HalleDispozinsen immer noch hoch: So argumentieren die Kreditinstitute

Verbraucherschützer kritisieren, dass für die Inanspruchnahme des Dispokredits immer noch Zinssätze von um die zehn Prozent gezahlt werden müssen. Die Kreditinstitute argumentieren mit hohen Kosten.

Heiko Kaiser

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Halle. Die deutschen Banken und Sparkassen fordern trotz anhaltender Niedrig- oder sogar Negativzinsphase im Schnitt noch immer knapp zehn Prozent Zinsen für Dispokredite. Deutschlandweit hatte das Verbraucherportal FMH-Finanzberatung für die „Bürgerbewegung Finanzwende“ Anfang Oktober 3.400 Kontomodelle von 1.240 Banken und Sparkassen herangezogen und dabei Spitzenwerte von bis zu 13,75 Prozent ermittelt.

„Während Banken immer öfter Negativzinsen auf Einlagen verlangen, greifen sie bei Dispozinsen oft mit zehn Prozent und mehr zu. Zweistellige Dispozinssätze sind gerade in der derzeitigen Lage absolut unangebracht. Die Banken und Sparkassen müssen die Praxis überhöhter Dispozinsen in der Corona-Krise umgehend einstellen“, so Julian Merzbacher, Verbraucherschutzexperte bei Finanzwende. „Unverschuldet brechen Menschen wegen Corona Aufträge oder der Arbeitsplatz weg. Der Zinshammer kommt dann bei vielen klammen Personen oben drauf und trägt zu einem unnötig hohen Schuldenberg bei. Alle Banken und Sparkassen müssen beim Thema Dispozinsen endlich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden“, fordert Merzbacher.

Die Studie stellte fest, dass einige Banken den Dispozins gesenkt, andere Institute die Zinsen hingegen sogar während der Krise noch erhöht haben. Sowohl die Kreissparkasse als auch die Volksbank Halle erklärten hingegen auf Anfrage, weder Gebühren noch die Zinssätze auf Dispokredite erhöht zu haben. Die Kreissparkasse habe zum 1. Oktober den Zinssatz um 0,05 Prozent gesenkt. Beide Institute verzeichneten keinen Anstieg der Dispokredite im Laufe der Corona-Krise. Die Kreissparkasse sprach sogar von einem Rückgang der Dispo-Inanspruchnahme und vermutet: „Die Menschen haben derzeit genügend Geld zur Verfügung, auch weil während der andauernden Pandemie mehr gespart wird.“

Auf die Frage, warum die Zinsen für die Dispokredite trotz anhaltender Niedrigzinsphase und eines Leitzinses der EZB von null immer noch in der Nähe von zehn Prozent liegen – die Volksbank Halle verlangt je nach Kontomodell und den damit verbundenen Gebühren zwischen 8,24 und 9,24 Prozent, die Kreissparkasse zwischen 7,7 und 9,7 Prozent, verwiesen beide Institute auf die höheren Kosten dieser Kreditart. „Der Kunde soll jederzeit über den vollen Betrag verfügen können. Daher muss die Liquidität für den Kreditrahmen vorgehalten und mit Eigenkapital unterlegt werden. Dispositionskredite haben zudem ein höheres Ausfallrisiko und die Kreditinstitute sind in bestimmten Fällen gesetzlich zu einem Beratungsangebot verpflichtet. Das alles führt insgesamt zu einem höheren Zinssatz für Dispositionskredite“, erklärt eine Sprecherin der Kreissparkasse.

„Die Höhe der Dispozinsen orientiert sich nicht nur an der Höhe von kurzfristigen Refinanzierungszinssätzen. Die Möglichkeit der Inanspruchnahme des Dispositionskredites wird dauerhaft und flexibel zur Verfügung gestellt, auch wenn die Kundin beziehungsweise der Kunde diese nicht nutzt. Dafür entstehen trotzdem Kosten für unsere Bank. (...) Anschaffungen und Investitionen jeglicher Art können über andere Finanzierungsformen günstiger und mittel- bis langfristiger finanziert werden“, antwortet die Volksbank.

Verbraucherschutzexperte Julian Merzbacher erklärte dazu: „Wir fordern nicht, dass Dispozinsen bei null Prozent liegen. Wir stellen auch nicht in Frage, dass Dispokredite für die Banken höhere Kosten bedeuten. Aber Zinsen um die zehn Prozent und mehr sind nicht zu rechtfertigen.“ Über die Hälfte der Banken verlangten nach Aussage von Merzbacher auch Zinssätze von mindestens zehn Prozent. Der Hinweis der Banken auf die größere Flexibilität des Dispokredits für den Kunden und die damit verbundene kostenintensive Vorhaltung von Liquidität durch die Banken reiche als Begründung nicht aus, dass man so hinlange.

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