Corona-Pause auch für die Feuerwehr: Welche Folgen hat das?

Heiko Kaiser

Hörstes Löchzugführer Peter Goldbecker vermisst die Zusammenkünfte mit den Kameraden. Auch bei der Haller Feuerwehr werden die Kontakte minimiert. - © Heiko Kaiser
Hörstes Löchzugführer Peter Goldbecker vermisst die Zusammenkünfte mit den Kameraden. Auch bei der Haller Feuerwehr werden die Kontakte minimiert. (© Heiko Kaiser)

Halle. Dass Peter Goldbecker im Augenblick seiner Hauptfreizeitbeschäftigung nicht nachgehen kann, ist nicht nur negativ zu werten. Dem Leiter des Löschzugs Hörste und inoffiziellen Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr in Halle geht es wie allen seiner Kameraden. „Unsere Aktivitäten sind derzeit praktisch auf Null reduziert", sagt Goldbecker. Das gilt für dienstliche wie festliche Aktivitäten (siehe Infokasten). „Einen normalen Feuerwehralltag gibt es schon lange nicht mehr", erklärt der Hörster Löschzugführer.

Das Bedauern, das dabei seiner Stimme mitschwingt, ist deutlich zu vernehmen. Nach dem Lockdown in der ersten Jahreshälfte hatte sich die Situation auch bei der Feuerwehr ein bisschen entspannt. „Wir hatten die Dienste in kleineren Gruppen organisiert, um eine mögliche Ansteckung begrenzen zu können", sagt der 51-Jährige und spricht dabei für alle vier Löschzüge der Stadt. In Hörste wurden vier Gruppen zu zehn Kameraden gebildet, die zu Übungsabenden zusammenkamen. „Wir müssen ja besonders vorsichtig sein, um weiterhin einsatzfähig zu bleiben", betont Peter Goldbecker.

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Winterfeste und Osterfeuer fallen aus


Die Winterfeste der Löschzüge Kölkebeck und Hörste können in diesem Jahr nicht stattfinden und sind bereits offiziell abgesagt worden.´ Das gleiche gilt für die Osterfeuer Anfang April. Obwohl bis dahin noch drei Monate Zeit sind, hat sich die Feuerwehr schon jetzt für eine Absage entschieden. „Beim Ausfall im vergangenen Jahr mussten wir das angelieferte Brennholz wieder entfernen. Um das zu verhindern und weil nicht klar ist, wie sich die Lage weiter entwickeln wird, haben wir uns diesmal frühzeitig entschieden, das Osterfeuer abzusagen", so Peter Goldbecker.

Die Vorsicht gebietet es, dass die Übungsabende seit einiger Zeit komplett gestrichen sind. Während die vier Löschzugführer Ralph Heermann (Halle), Jörg Vemmer (Kölkebeck), Pascal Godt (Künsebeck) und Peter Goldbecker einmal im Monat mit dem Leiter der Feuerwehr Halle Wilhelm Köhne zusammenkommen, um wichtige Dinge zu besprechen, ist der Austausch unter den Kameraden auf virtuelle Treffen begrenzt. „Es gibt den Kontakt über WhatsApp-Gruppen oder per Mail, aber die Kameradschaft kann zur Zeit nicht gepflegt werden", so Goldbecker.

"Für die Jüngeren tut es mir leid"

Dieser Kontakt aber sei ein wichtiger Bestandteil des Feuerwehrlebens. Und das nicht nur aus Gründen der Geselligkeit. „Das Üben der Abläufe ist das Eine. Unsere Treffen haben jedoch noch eine ganz andere Funktion. Sie sorgen dafür, dass Vertrauen aufgebaut wird. Die Teilnehmer erfahren, wie sich die Kameraden verhalten und lernen dabei, dass sie sich aufeinander verlassen können. Auch, wenn es kritisch wird", erklärt Goldbecker.

Auf diese Erfahrungen muss derzeit verzichtet werden – in allen vier Löschzügen. Besonders für die, die erst kurz dabei sind, eine schwierige Situation. „Die Alten werden nichts verlernen. Doch für die Jüngeren tut es mir leid", sagt Goldbecker. Zwar biete die Kreis-Feuerwehrschule St. Vit Online-Schulungen an, doch: „Allein durch Lesen oder Erzählen kann ich noch kein Gerät bedienen".

Doch die Corona-Lage hat auch eine positive Auswirkung auf das Leben in der Feuerwehr. „Die Einsätze sind deutlich zurückgegangen. Wir haben weniger Unfälle und weniger Brände als sonst. Auch über Weihnachten war weniger los, als in den Jahren zuvor", berichtet Goldbecker und liefert gleich die Erklärung dafür mit. „Die Menschen scheinen entschleunigt zu sein. Sie sind offensichtlich vorsichtiger, umsichtiger. Ein komisches Phänomen", findet er. Die Tatsache, dass viele Berufstätige derzeit im Homeoffice arbeiten, reduziere den Verkehr, außerdem fielen die typischen Unfälle auf der Heimfahrt nach der Disco oder nach Feierlichkeiten weg.

Ob er sich dann derzeit mehr auf einen Einsatz als früher freue? „Freuen auf den Einsatz ist hier der falsche Begriff. Ich freue mich, meine Kameraden wiederzusehen", antwortet Goldbecker. Angst vor Ansteckung habe er nicht, wenn er in diesen Tagen zu einem Einsatz gerufen wird. „Natürlich gibt es mehr Bedenken. Schließlich wissen wir nie, wer und was uns am Einsatzort erwartet. Corona ist da immer im Hinterkopf. Wir versuchen deshalb unsere Fahrzeuge so gering wie möglich zu besetzen. Doch wenn ein großer Brand gemeldet ist, tritt das in den Hintergrund. Dann hat die Rettung absoluten Vorrang."

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