Bistro "Heimathafen 1183" schließt: „Ich suche einen Nachfolger für euch"

Nach 20 Monaten hat Clemens Strothenke sein Bistro „Heimathafen 1183“ hinter dem früheren Gasthof Brune wieder geschlossen. Durch Corona hat das gemütliche Lokal mit seiner 44 Quadratmeter kleinen Fläche Schiffbruch erlitten.

Uwe Pollmeier

Der Heimathafen 1183 sitzt seit Mitte August auf dem Trockenen. Das Bistro von Clemens Strothenke musste aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen. Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Der Heimathafen 1183 sitzt seit Mitte August auf dem Trockenen. Das Bistro von Clemens Strothenke musste aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen. Foto: Uwe Pollmeier (© Uwe Pollmeier)

Halle. Der Hinweis auf der Internetseite vom Bistro „Heimathafen 1183" ist eindeutig: „Wir haben ab sofort dauerhaft geschlossen" steht dort. Bestätigung gibt es bei Google und auch in den Auftritten des Bistros in den sozialen Medien. Im Februar 2019 hatte sich der in Brockhagen aufgewachsene Clemens Strothenke selbstständig gemacht und im Hinterhaus des früheren Gasthofs Brune auf 44 Quadratmetern ein Lokal eröffnet.

Die gemütliche Atmosphäre und die kleinen Gerichte kamen bei den Gästen sehr gut an. Das Bistro, benannt nach einer Strandkorbnummer auf Strothenkes Lieblingsinsel Sylt, wird innerhalb kürzester Zeit eine feste Größe in der Haller Gastronomieszene und Strothenke kann nach einigen Monaten auch zwei Aushilfen beschäftigen, die den Restaurantfachmann, der im Ententurm ausgebildet wurde und unmittelbar vor seiner Selbstständigkeit als Restaurantleiter im Hotel Hollmann tätig war, entlasten.

Aber dann kommt Corona und aus der gemütlichen Gastronomie mit zwölf Sitzplätzen wird ein Lokal ohne Aufenthaltsmöglichkeit. Die Abstandsregeln erlauben praktisch keinen Verzehr innerhalb der Immobilie, so dass nur noch der Außer-Haus-Verkauf möglich ist. Der Umsatz rast in den Keller und das Ende des Bistros rückt täglich näher.

Bernhard Seeger (von links), seine Tochter Paradise (14) und Ehefrau Doris wollten Clemens Strothenke helfen. - © Uwe Pollmeier
Bernhard Seeger (von links), seine Tochter Paradise (14) und Ehefrau Doris wollten Clemens Strothenke helfen. (© Uwe Pollmeier)

Am 19. Juli verkündet Strothenke, der sich derzeit auf Mallorca aufhält und gegenüber dem HK nicht zur Lage äußern möchte, via Facebook die Schließung seines Lokals: „Ich werde das Café Mitte August schließen. Diese Entscheidung musste ich nun treffen, da es wirtschaftlich einfach nicht mehr vertretbar ist." Um finanziell über die Runden zu kommen, habe er sich einen Zweitjob gesucht und die Öffnungszeiten gekürzt. „Diese Entscheidung zu treffen war nicht so einfach. Seit Tag eins gibt man alles und will einfach unbedingt, dass es läuft. Die Mühe hatte sich dann auch gelohnt! Januar, Februar und der halbe März waren unglaublich starke Monate", schreibt Strothenke.

Der letzte Strohhalm bricht weg

Ende Juli kommt dann noch einmal Hoffnung auf, als Bernhard Seeger, Teppichexperte mit einem Antiquitätengeschäft im Haus Brune, seine Hilfe anbietet. Er möchte Strothenke seine Außenfläche zur Verfügung stellen. Dort sollen tagsüber in gemütlicher Atmosphäre Speisen angebotenen werden. Das Projekt scheitert jedoch kurzfristig, da Strothenkes finanzieller Rahmen bereits komplett ausgeschöpft ist. Als bereits alles eingeleitet und die Presse informiert ist, macht Strothenke nur Stunden später einen Rückzieher und das endgültige Aus für den Heimathafen ist besiegelt.

Am Mittwochabend, 12. August, schließt Strothenke die Tür zu seinem Lokal zum letzten Mal zu. Der Heimathafen ist Geschichte. Vorerst, wie Strothenke verkündet, denn er hofft bis heute auf eine Fortsetzung. „Ich suche einen Nachfolger für euch, damit Ihr weiterhin versorgt werdet", teilt er seinen Kunden mit. „Es liegt mir wirklich am Herzen, jemanden zu finden, der euch ebenso gut und hoffentlich auch noch viel besser versorgen kann, als ich es getan habe. Ich bin mir sicher, jemanden zu finden", teilt Strothenke weiter mit. Gerade für seine Ideen im Bereich Veranstaltungen sei dieses Geschäft, dessen Lage er als ideal bezeichnet, ein Rohdiamant.

27-Jähriger plant gerade an einem "Herzensprojekt"

Seine eigene berufliche Zukunft sieht der 27-Jährige in einem Angestelltenverhältnis. Zudem werde er, da sich viele Gäste ein Kochbuch von ihm gewünscht haben, ab und zu Rezepte in den sozialen Netzwerken veröffentlichen. „Und ein Herzensprojekt, was ich schon seit längerem durchzuziehen wollte, werde ich nun angehen", schreibt Clemens Strothenke, ohne Details zu verraten: „Ihr erfährt es noch, freut euch drauf."

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