Schön aber schädlich: Mohnblumen und Co. beeinträchtigen die Getreide-Ernte

Das Klima der vergangenen Monate war perfekt für ungewollte Pflanzen. Nun leidet die Getreideernte unter dem Unkraut und einige Landwirte greifen wohl zur Chemiekeule.

Uwe Pollmeier

Mohn- und Kornblumen sehen im Getreidefeld hübsch aus, nehmen den Erntepflanzen jedoch viele wichtige Nährstoffe weg. - © CC0 Pixabay
Mohn- und Kornblumen sehen im Getreidefeld hübsch aus, nehmen den Erntepflanzen jedoch viele wichtige Nährstoffe weg. (© CC0 Pixabay)

Halle. Landwirte sind wettertechnisch gesehen hochsensible Menschen. Während der Sommer 2020 für den Bürger eher feucht und durchwachsen daherkommt, klagt der Bauer immer noch über Trockenheit. Der vergangene Winter hingegen, der durch komplette Schneeflockenabstinenz auffiel, sei zu feucht gewesen. Die Formel für das perfekte Klima im Agrarsektor ist offenbar bei Petrus bis heute nicht angekommen. Jedes Wetter birgt seine Probleme, so auch das derzeitige. Diesmal ist das Getreide der Leidtragende, bedingt durch die Trockenheit im Frühjahr, die das Unkrautwachstum gefördert hat.

Glyphosat ist bei blühenden Pflanzen im Getreidefeld wegen Rückstände im Honig verboten. - © Uwe Pollmeier
Glyphosat ist bei blühenden Pflanzen im Getreidefeld wegen Rückstände im Honig verboten. (© Uwe Pollmeier)

„Das Unkraut ist derzeit ein Problem. Da das Getreide im trockenen Frühjahr recht lückig gewachsen ist, scheint die Sonne bis auf den Boden durch und fördert das Wachstum von Unkraut", erklärt Andreas Westermeyer, Landwirt aus Verl und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Gütersloh. Es gebe Extremfälle, in denen dann auch eine Sikkation, also die Bekämpfung von Unkraut mit Herbiziden, wie etwa Glyphosat, notwendig sei. „Mir ist jedoch kein derartiger Fall in unserer Region bekannt", sagt Westermeyer. Ebenso habe er nicht festgestellt, dass vermehrt Landwirte derzeit verbotenerweise noch entsprechende Mittel auf die Felder aufbringen. Diese Beobachtung will jedoch ein Landwirt aus dem Altkreis gemacht haben, der sich beim Haller Kreisblatt gemeldet hat, aber anonym bleiben möchte. „Ich möchte an die Landwirte appellieren, das zu unterlassen, da das Gift in die Nahrungskette gelangt", sagt der Landwirt.

Getreideernte ist in zwei Wochen abgeschlossen

Klaus Strothmann aus Westbarthausen.  - © Ekkehard Hufendiek
Klaus Strothmann aus Westbarthausen.  (© Ekkehard Hufendiek)

„Wo es besonders schlimm ist, darf man das", bestätigt auch Klaus Strothmann, Landwirt aus Borgholzhausen und Stellvertreter von Andreas Westermeyer. Er kenne jedoch niemanden, der so handelt und sehe persönlich auch keine Notwendigkeit. „Wenn es trocken ist, braucht man das nicht", setzt er ganz auf den natürlichen Rückgang der unerwünschten Pflanzen.

Er rechne damit, dass die Getreideernte in gut zwei Wochen abgeschlossen sei. „Ich hole den Weizen diese Woche rein, die Pflanzen an den schwereren Standorten hinterm Berg folgen dann nächste Woche", sagt Strothmann. Eine generelle Erntebilanz will er noch nicht ziehen, allerdings mache sich der Klimawandel weiterhin bemerkbar. „Wir hatten einen sehr nassen Winter und extreme Feuchtigkeit bis Anfang April", sagt Strothmann. Danach folgte eine sehr trockene Phase, welche die Wurzelbildung bremste und genau in den Zeitrahmen fiel, als das Getreide besonders viel Wasser benötigte. Er rechne damit, dass der Ertrag in diesem Jahr rund 20 bis 30 Prozent niedriger sei als in guten Jahren.

„Wir haben in diesem Jahr einen ganz normalen Sommer, wie er bei uns eigentlich üblich ist", sagt Westermeyer. Es herrsche keine Dürre und dem Grünland gehe es gut, allerdings ist der Grundwasserstand immer noch zu niedrig, so dass weiterer Regen notwendig sei.

Info

Top 3 der Pflanzenschutzmittel

- Bei den Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) gibt es drei gängigste Arten.´ Herbizide: Mit ihnen werden Pflanzen zerstört, die als Unkraut angesehen werden. Es werden aber auch gezielt erwünschte Pflanzen damit behandelt, um diese durch Austrocknung früher ernten zu können. Zu den Herbiziden gehört auch das viel kritisierte Glyphosat.

- Fungizide: Diese Pflanzenschutzmittel werden gegen Pilzbefall, wie etwa Apfelschorf und Mehltau, eingesetzt. Sie ermöglichen den Bauern, mehr Getreide auf der gleichen Fläche anzubauen. 

- Insektizide: Sie wirken gegen fast alle Insekten und sind somit auch für das Bienensterben verantwortlich. Die Zahl der Insekten ist in Deutschland seit 1990 um 75 Prozent zurückgegangen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.