Neue Aktien von Gerry Weber: Empörung über Rückkehr an die Börse

Während es im Netz Kritik hagelt, sieht eine Börsenexpertin Gerry Webers neue Aktien auch unter positiven Gesichtspunkten. Mit den alten Wertpapieren seien die neuen jedoch nicht vergleichbar.

Melanie Wigger

Am Montag wird das Unternehmen Gerry Weber an die Börse zurückkehren und frische Aktien ausgeben. HK-Leser sehen das überwiegend kritisch. - © Oliver Krato
Am Montag wird das Unternehmen Gerry Weber an die Börse zurückkehren und frische Aktien ausgeben. HK-Leser sehen das überwiegend kritisch. (© Oliver Krato)

Halle. Gerry Weber ist zurück an der Börse. Glauben Sie, dass sich der Aktienkauf lohnt? Das haben wir im Netz gefragt – und deutliche Reaktionen bekommen. „Knallhart gefragt: Wer kauft aus Mitleid Aktien?" lautet eine spontane Gegenfrage. Zwischen Ablehnung und Spott reihen sich die negativen Kommentare unter der Nachricht, dass das Modeunternehmen nach dem Insolvenzverfahren jetzt neue Aktien verkauft.

„Kapitalismus pur. Auf Kosten der Beschäftigen sanieren und anschließen an der Börse absahnen. Man muss nicht Mitglied der Linkspartei sein, um solches Tun widerlich zu nennen", kommentiert ein User. „Schrecklich, erst so viele kündigen und jetzt wieder so ein Scheiß. Manche lernen es nie. Schade um den Namen Weber – alles wird zerstört", äußert ein anderer seinen Unmut. Ein weiterer fragt sich, wie sich jetzt wohl die alten Anteilseigner fühlen müssen.

Eine Userin sieht dem geplanten Börsenstart am Montag, 19. Oktober, skeptisch entgegen: „Viele Börsengänge wurden in den vergangenen Jahren wieder abgesagt, weil sich kein Dummer gefunden hat." An anderer Stelle wird der Vergleich zur toten Kuh gezogen, die jetzt noch mal gemelkt werden soll. Ein Haller prophezeit „eine Menge Spaß für die Spekulanten".

Doch wie ist dieser Schritt aus Expertensicht zu bewerten? Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meint: „Aus Sicht der DSW ist es immer wieder erfreulich zu sehen, dass auch in schwierigen Zeiten die Aktiengesellschaften wieder an die Börse zurückkehren."

Die Expertin gibt allerdings zu bedenken: „Allerdings sollten die ehemaligen Aktionäre der Gerry Weber AG berücksichtigen, dass diese Gesellschaft, die am 19. Oktober ihr Börsencomeback einläutet, mit der alten Gerry Weber AG nicht vergleichbar ist."

„Es ist ein mutiger Schritt – in COVID-19-Zeiten"

Die Struktur der Aktionäre habe sich komplett verändert, der Namensgeber sei nicht mehr existent und der Erlös, der durch den Börsengang erzielt werde, fließe in die Taschen der Finanzinvestoren und nicht in die Gesellschaft, erläutert die DSW-Hauptgeschäftsführerin.

„Dennoch ist es ein mutiger Schritt, in COVID-19-Zeiten wieder den Weg an die Börse zurück zu gehen. Und so freue ich mich schon auf die nächste Hauptversammlung"

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