Brinkmann zieht sich zurück: Haller Modegeschäft schließt

Das Herz des Haller Einzelhandels steht bald nach 131 Jahren vorerst still. Inhaber Karl-Friedrich Brinkmann schließt sein Modegeschäft an der Bahnhofstraße. Wie die Nachfolgenutzung aussehen wird, ist noch unklar. Es gibt aber schon Interessenten.

Uwe Pollmeier

Modehaus Brinkmann - © Uwe Pollmeier
Modehaus Brinkmann (© Uwe Pollmeier)

Halle. Als Karl-Friedrich Brinkmann vor gut fünf Wochen seinen 70. Geburtstag feierte, hat sein Entschluss sicherlich schon festgestanden. Ob wirtschaftliche Krisen, die Konkurrenz durch Outlets oder die aktuelle Corona-Pandemie – sämtliche Hürden wurden gemeistert, schließlich gibt man so schnell kein Geschäft auf, welches der eigene Großvater Karl Brinkmann 1889 als Manufakturwarengeschäft gegründet hatte. Während andere nach sieben Lebensjahrzehnten längst den Ruhestand genießen, hat Brinkmann bis heute weiter gemacht. „Der Job war immer spannend und herausfordernd, nie langweilig. Dabei hat man die Jahre eine wenig aus den Augen verloren", sagt der studierte Textilbetriebswirt.

Nun aber soll bald Schluss sein. Wie Brinkmann am Wochenende per E-Mail mitteilte, möchte er sich nach 46 Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen. Mit gerade einmal 24 Jahren hatte er 1974 das elterliche Geschäft übernommen, welches sich bereits mit dem Umzug in das Eckhaus Bahnhofstraße/Kaiserstraße von einem Eisenwarenspezialisten zu einem Anbieter von Textilwaren gewandelt hatte.

„Ich hoffe auf eine attraktive Nachfolge"

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Marion, die seit 1983 die Abläufe im Modegeschäft tatkräftig unterstützt, entwickelte Karl-Friedrich Brinkmann, den viele „Charly" nennen, das Haus von einem Textil- und Bettenhaus zum heutigen Modegeschäft für Damen und Herren sowie einem großen Wäscheland.

„Wir möchten uns in absehbarer Zeit zurückziehen und stehen in Kontakt mit verschiedenen Interessenten zur weiteren Nutzung der Immobilie", sagt Brinkmann. Einen festen Zeitpunkt für den Abschied kann er im Moment noch nicht nennen. In den nächsten Monaten werde es eine Entscheidung über die Nutzung der Verkaufsräume geben. Bis dahin liefe alles so weiter wie bisher, schließlich stünde ja aktuell auch der große Sommer-Schlussverkauf auf dem Programm, der nach der Coronaflaute mit einer Komplettschließung über mehr als vier Wochen die Gesamtbilanz aufpeppen soll.

Modehaus Brinkmann - © Uwe Pollmeier
Modehaus Brinkmann (© Uwe Pollmeier)

Direkt nach dem Studium der Textilbetriebswirtschaft im Schwarzwald arbeitete der gebürtige Haller Karl-Friedrich Brinkmann zunächst als Assistent der Geschäftsleitung im Modehaus Klingenthal in Paderborn, ehe er 1974 das Geschäft in Halle übernahm. Insbesondere seit seiner Heirat sind die Geschäftsbereiche klar aufgeteilt: Marion Brinkmann ist für den kreativen Bereich zuständig und sucht die namhaften Marken aus, Karl-Friedrich Brinkmann kümmert sich um die Finanzen.

Aber nicht nur das gut 750 Quadratmeter große Geschäft mit zwei Etagen ist eine Säule des Haller Einzelhandels, auch Karl-Friedrich Brinkmann selbst engagiert sich seit Jahrzehnten für die Geschäfte in der Lindenstadt. Der 70-Jährige ist Gründungsmitglied der 1976 ins Leben gerufenen Haller Interessen- und Werbegemeinschaft (HIW) und fungiert seit vergangenem Jahr als Teamleiter für den Einzelhandel bei der Kampagne „Kauf im Ort". Über viele Jahre hinweg war er zudem Vorsitzender der HIW, aktuell ist er dort Beisitzer.

Parkplatz des Modehauses - © Uwe Pollmeier
Parkplatz des Modehauses (© Uwe Pollmeier)

Die derzeit 14 Mitarbeiterinnen des großen Modehauses sind bereits vor einiger Zeit über die Pläne ihres Chefs informiert worden. „Wir alle hoffen auf einen Interessenten aus der Modebranche. Die Mitarbeiterinnen stehen für eine weitere Beschäftigung zur Verfügung", sagt Brinkmann und zeigt, wie sehr im auch zukünftig am Wohlergehen seines Teams gelegen ist.

„Es wäre sehr schön, wenn es gelingen könnte, eine attraktive Nachfolge-Lösung für das bekannte Modehaus zu finden", sagt Brinkmann. Die Gesamtfläche, zu der ja auch der große Parkplatz mit rund 50 Stellplätzen in bester Lage gehört, dürfte so manchen Interessenten aufhorchen lassen.

"Schon als kleiner Junge täglich im Laden"

Brinkmann selbst ist es wichtig, dass Motto „Kauf im Ort" beizubehalten. Mit dem Aus für sein Modegeschäft, welches in der Region zu den größten gehört, wird es in Halle eine große Lücke im Bereich der Bekleidung geben. Daher hofft er darauf, dass die heimische Wirtschaft weiterhin gestärkt wird und das Angebot in der jetzigen Form beibehalten werden kann, indem lediglich Inhaber, aber nicht Sortiment wechseln.

Vor elf Jahren blickte Brinkmann anlässlich des 120. Geburtstag des Modehauses bereits zufrieden auf seinen Berufsweg zurück: „Ich bin ja langsam ins Geschäft reingewachsen, war schon als kleiner Junge täglich im Laden, kenne die Kunden von klein auf. Doch, doch, das war schon alles richtig so. Mode ist einfach das kleine Glück des Alltags."

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