Landrat Adenauer geht von längerem Lockdown im Kreis Gütersloh aus

Die Zahl der Neuinfektionen von Menschen ohne Tönnies-Bezug ist zuletzt angestiegen. Das veranlasst Sven-Georg Adenauer offenbar zu einer neuen Bewertung.

Marc Uthmann

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Halle. Der zunächst bis Dienstag, 30. Juni, verfügte Lockdown im Kreis Gütersloh könnte noch verlängert werden. Davon geht Landrat Sven-Georg Adenauer nun offenbar aus. Er sei "nicht sehr optimistisch", dass die zunächst für eine Woche erlassenen verschäften Kontaktbeschränkungen Dienstag wieder gelockert würden, sagte er am Montagmorgen im Gespräch mit Radio Gütersloh.

Noch am Wochenende hatte sich der Landrat optimistisch gezeigt, den Lockdown bald beenden zu können. Denn es habe bislang keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich das Virus nach dem massiven Ausbruch beim Schlachtriesen Tönnies in der Bevölkerung verbreitet habe. Als problematisch betrachteten die Verantwortlichen allerdings schon zu diesem Zeitpunkt, dass die Zahl der Neuinfektionen ohne direkten Bezug zu Tönnies in den vergangenen Tagen "merklich" angestiegen sei.

107 Menschen außerhalb des Tönnies-Umfeldes haben sich demnach in den vergangenen sieben Tagen im Kreis Gütersloh infiziert. Bislang argumentierten die Verantwortlichen indes, dass diese Zahl auch auf den enorm hohen Umfang der Tests zurückzuführen sein dürfte. Im Kreis Gütersloh werden gerade so viele Abstriche genommen wie nirgendwo sonst im Bundesgebiet - das könnte auch die erhöhte "Trefferzahl" erklären, hieß es bislang. Doch offenbar teilen nicht alle Entscheider diese Einschätzung, ist ihnen die Zahl der "Nicht-Tönnies-Infizierten" zu hoch: "Und deshalb müssen wir uns mental schon mal darauf einstellen, dass das durchaus noch ein bisschen länger dauern kann", sagte Adenauer.

9 von 4.100 freiwilligen Tests sind positiv

Als Indiz für eine positiven Entwicklung hatte auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Tatsache gewertet, dass bei aktuell gut 4.100 ausgewerteten Tests der sechs Diagnosezentren lediglich neun positiv ausgefallen seien. Doch auch das reicht wohl noch nicht aus, um eine Verbreitung in der Bevölkerung auszuschließen. Die Lockdown-Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern hat der Kreis ohnehin noch nicht unterschritten. Zwar ist sie seit dem 23. Juni (270,2) deutlich gesunken und lag am Montagmorgen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes bei 112,6 - doch ist das immer noch klar über der definierten Grenze.

Die stellt jedoch nur eine Empfehlung dar. Sollte klar belegbar sein, dass sich das Virus nicht in der Bevölkerung ausgebreitet hat, könnte der Lockdown auch aufgehoben werden, bevor die 50 unterschritten ist. Ministerpräsident Armin Laschet will sich noch am Montag in einer Pressekonferenz dazu äußern, ob die verschärften Maßnahmen im Kreis Gütersloh weiter bestehen bleiben.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.