Schnapsbrenner soll Spirituosen im Wert von 50.000 Euro gestohlen haben

Herbert Gontek

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Halle. Mit dem eingestandenen Diebstahl von 50 Kisten oder 300 Flaschen Spirituosen im Werte von 8.300 Euro hat sich ein Destillateur aus Kreis Gütersloh beruflich ins Abseits manövriert. Gestern stand er für diese Tat vor dem Haller Amtsgericht. Allerdings war bei einer Inventur ein erheblich höherer Fehlbestand festgestellt worden, so dass sich die Frage stellte, wer die anderen fehlenden 1.200 Flaschen entwendet hatte. Das Unternehmen beziffert den Schaden mit rund 50.000 Euro.

„Ich kann nicht genau erklären, was damals in mich gefahren ist", sagte der Destillateur gestern vor Gericht. Er habe zwar finanzielle Probleme gehabt, aber die hätten ihn im Nachhinein betrachtet nicht zu den Taten bewegen dürfen. Er entschuldigte sich dafür.

„Es darf bei uns keinen Schwund im Bestand geben"

Auf Nachfrage erklärte er dem Gericht, dass er an zwei Tagen in November 2019 während der Spätschicht aus zwei Lagern um die 50 Kisten und damit 300 Flaschen gestohlen und in seinem Auto abtransportiert habe. Bei seinem Beutezug hatte er die tags zuvor installierten Videokameras allerdings übersehen. Das Diebesgut brachte er sofort zu seinen Kunden. Zur nächsten Spätschicht nahm ihn die Polizei im Betrieb fest. Es folgte eine Hausdurchsuchung.

„Es darf bei uns keinen Schwund im Bestand geben", sagte der 69-jährige Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens und erklärte, dass wegen der zu zahlenden Alkoholsteuer eine perfekte und ausgeglichene Buchhaltung praktiziert werde. Transport- und Lagerverluste durch Bruch müssten schlüssig erfasst und penibel dokumentiert werden, damit sie abgezogen werden könnten.

Weitere berichtete der Chef, dass seit Oktober 2019 durch den Lagerleiter Verluste festgestellt worden seien. Das Lager werde üblicherweise nach der Tagschicht geschlossen. Der diensthabende Destillateur der Spätschicht habe als Schichtleiter aber Zugang.

Im November stellte der Lagerleiter erneut Verluste fest. „Allein von einer Spitzenqualität, von der wir jährlich nur 1.000 Flaschen verkaufen, fehlten knapp 200", berichtete der Geschäftsführer. Schließlich wurden zur Aufklärung zwei Kameras installiert. Zwei Aufzeichnungen dokumentierten schließlich die abendlichen Diebstähle des Angeklagten in der Edelspritabteilung. In seiner Einlassung gab er den Diebstahl von 300 Flaschen aus der Standardproduktion zu – das sind 1.200 weniger, als nach einer Generalinventur fehlen. Um das Geheimnis dieser Differenz weiter aufzuklären, sollen Lagerleiter und Lagerbuchhalterin am 15. Dezember an einem weiteren Verhandlungstag befragt werden.

Nach elfjähriger Zugehörigkeit zur Brennerei erhielt der Mann Ende 2019 die fristlose Kündigung. Inzwischen schult er um, sieht in seinem alten Beruf keine Zukunft mehr, da die Brennerszene übersichtlich ist und schwarze Schafe offenbar keine Chance mehr haben.

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