Krise in der Krise: Koyo leidet unter der Ungewissheit des Marktes

Eineinhalb Wochen hat der Automobilzulieferer nach Ausbruch der Corona-Krise sein Werk geschlossen. Die Lage hat sich zwar stabilisiert, doch die Sorgen bleiben groß.

Marc Uthmann

Die Corona-Krise hat den Wälzlagerhersteller Koyo noch weiter zurückgeworfen. - © Marc Uthmann
Die Corona-Krise hat den Wälzlagerhersteller Koyo noch weiter zurückgeworfen. (© Marc Uthmann)

Halle-Künsebeck. Corona kam noch obendrauf – so ließe sich die Lage beim Wälzlagerhersteller Koyo wohl am besten beschreiben. Denn schon seit Sommer 2019 entsprach der Umsatz des Unternehmens nicht mehr den Vorstellungen des japanischen Mutterkonzerns Jtekt. Der forderte ein Sparkonzept, schon seit Oktober herrscht Kurzarbeit. Die Pandemie hat diese Probleme nur noch verschärft. Denn unter ihr hat die Automobilindustrie besonders zu leiden – und sie ist der mit Abstand wichtigste Abnehmer von Koyo.

Drei Monate nach dem ersten Corona-Schock kann General-Manager Dieter Hohenbrink noch keine Entwarnung für Koyo vermelden: „Die Situation ist relativ unverändert. Wir erleben immer noch extreme Schwankungen beim Umsatz." Darum herrsche in Künsebeck weiterhin Kurzarbeit. Zwar könne man mittlerweile sehen, dass die Nachfrage aus dem Automobilsektor wieder etwas steige. „Darum haben wir auch die Produktion wieder etwas hochgefahren", erklärt Hohenbrink. „Gleichzeitig lässt sich aus der derzeitigen Situation allerdings kaum ein Trend ableiten. Die Informationen sind verwirrend." Mal heiße es etwa, dass VW die Produktion wieder hochfahre, dann werde wieder von deutlich schleppendem Absatz in der Automobilbranche berichtet.

Arbeitsplatzabbau begann schon vor der Krise

All das sind allerdings Faktoren, von denen Koyo erheblich abhängt. Das Unternehmen produziert Wälzlager, die in erster Linie in Autogetrieben verbaut werden. Die Künsebecker hatten ohnehin schon mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen, etwa durch die allgemeine Krise der klassischen Automobilbranche und den Vormarsch der E-Autos, in denen kaum noch Lager benötigt werden. Der Ausbruch von Corona hat all diese Sorgen nur noch drängender gemacht.

Immerhin wird wieder etwas mehr gearbeitet als noch vor drei Monaten, doch Dieter Hohenbrink bekräftigt: „Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist die Steuerung des Unternehmens sehr schwierig." Zwar sei man im Umgang mit Krisen nach den vergangenen Jahren sehr erfahren: „Wir haben jetzt gewisse Stabilität auf niedrigem Niveau. Aber wir würden uns schon eine generell höhere Auslastung unseres Werkes wünschen", sagt der Manager. Er geht davon aus, dass die „Krise in der Krise" Koyo bis ins nächste Jahr begleiten wird.

Bisher keine betriebsbedingten Kündigungen

Betriebsbedingte Kündigungen mussten bislang noch nicht ausgesprochen werden. Zuletzt hatte das Unternehmen nicht ausgelastete Kapazitäten auch mit einzelnen Schließtagen überbrückt. „Wir haben allerdings etwa 50 befristete Verträge nicht verlängert", sagt Dieter Hohenbrink. Zu diesem Mittel hatte das Unternehmen allerdings auch schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gegriffen, als der japanische Mutterkonzern das Sparprogramm verordnet hatte. Er möchte die Personalkosten möglichst kurzfristig auf unter 50 Prozent des Umsatzes senken.

Zwischenzeitlich war die Belegschaft bei Koyo dank erwarteter voller Auftragsbücher auf 712 angewachsen – zuletzt arbeiteten 630 Mitarbeiter in Künsebeck. Für das zwei Wochen vor Beginn der Corona-Krise endende Geschäftsjahr hatte der Wälzlagerhersteller mit einem Jahresumsatz von 114 Millionen Euro kalkuliert – im aktuellen wird er deutliche Einbußen in Kauf nehmen müssen.

Die Gespräche über das Sparprogramm waren im Zuge der Krise zunächst ausgesetzt worden, doch nun soll der Austausch mit der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat weitergehen. Das Unternehmen will unter anderem über Lohnkürzungen sprechen – harte Verhandlungen sind zu erwarten.

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