HalleOnline-Unterricht ist kein gleichwertiger Ersatz an Grundschulen

Die vier Haller Grundschulen haben die erste Woche des Distanzlernens im laufenden Schuljahr gut gemeistert. Die Lage lässt nichts anderes zu, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass der Präsenzunterricht in den ersten vier Klassen nahezu alternativlos ist.

Uwe Pollmeier

An vielem Küchentischen im Altkreis wird derzeit parallel gearbeitet: an den Hausaufgaben und den elterlichen Pflichten des Broterwerbs. - © Jonas Damme
An vielem Küchentischen im Altkreis wird derzeit parallel gearbeitet: an den Hausaufgaben und den elterlichen Pflichten des Broterwerbs. (© Jonas Damme)

Halle. Bundesweit sind die Schulen geschlossen, unterrichtet wird zumindest bis Ende Januar ausschließlich auf Distanz. Was im Frühjahr schon einmal praktiziert wurde, muss nun angesichts der aktuellen Lage erneut angewandt werden. Die erste Woche ist nun rum und an den vier Haller Grundschulen zeigt sich schon jetzt, dass es so durchaus funktionieren kann. Allerdings wird auch klar, dass die moderne Online-Variante den Präsenzunterricht im Klassenraum nicht gleichwertig ersetzen kann.

Lindenschule

„Wir müssen das Beste draus machen, klagen nützt nichts“, sagt Maik Evers, Leiter der Haller Lindenschule. Dennoch ist er zufrieden, denn gerade die Dritt- und Viertklässler kämen mit der Situation gut zurecht. „Vielen Kindern tut der Distanzunterricht mit dem selbstständigen Arbeiten auch sehr gut“, sagt Evers. Allerdings sei dies bei jedem Schüler anders, insgesamt gehe die Schere in Sachen Lernstand weiter auseinander. Die älteren Schüler nutzen auch vermehrt Dinge wie Videokonferenzen. „Aber es wird sich im Grundschulbereich nicht zu täglichem Onlineunterricht hinentwickeln.“

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Ein dickes Lob richtet Evers auch an sein Kollegium. „Alle waren gut vorbereitet. Wir haben am Samstag zuvor in einer Videokonferenz alles besprochen“, sagt Evers. Die Belastung sei enorm, man sei praktisch rund um die Uhr erreichbar und habe auch am Wochenende zu tun. Man habe sich vieles autodidaktisch erarbeiten müssen. „Schließlich sind wir ja pädagogisch und nicht technisch ausgebildet“, sagt Evers.

Von den 246 Schüler*innen sind derzeit 25 in der Notbetreuung, die täglich von 9 bis 12 Uhr angeboten wird. Eingeteilt sind sie in drei bis vier Gruppen, richtiger Unterricht findet für sie in dieser Zeit jedoch nicht statt. Mit den Eltern, die ebenfalls sehr verständnisvoll auf die aktuelle Situation reagieren, stehe man im regelmäßigen Austausch. „Wir stehen in regelmäßigem Kontakt, telefonieren viel oder bieten auch Zoom-Meetings an“, sagt Evers.

Am Samstag und Montag vor dem Ferienende konnten die Eltern an der Schule das Lernmaterial abholen. Dieser Vorgang dürfte sich nun wöchentlich wiederholen, denn das Paket ist so konzipiert, dass es für eine Unterrichtswoche ausreicht. „Die Materialpakete sind für Grundschüler am besten, Livestreams machen in dem Alter wenig Sinn“, sagt Evers. Allerdings sind auch Tablets im Einsatz. Rund 35 Familien haben sich von der Schule solch ein Gerät aushändigen lassen.

Grundschule Gartnisch

„Wir sind direkt gestartet und haben am Dienstag die Lernmaterialien ausgegeben“, sagt Kristina Niemeyer, Leiterin der Grundschule Gartnisch. Der Großteil erfolge noch in Papierform, obwohl man mit 135 iPads für 210 Schüler*innen ganz gut ausgestattet sei. „Dies sind eigentlich für die Nutzung in der Schule gedacht, aber die Stadt hat kurzfristig zugestimmt, dass wir sie auch mit nach Hause geben dürfen“, sagt Niemeyer.

Man habe für jede Klasse eine bestimmte Abholzeit festgelegt. In dieser Zeit können dann die in Klassenkisten deponierten Lernmaterialien abgeholt werden. Auch hier wird sich das Prozedere wöchentlich wiederholen, bis die Schulen wieder geöffnet werden.

