gestern haben die Redaktion viele tolle Bilder rund die Schneemassen im Altkreis erreicht. Die schönsten haben wir für Sie in unserer Bildergalerie zusammengefasst. Leider konnte dabei nicht jedes Bild berücksichtigt werden. Wir danken trotzdem allen, die so nett waren, uns an ihrem "Schneesonntag" teilhaben zu lassen.

Schon vor den ersten Flocken kommt Streusalz auf die Straße

Bei der Straßenmeisterei in Halle begann der Kampf gegen den angesagten Schneesturm am Samstagabend, als noch alles trocken war, mit einer Lage Streusalz gegen das beginnende Unwetter. Mit dem einsetzendem Schneefall griffen die Räumfahrzeuge ein. Sechs Lastwagen, ein Traktor und etliche Kleinräumfahrzeuge für die Radwege sowie mehrere Unternehmer machten sich auf den Weg.

Das Wetter ist wie gemacht für „Schneeengel". - © Jonas Damme
Das Wetter ist wie gemacht für „Schneeengel". (© Jonas Damme)

Allein von Halle aus werden mehr als 300 Kilometer Bundes- und Landstraßen betreut. Für die Gerätschaften ist Winterdienst ein buchstäblich hartes Geschäft, unter dem auch die Maschinen leiden. Und so tauchte Werkstattleiter Tobias Rosendahl kurz vor Mittag auf, um die Schäden zu beheben und die Fahrzeuge fit zu halten. Der Räumdienst der Stadt Halle machte sich ab 4 Uhr auf den Weg. Im Innenstadtbereich ein schwieriges Geschäft, denn je enger die Bebauung, um so schwieriger war es, den Schnee beiseite zu schaffen. Schneepflüge schoben Einfahrten wieder zu – Ärger, der sich nicht wirklich verhindern lässt.

Schnee vom Bürgersteig soll in den Garten

Deshalb appellieren die Verantwortlichen der kommunalen Winterdienste an die Bürger, den noch sauberen Schnee möglichst gleich in den Garten zu packen und nicht auf die Straße, weil er von dort oft vom Schneepflug wieder zurück geschoben wird.

In Borgholzhausen halfen Nachbarn und Bekannte mit Oldtimertraktoren beim Räumen. Allerdings zeigten die Verwehungen den alten Kameraden schnell ihre Grenzen auf. In zahlreichen Anwohnerstraßen bildeten sich spontan Nachbarschaftshilfen zum gemeinsamen Räumdienst. Große Probleme hatten die Zulieferer der heimischen Bäckereibetriebe. Die Spezialfahrzeuge blieben im Schnee stecken. Die Fahrer mussten die Transporte mehrfach freischaufeln und die Brötchen waren deutlich später als sonst fertig.

Einer zieht, die andere hat Spaß: Bei Schnee holten die Wertheraner ihre Schlitten heraus. - © Birgit Nolte
Einer zieht, die andere hat Spaß: Bei Schnee holten die Wertheraner ihre Schlitten heraus. (© Birgit Nolte)

Polizei freut sich über verhältnismäßig ruhiges Wochenende

Erfreuliches gab es am Sonntag von den Polizeidienststellen der Region zu berichten: Sowohl in der Nacht zu Sonntag als auch am Sonntag selbst gab es für die Polizei deutlich weniger zu tun als mancher im Vorfeld befürchtet hatte. Witterungsbedingt wurden im Bereich OWL bislang fünf Verkehrsunfälle mit leichtverletzten Personen und 52 Unfälle mit Sachschaden (Schadenssumme circa 120.000 Euro) durch die Polizei aufgenommen. Im Kreis Gütersloh hatte es in der Nacht lediglich fünf kleinere Unfälle gegeben.

Die A 2 wurde am frühen Sonntagmorgen für 45 Minuten im Bereich des Bielefelder Berges gesperrt. Schneeräumarbeiten machten dies erforderlich. Auf der A 33 musste die Autobahnausfahrt Bielefeld-Zentrum (Auffahrt zur B 61) wegen der Räumung größerer Schneemengen kurzzeitig gesperrt werden.

Bürger ärgern sich über den Schneeräumdienst

Terrier Halla kann es kaum erwarten, mit dem Ball durch den Schnee zu flitzen. - © Petra Hagemeier
Terrier Halla kann es kaum erwarten, mit dem Ball durch den Schnee zu flitzen. (© Petra Hagemeier)

Für Ärger in sozialen Netzwerken sorgte vielerorts die Arbeit der Schneeräumdienste. Obwohl alle ihr bestes gaben, fühlten sich viele, besonders in dörflichen Regionen und in den Nebenstraße, vergessen. So kommentierte eine Userin: „Schön wäre es wenn die Stadt, mal die Dörfer frei machen würde, anstatt nur die Hauptstraßen." Das schafften die Verantwortlichen am Sonntag nicht.

Aber natürlich sorgte der Schnee in der Region nicht nur für Verdruss. Überall holten die Menschen ihre Schlitten raus und Kinder warfen sich übermütig in die weiße Pracht – so ein Wintereinbruch ist in unseren Breiten mittlerweile ein seltenes Ereignis, das zelebriert werden will.

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