Tempo 100 auf der A33 bleibt ein Wunsch - Gibt es Alternativen?

Ein Gutachten macht den Hesselnern wenig Hoffnung auf einen Autobahn-Lärmschutz. Doch noch wollen Politik und Verwaltung nicht nachgeben.

Uwe Pollmeier

Die Bürger in Hesseln leiden unter dem Autobahnlärm. Dichter Wald würde helfen, aber der müsste erst wachsen.  - © Ulrich Fälker
Die Bürger in Hesseln leiden unter dem Autobahnlärm. Dichter Wald würde helfen, aber der müsste erst wachsen.  (© Ulrich Fälker)

Halle-Hesseln. Die Hoffnung der Hesselner auf mehr Lärmschutz dürfte nach der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses nicht gestiegen sein. „Ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern hat keine Aussicht auf Erfolg", sagte Dieter Jung. Er möchte den Bürgern keinen Sand in die Augen streuen, indem er falsche Versprechungen mache. „Die Autobahn ist neu und alle Lärmschutzwerte sind in Ordnung", sagte Jung. Rechtlich gesehen gibt es somit keine Angriffspunkte.

Das Bielefelder Büro Akus hatte eine lärmtechnische Untersuchung durchgeführt, die Jung nun zu diesen Aussagen veranlasste. „Die Ergebnisse sind sehr ernüchternd. Es gibt wohl nur wenige Möglichkeiten für einen aktiven Lärmschutz", sagte Eckhard Hoffmann, Abteilungsleiter der Stadt Halle. Lediglich große und dichte Wälder zwischen Autobahn und Wohngebiet würden eine Wirkung zeigen. „Allerdings dauert es 20 bis 30 Jahre, bis die Bäume die benötigte Größe erreicht haben", sagte Hoffmann. Am effektivsten sei, so heißt es im Gutachten, ein Lärmschutz direkt an den betroffenen Gebäuden. Gespräche mit Straßen.NRW bezüglich eines Lärmschutzes bezeichnete Hoffmann als „ernüchternd".

Links zum Thema
Leben mit permanentem Autobahnlärm: „Daran kann man sich nicht gewöhnen"


Entscheidung wird nicht in Halle fallen

„Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen", forderte Ulrike Niemeier-Müller (SPD). Sie sprach sich im Namen ihrer Fraktion nochmals deutlich für Tempo 100 aus, obwohl die Zahlen des Gutachtens diesbezüglich wenige Erleichterung verheißen. Demnach verändert sich der Geräuschpegel bei Tempo 100 lediglich um ein Dezibel im Vergleich zu Tempo 130. Nachts werde schließlich noch viel mehr gerast, so dass man den angenommen Wert von 130 nicht als üblich gefahrene Geschwindigkeit ansetzen könne.

„Wir unterstützen die Hesselner Bürgerinitiative, die privat entstanden ist. Die Entscheidung wird jedoch nicht in Halle fallen", sagte Karl-Heinz Wöstmann (UWG). „Es ist unwahrscheinlich, dass wir das durchbringen", sagte Dr. Kerstin Witte (Grüne) mit Blick auf den Tempo-100-Wunsch. Sie bedauerte, dass das Gutachten keine anderen Ergebnisse hervorgebracht habe. Angesichts der Differenz von lediglich einem Dezibel sieht auch sie keine Chance für das gewünschte Tempolimit.

Finanzielle Förderung für Lärmschutz?

„Wir können den Menschen den Lärm nicht vollständig nehmen, aber wir können ihn für die Anwohner erträglicher machen", sagte Thomas Tappe (CDU). Er forderte daher ein Programm, das den Hausbesitzern eine finanzielle Förderung in Aussicht stellt, sofern diese Lärmschutzmaßnahmen an ihrem Gebäude einrichten.

„Die Forderung nach Tempo 100 ist richtig", setzte sich SPD-Fraktionschef Wolfgang Bölling für die Belange der Anwohner ein. „Das menschliche Ohr nimmt den Lärm ganz anders wahr. Zudem sind es ja drei Gemeinden, die festgestellt haben, dass der Lärm für Menschen unerträglich ist", sagte Bölling.

30 Stundenkilometer verringern Lärm um ein Dezibel.  - © Uwe Pollmeier
30 Stundenkilometer verringern Lärm um ein Dezibel.  (© Uwe Pollmeier)

Trotz Aussichtslosigkeit nochmalige Forderung nach Lärmschutz

„Wir sollten nicht klein beigeben. Durch den A 33-Verlauf nah an der Stadt haben wir schon genug gelitten", sagte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Es lohne sich, in diesem Punkt weiterhin zu kämpfen. Obwohl die Grünen in Person von Dr. Kerstin Witte und Dieter Jung nochmals die Aussichtslosigkeit der Forderung herausstellten, stimmten sie schließlich dafür, den Landesverkehrsminister aufzufordern, auf der A 33 auf dem Haller Stadtgebiet Tempo 100 einzuführen. „Es ist nur ein Signal, aber wir wollen es setzen", argumentierte Jung.

Das Thema nimmt somit weiter seinen Lauf, auch wenn für die Hesselner die Erfolgsaussichten eher gesunken sind. Die Verwaltung versprach, weiter Druck zu machen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.