„Wir haben feste Lernzeiten für Deutsch. Mathe, Sachunterricht und Englisch“, sagt Niemeyer. Dadurch ergeben sich feste Mindestarbeitszeiten von 60 bis 180 Minuten. Zudem können online oder offline freiwillige Zusatzaufgaben gelöst werden. Auch an der Grundschule Gartnisch halte man regelmäßigen Kontakt zu den Kindern und natürlich auch zu deren Eltern.

Beim Unterricht gebe es auch durchaus mal Videokonferenzen, aber der Online-Unterricht spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Er ist für Grundschulen nicht zielführend. Wir bevorzugen es, mit den Kindern im telefonischen Kontakt zu stehen“, sagt Niemeyer.

Gerade die Schüler*innen der ersten beiden Klassen benötigten diesen Kontakt, den man daher auch mindestens einmal pro Woche aufnehme. Digital sei viel passiert, auch innerhalb des Kollegiums nutze man häufig Videokonferenzen. „Aber das alles kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen“, ist sich Niemeyer sicher.

Aktuell sind in der Notbetreuung gut 30 Kinder. „In der nächsten Woche werden es wohl schon 40 sein und die Zahlen werden noch steigen“, sagt Niemeyer und schildert das Ergebnis aus Gesprächen mit den Eltern. Zahlen, die belegen, dass viele Eltern nach fast einem Jahr Corona am Limit sind.

Grundschule Hörste

„Bereits am Donnerstag vor dem Schulstart haben wir die Eltern per E-Mail informiert“, sagt Stefanie Liesen, Leiterin d er Grundschule Hörste. Auch überwiegt das papiergebundene Arbeiten, zudem gibt es aber auch digitale Anteile. Das Material für den Unterricht in den eigenen vier Wänden konnte am Montag nach den Weihnachtsferien an der Schule abgeholt werden. Geplant wird immer für eine Woche und neben Pflichtaufgaben gibt es auch einige Wahlaufgaben. „Es gibt zudem auch noch Sternchenaufgaben, darunter auch einige digitalen“, erklärt Liesen.

Auch an der Grundschule Hörste hält man per Telefon oder auch Videokonferenz engen Kontakt zu Schülern und Eltern. „Lehrergespräche sind auf Wunsch täglich möglich“, sagt Liesen.

Von den 144 Schülern, die aktuell die Grundschule Hörste besuchen, sind aktuell 38 in der Notbetreuung. Diese sind, so ist es der theoretische Wunsch der Landesregierung, von nichtschulischem Personal zu betreuen. Da dies jedoch in der Praxis personell nicht leistbar ist, wird das Team in Hörste von vier Lehrkräften ergänzt. Ein Unterricht im klassischen Sinne finde dort jedoch nicht statt.

„Wir geben unser Bestes und versuchen, uns auf wichtige Sachen zu konzentrieren“, sagt Liesen hinsichtlich des Lernstands in Pandemiezeiten. Bis Mitte Dezember sei das aktuelle Schuljahr noch halbwegs normal verlaufen. Die Auswirkungen des jetzigen Lockdowns seien noch nicht absehbar.

Grundschule Künsebeck

In Künsebeck gibt es für die ersten beiden Klassen die Materialien ausschließlich in ausgedruckter Form, die Dritt- und Viertklässler nutzen verstärkt Tablets, von denen die Schule nach eigener Aussage ausreichend besitzt. „Die Klassenlehrer halten untereinander regelmäßig Telefonkonferenzen ab“, sagt Schulleiterin Natja Tönsmann.

Das Lernmaterial wird den Schüler*innen in der Regel für jeweils eine Woche im Voraus zur Verfügung gestellt. Sobald es etwas Neues gibt, erhalten die Eltern per E-Mail eine Benachrichtigung. Die Unterstützung, die ein Kind im Distanzunterricht benötigt, sei ganz unterschiedlich. „Jedes Kind löst die Aufgaben ganz unterschiedlich“, sagt Tönsmann. Somit sei es schwer zu sagen, ob durch die Pandemie unterm Strich Lernrückständen entstanden seien. „Es ist kein gleichwertiger Ersatz für den Unterricht in der Schule“, sagt Tönsmann mit Blick auf das Distanzlernen. Grundschulpädagogik, die überwiegend durch Videokonferenzen vermittelt wird, können sie sich auch für die Zukunft nicht vorstellen.

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