Kandidatencheck in Halle: Was fehlt noch, um Bürgermeister(in) zu werden?

Das HK hat die drei Haller Bewerber(innen) gefragt, woran sie persönlich noch arbeiten müssen, um das Bürgermeisteramt ausfüllen zu können.

Nicole Donath

Im Haller Rathaus wird mit der Kommunalwahl am 13. September der Chefsessel frei. Aber wer übernimmt ihn am Ende von Anne Rodenbrock-Wesselmann? - © Nicole Donath
Im Haller Rathaus wird mit der Kommunalwahl am 13. September der Chefsessel frei. Aber wer übernimmt ihn am Ende von Anne Rodenbrock-Wesselmann? (© Nicole Donath)

Halle. Alle drei haben politische Erfahrung und sind bereit, am 13. September Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann abzulösen. Die gebürtige Hallerin Edda Sommer (41), studierte Landschaftsarchitektin und Diplom-Ingenieurin, tritt für die SPD an. Die Grünen setzen auf Dr. Kirsten Witte (54). Die studierte Volkswirtin und Leiterin des Programms „Lebenswerte Kommune" bei der Bertelsmann-Stiftung stammt aus Soest und wohnt seit 25 Jahren in Halle. Die CDU hat derweil Thomas Tappe nominiert. Der 48-jährige Hörster ist Fachbereichsleiter Bürgerdienste im Rathaus Versmold. Qualifiziert sind alle – aber können sie auch Bürgermeister(in)? Wir haben um eine Einschätzung gebeten.

Edda Sommer (SPD)

Edda Sommer (SPD)  - © Hilla Südhaus
Edda Sommer (SPD)  (© Hilla Südhaus)

„Nach meinem Selbstverständnis ist man in jedem Job verpflichtet, sich entsprechend fort- und weiterzubilden. Diese Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung habe ich in meinem bisherigen Beruf genutzt und werde ich auch zukünftig nutzen. Grundsätzlich sehe ich mich durch meine bisherige Berufs- und Lebenserfahrung für das Amt der Bürgermeisterin sehr gut qualifiziert. Selbstorganisation, Zielstrebigkeit, Empathie und Durchsetzungsfähigkeit sind für mich die Grundvoraussetzungen für die Leitung einer Verwaltung sowie Teamfähigkeit, Aufgeschlossenheit und Ausstrahlung für repräsentative Aufgaben. Ausschlaggebend ist nicht nur die berufliche Qualifikation.

Für mich ist ausschlaggebend, dass man in einem neuen Job sein Wissen und seine Erfahrungen mit einbringt, aber auch offen ist für Neues und gewillt ist, die Herausforderungen anzunehmen. Das Leistungsspektrum meiner MitarbeiterInnen zu kennen und dieses zu verstehen, ist für mich zwingend notwendig, um die Verwaltung leistungsorientiert und erfolgreich zu führen. Ich bringe diese Voraussetzungen mit."

Kirsten Witte (Grüne)

Kirsten Witte (Grüne) - © Grüne
Kirsten Witte (Grüne) (© Grüne)

„Ich denke, dass ich durch meine Berufserfahrung die nötige Fachkompetenz mitbringe. Außerdem habe ich meine neugierige Nase über den Altkreis hinausgesteckt und kann viele gute Ideen aus anderen Kommunen mit nach Halle bringen. Aber Fachkompetenz ist eben nicht alles. In zwei Bereichen muss ich sicher deutlich zulegen: Ich bin nicht in Halle aufgewachsen, sondern lebe erst seit 25 Jahren hier. Um trotz Beruf möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, habe ich mich jenseits der Ratsarbeit auch in dieser Zeit wenig in der Haller Stadtgesellschaft sehen lassen. Wenn ich durch Halle laufe, grüßen die Leute immer noch eher meinen Mann als mich. Als Bürgermeisterin wäre es mein Beruf, mit den Menschen zu sprechen. Dass ich das kann und will, zeigen meine Podcasts. Mehr geht in Zeiten von Corona leider nicht.

Der zweite Punkt hängt eng damit zusammen. Mein Eindruck ist, die Leute halten mich für distanziert. Eine Frau Dr. – die trägt die Nase bestimmt höher als wir. Dabei bin ich ein sehr bodenständiger, humorvoller Mensch. Allerdings bin ich, das gebe ich zu, auch eine echte Westfälin. Ich brauche Zeit, um mit den Menschen warm zu werden, da muss ich sicher spontaner werden."

Thomas Tappe (CDU)

Thomas Tappe (CDU) - © CDU
Thomas Tappe (CDU) (© CDU)

„Das Bürgermeisteramt erfordert sowohl persönliche als auch fachliche Kompetenz. Aus meiner Sicht sollte man sich schon bei der Entscheidung zur Bewerbung darüber klar werden, ob man diese Kompetenzen besitzt oder nicht. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die zukünftige Amtsinhaberin beziehungsweise der zukünftige Amtsinhaber ab dem ersten Tag seinen Aufgaben gewachsen ist und nicht noch eine „Lehrzeit" absolviert.

Während mir viele Menschen in dieser Stadt die persönlichen Kompetenzen zutrauen und mich gebeten haben, zu kandidieren, unterwerfe ich mich aber zukünftig gerne der allgemeinen Kritik, um an Persönlichkeit zu gewinnen. Bekanntlich lernt man nie aus und der Rat Externer ist da zielführender als der eigene Blickwinkel.

Fachlich kann ich die erforderliche Kompetenz durch beruflich erworbene Qualifikationen nachweisen, aber auch dort wird man sich in der Zukunft dem Wandel der Zeit stellen müssen."

Links zum Thema
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