Vierstündiger SEK-Einsatz: Psychisch labiler Mann bedroht Betreuer mit Messer

Stundenlang verschanzt sich ein 34-Jähriger Mann in einer Wohngemeinschaft 
an der Hagedornstraße. Zuvor hat er seine Betreuer mit einem Messer bedroht.

Marc Uthmann, Andreas Eickhoff, Melanie Wigger

Mit einem Spezialeinsatzkommando rückte die Polizei am Dienstagnachmittag an der Hagedornstraße vor. - © Andreas Eickhoff
Mit einem Spezialeinsatzkommando rückte die Polizei am Dienstagnachmittag an der Hagedornstraße vor. (© Andreas Eickhoff)

Halle. An der Hagedornstraße in Halle herrschte am Dienstagnachmittag über Stunden Ausnahmezustand. Mit einem riesigen Aufgebot hatte die Polizei dort ein Haus umstellt, dass die Evangelische Stiftung Ummeln als Wohngemeinschaft nutzt. Ein 34-jähriger Bewohner war offenbar in einen psychischen Ausnahmezustand geraten und hielt Mitbewohner, Polizei und Betreuer in Atem.
Nach Angaben der Polizei war der Mann gegen kurz nach 14 Uhr zunächst mit zwei Betreuern in Streit geraten. Dabei geriet der Bewohner offenbar so in Rage, dass er die beiden unvermittelt mit einem Messer bedrohte. Anschließend zog er sich in sein Apartment zurück und verbarrikadierte sich dort.

Nach HK-Informationen leben in dem Haus insgesamt acht Menschen, in dem Wohnprojekt der Evangelischen Stiftung Ummeln werden Menschen nach psychischen Erkrankungen wieder auf eine Rückkehr in den gesellschaftlichen Alltag vorbereitet. Alle weiteren sieben Bewohner sowie die Betreuer des Hauses konnten das Haus unversehrt verlassen, nachdem der 34-Jährige sich in seiner Wohnung verschanzt hatte. Sie wurden anschließend sicher untergebracht, heißt es im Polizeibericht.

SEK-Einsatz in Halle: Mann verschanzt sich in Wohnhaus

Spezialkräfte gelangen mit Feuerwehrleiter ins Gebäude

Das Nervenspiel für alle Beteiligten begann erst jetzt. Zwölf Streifenwagen fuhren vor, massive Kräfte umstellten das Haus. So sollte sichergestellt werden, dass für die Anwohner keine Gefahr durch den psychisch labilen Mann entstehen konnte. Neben den Polizeibeamten aus Halle waren Kräfte aus Gütersloh vor Ort, ein Spezialeinsatzkommando aus Bielefeld rückte an, schließlich wurde sogar eine Verhandlungsgruppe per Hubschrauber aus Düsseldorf eingeflogen. All diese Maßnahmen sollten verhindern, dass es bei dem Einsatz Verletzte gab. Inklusive Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Ende mehr als 40 Einsatzkräfte vor Ort.

Der Mann zeigte sich während des Einsatzes auch am Fenster, stundenlang zog sich das Nervenspiel hin. Schließlich griffen die Spezialkräfte um 18.11 Uhr offenbar von zwei Seiten zu. Mit Hilfe einer Feuerwehrleiter des Löschzuges Halle kamen sie von der rückwärtigen Gebäudeseite durch ein Fenster in das Apartment, zugleich war zwei Mal ein dumpfer Knall zu hören – wie beim gewaltsamen Öffnen einer Tür. Die Einheiten überwältigten den Mann, niemand wurde dabei verletzt. Das Haller Ordnungsamt veranlasste, dass der 34-Jährige in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Die Polizei prüft die Einleitung eines Strafverfahrens.

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