HalleKater Schnuppi ist weg: Sein Verschwinden macht seine Halter misstrauisch

Ein Haller Ehepaar zieht sämtliche Register bei der Suche nach seinem entlaufenen Kater. Neben Anzeigen, Finderlohn und vielen Gesprächen haben sich die Besitzer auch mit einem Nachtsichtgerät auf der Lauer gelegt. Indes, manche nervt ihre Hartnäckigkeit.

Melanie Wigger

Schnuppi ist am liebsten Geflügelmortadella, sagen seine Halter. Ob er die momentan bekommt, wissen sie nicht. - © Rolf Kellner
Schnuppi ist am liebsten Geflügelmortadella, sagen seine Halter. Ob er die momentan bekommt, wissen sie nicht. (© Rolf Kellner)

Halle. Mit seinen strahlend blauen Augen verführt Kater Schnuppi so manchen Katzenfreund. So auch das Ehepaar Kellner. Die beiden wohnen erst seit Mai in Halle und bezogen hier ein Häuschen an der Sauerbruchstraße. Kurz darauf lernten sie Schnuppi kennen, der sich abgemagert durch den Müll wühlte. „Wahrscheinlich ausgesetzt", vermuteten die Kellners und erfuhren erst später, dass der Kater schon zuvor ein häufiger Gast in der Gegend war. Eine Nachbarsfamilie hatte bereits versucht, ihn aufzunehmen – entschied sich aber wegen einer Katzenhaarallergie dagegen. Andere waren wiederum keine Fans von dem Angler an ihrem Gartenteich. Und manche witzelten nach seinem Verschwinden sogar, dass er wohl im angrenzenden Jagdrevier vor die Flinte gelaufen sei. Kurzum: Schnuppi war in der Sauerbruchstraße bekannt.

Ein festes Zuhause schien er jedoch nicht in der Umgebung zu haben. Auch der Tierarzt, bei dem die Kellners den Kater durchchecken, impfen und gegen seine Magenprobleme behandeln ließen, konnte ihn nicht zuordnen. Die Wochen vergingen – kein Hinweis auf Schnuppis Zuhause – und der Tierarzt gab grünes Licht, den Kater chippen und registrieren zu lassen. Denn Schnuppi ist den Kellners definitiv sehr ans Herz gewachsen – umso schmerzt es sie, dass der Kater verschwunden ist, während sich die beiden auf eine Reise begaben.

Da staunt Schnuppis Herrchen nicht schlecht. - © Privat
Da staunt Schnuppis Herrchen nicht schlecht. (© Privat)
Links zum Thema
Tierfreunde nerven Katzenhalterin: Kater Dr. Watson ist ständig auf Facebook

Vier Wochen waren die beiden in Brasilien, um ein Hilfsprojekt für autistische Kinder aufzubauen. Das Paar versuchte, den Kater in einer Tierpension unterzubringen: Aber die hatten entweder keinen Platz oder lehnten nicht kastrierte Tiere ab, berichtet Rolf Kellner. „Aufgrund seiner Magenprobleme mussten wir seine Kastration bislang aber verschieben."

Einige Spuren versprachen Hoffnung

Damit der Freigänger nicht erneut abmagerte, trafen die Kellners Absprachen: Der Vermieter und dessen Mutter übernahmen die Fütterung. Doch nach rund zwei Wochen, am 24. Oktober, tauchte das neue Familienmitglied nicht mehr auf. „Ich habe mir solche Sorgen gemacht – ich wollte sofort zurückfliegen", sagt Aucineide Garcia Gomes Kellner. Zugunsten ihrer ehrenamtlichen Arbeit blieben sie jedoch.

Erst am 7. November kehrten die beiden zurück – und begannen sofort mit ihrer Suche: in der Nachbarschaft, im Netz, mit Zeitungsinseraten, Flyern ... Auch Polizei und Tierheim konnten nicht weiterhelfen.

Sogar mit einer Belohnung von 200 Euro für den Finder intensivierten die beiden ihre Suche. „Wir haben viele Rückmeldungen bekommen", berichtet Aucineide Kellner, „leider viele falsche." Einige Spuren versprachen Hoffnung. „Eine Frau hatte uns versichert, Schnuppi gesehen zu haben", sagt Rolf Kellner. Doch plötzlich sprach sie von einer Verwechslung und brach den Kontakt ab und blockierte die Nummer der beiden sogar. Den Kellners kam das dubios vor – sie fragen sich: Steckt mehr dahinter? Will jemand Schnuppi vor ihnen verstecken? Vielleicht jemand aus ihrem Umfeld? Bei der Polizei bot man ihnen an, Anzeige gegen unbekannt zu stellen – und in diesem Zuge die Frau aufzusuchen. Ein Schritt, der beiden unangenehm wäre.

Stutzig macht die beiden, dass sie von vielen verschwundenen Katzen in der Region gehört haben. Sowohl in der Nachbarschaft als auch in der Facebook-Gruppe „entlaufene/gefundene Tiere Bielefeld-Jöllenbeck und Umgebung". Diese wird von Sabine Kipp ehrenamtlich betreut. Die Bielefelderin vernetzt sich mit der Tierschutzorganisation Tasso. Mithilfe der Gruppe können auch Halter und Finder aus dem Altkreis entlaufene Tiere melden. Die Suchmeldungen nehmen laut Sabine Kipp zu. Ob tatsächlich mehr Tiere verschwinden, oder ob einfach nur die Halter vermehrt in die Öffentlichkeit gehen, bleibt offen. „Das viel zu schnelle Füttern fremder Katzen" sei ein zunehmender und kritischer Faktor. Die Gruppenadministratoren versuchen ein Bewusstsein zu schaffen, einen Fund schnell zu melden.

Schnuppi kuschelt mit seinem Frauchen. - © Privat
Schnuppi kuschelt mit seinem Frauchen. (© Privat)

Die Kellners hatten in der Gruppe keinen Erfolg. Mittlerweile haben sie sich technische Hilfe geholt und beobachten ihr Grundstück mit Nachtsichtkameras. Und es gibt Hoffnung: Am 24. Dezember ließ sich Schnuppi tatsächlich nachts blicken. „Er muss es gewesen sein", meint Rolf Kellner, der die Schwarz-Weiß-Aufnahme genau unter die Lupe genommen hat. „Der Farbverlauf passt genau zu Schnuppis creme-weißem Fell." Seine Frau erinnert sich: „Ich bin fast ausgeflippt vor Freude."

Doch der Optimismus hat mittlerweile nachgelassen. Denn seit dieser Nacht gab es kein weiteres Lebenszeichen. Die beiden befürchten, dass Schnuppi irgendwo festgehalten wird und deshalb nicht zurückkehrt. Auch wenn sie schon mehrfach zu hören bekommen hätten, sie sollen die Suche aufgeben – die Nachbarschaft reagiere teils schon genervt auf die hartnäckige Suche, die die Kellners seit Wochen Tag für Tag fortsetzen. Aucineide Kellner kann dennoch nicht aufgeben: „Ich habe seit seinem Verschwinden bis heute keine Ruhe gehabt."

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.