Erdgas liefert Zündstoff in Halle: Gibt es eine Lösung für die Kunden?

Die Aral hat wie berichtet die Verträge über die Zapfsäulen der Tankstelle an der Bielefelder Straße gekündigt. Es geht um Geld und Konditionen.

Marc Uthmann

Die Erdgas-Zapfsäule der Aral-Tankstelle an der Bielefelder Straße in Halle ist weiter voll funktionsfähig. Wie lange hier noch getankt werden kann, wird allerdings gerade verhandelt. - © Marc Uthmann
Die Erdgas-Zapfsäule der Aral-Tankstelle an der Bielefelder Straße in Halle ist weiter voll funktionsfähig. Wie lange hier noch getankt werden kann, wird allerdings gerade verhandelt. (© Marc Uthmann)

Halle. „Jetzt informieren und umsteigen", fordern die Technischen Werke Osning (TWO) auf einem Plakat auf, dass an der Aral-Tankstelle direkt neben der B 68 hängt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen klingt das wie blanker Hohn: Denn statt eine umweltfreundlichere Antriebstechnik zu fördern, droht der heimische Versorger die dafür nötige Infrastruktur zu verlieren. Noch ist es allerdings nicht so weit.

Denn die Erdgas-Zapfsäule an der Bielefelder Straße ist noch nicht außer Betrieb, wie das HK aufgrund eines Missverständnisses am Montag berichtete. Fakt aber ist: Die Aral hat die Verträge zunächst einmal zum 31. Dezember gekündigt. Und damit auch Tankstellen-Pächter Waldemar Kobus überrumpelt: „Die TWO haben das Thema Erdgasautos doch forciert." Erst vor Kurzem habe es eine teure Wartung des Systems gegeben, „das war eine fünfstellige Summe". Die beiden Erdgas-Zapfstellen sind in eine Säule der Tankstelle integriert. „Eine funktioniert aktuell nicht, weil wir eine technische Störung an einem Schlauch haben. Aber natürlich kann man weiter bei uns Erdgas tanken", bekräftigt Kobus. Und schiebt nach: „Alles andere wäre doch auch bitter für die Kunden, die in Halle mit einem Erdgasauto rumfahren."

„Die Vorzeichen sind nicht gut"

Vor dem Umsteigen gilt wohl erstmal abwarten. - © Marc Uthmann
Vor dem Umsteigen gilt wohl erstmal abwarten. (© Marc Uthmann)

So sieht es auch Johannes Wiese, Geschäftsführer der TWO: „Stand jetzt dürfen wir dort nur noch bis zum 31. Dezember liefern – dann nicht mehr. Und die Vorzeichen sind nicht gut." Der Haller Energieversorger hat einen Vertrag mit Waldemar Kobus als Pächter und zahlt dem Tankstellen-Betreiber eine feste Provision pro Kilogramm abgenommenem Gas. Einen weiteren Vertrag haben die TWO mit der Aral als Eigentümerin der Infrastruktur – und der ist jetzt gekündigt.

„Natürlich haben wir über eine Verlängerung gesprochen, aber die Aral hat schwierige Bedingungen aufgerufen", sagt Wiese. Unter anderem gehe es dabei um Quotenregelungen für Biokraftstoffe, die jeder Mineralölhändler erfüllen muss. Zum Teil lassen die sich auch über Erdgas erfüllen. „Aber wir sollten da in die Haftung rein, dass Quoten auch erfüllt sind – das ist für uns einfach nicht tragbar", erklärt der TWO-Geschäftsführer.

Denn zwar forciert der Haller Versorger das Geschäft mit Erdgas als Treibstoff, doch bleibt es wirtschaftlich schwierig. „Die Anlage an der Tankstelle, deren Unterhaltung und Wartung wir übernehmen, ist schon einmal sehr teuer. Insgesamt ist der Vertrieb von Erdgas als Kraftstoff für uns nicht kostendeckend", sagt Wiese. Der Lückenschluss der A 33 habe zudem auf die Erdgas-Nachfrage gedrückt, weil der Durchgangsverkehr auf der B 68 rückläufig sei. Eine weitere Verschlechterung der Bedingungen könne man sich vor diesem Hintergrund nicht leisten.

Droht also der Wegfall einer der raren Erdgas-Tankstellen in der Region? Es gäbe immerhin noch eine an der A 33-Anschlussstelle Borgholzhausen und eine weitere in Steinhagen. Letztere an der Bahnhofstraße gehört Carsten Niederwahrenbrock. „Auch unser Vertrag wurde von Aral gekündigt. Aber wir werden in jedem Falle weiter liefern. Derzeit arbeiten wir mit den Gemeindewerken an einer Lösung. Als Eigentümer der Tankstelle kann ich eine eigene Säule auf dem Betriebsgelände aufstellen."

So liegen die Dinge an der B 68 in Halle zwar nicht – aber dennoch gibt es weiter Hoffnung. Für die Aral jedenfalls ist bislang doch fast nichts passiert. „Es ist doch klar, dass wir mit unseren jeweiligen Partnern reden, wenn Verträge auslaufen", sagt Unternehmenssprecher Detlef Brandenburg. Und bringt eine Option wieder ins Spiel, die schon als gescheitert galt: Der niederländische Tankstellenbetreiber OrangeGas – mittlerweile auch in Deutschland Marktführer bei Erdgas-Tankstellen – könnte die Aral-Säulen übernehmen. Nach Informationen von TWO-Manager Johannes Wiese war es zu keiner Einigung gekommen, weil Aral das Orange der Niederländer nicht an seinen Tankstellen dulden wollte. Detlef Brandenburg verbreitet neue Hoffnung: „Wir befinden uns wieder in Gesprächen mit der OrangeGas. Mehr Details kann ich noch nicht verraten."

Gut möglich also, dass es auch 2021 weiter Erdgas an der Haller Aral-Tankstelle geben wird. Ob sich die Technologie angesichts des mit Macht aufkommenden E-Autos grundsätzlich weiter behaupten kann, steht auf einem anderen Blatt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.