Pläne für die Lange Straße: Fünf Millionen Euro für sechs Häuser

Die lang erwartete Expertise für sechs im städtischen Besitz befindliche Immobilien entlang der Langen Straße liegt nun vor. Der erste Eindruck beim Rundgang im November scheint bestätigt. Der Sanierungsaufwand wäre groß und teuer, aber machbar.

Uwe Pollmeier

Das Gebäude Lange Straße 33 wäre laut Architekt Oliver Erdmann mit dem geringsten Aufwand zu sanieren. Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Das Gebäude Lange Straße 33 wäre laut Architekt Oliver Erdmann mit dem geringsten Aufwand zu sanieren. Foto: Uwe Pollmeier (© Uwe Pollmeier)

Halle. Nach der Begehung von sechs im Besitz der Stadt befindlichen Gebäuden an der Langen Straße im November hatten viele Haller auf die Expertisen von Oliver Erdmann gewartet. In der Ratssitzung am Mittwochabend präsentierte der Architekt nun die Ergebnisse. Dabei wurde schnell klar, dass die untersuchten Immobilien allesamt saniert werden könnten, jedoch die Kosten bei mindestens knapp drei Millionen Euro liegen. Im Fall der bestmöglichen Wahl, einer Sanierung nach KfW-55-Standard, wären sogar fast fünf Millionen Euro zu veranschlagen.

„Wir haben die Objekte unter den Aspekten allgemeiner baulicher Zustand, energetischer Zustand, Brandschutz, Schallschutz und Kosten für die Sanierung untersucht", erklärte Erdmann zu Beginns eines einstündigen Vortrags in der Mensa des Schulzentrums Masch. Über das weitere Vorgehen werden sich nun die Fraktionen beraten. Das komplette, 400-seitige Gutachten ist für Interessierte nach Anmeldung im Rathaus einsehbar.

Lange Straße 24 (1784)

In dem Fachwerkhaus mit Holzbalkendecken und Sparrenbach gab es in der Vergangenheit einen gewerblich genutzten Raum im Erdgeschoss sowie zwei Wohneinheiten. Derzeit steht es leer, bis auf eine Wohnung im Obergeschoss. Die Fassade und die Elektrik seien stark sanierungsbedürftig. „Die sanitären Anlagen sind stark beschädigt und nicht mehr zeitgemäß", sagte Erdmann. „Technisch ist alles möglich, das wäre kein Hexenwerk", sagte Erdmann mit Blick auf das Sanierungspotenzial. Um den einfachen Standard für Mietwohnungen herzustellen, müssten 585.000 Euro investiert werden. Davon sind bereits Fördergelder in Höhe von 45.000 Euro abgezogen. Die bestmögliche Sanierung nach KfW-55-Standard würde rund 770.000 Euro kosten, was einem Quadratmeterpreis von 1.800 Euro entspräche.

Lange Straße 26 (1760)

„Dieses Gebäude ist stark sanierungsbedürftig", sagte Erdmann. Die Sohlplatte sei teils durchgebrochen, man müsste hier an die Substanz gehen. Vieles sei zerstört, eine Heizung sei nicht vorhanden. Die Deckenbalken seien verbogen, im Inneren sei vieles kaputt. Die Sanierungskosten dürften, je nach gewähltem Modell, bei 490.000 bis 750.000 Euro liegen.

Lange Straße 28 (unbekannt)

„Hier muss man nicht mit dem großen Hammer durchgehen", sagte Erdmann. Das Wohnhaus mit der Gaststätte Taverne im Erdgeschoss sei energetisch gesehen zwar nicht besser als seine Nachbarhäuser, aber insgesamt in einem deutlich besseren Zustand. Während der Keller mit den sanitären Anlagen der Kneipe recht gut in Schuss sei, verschlechtere sich das Gesamtbild, je weiter man sich Richtung Dach bewege.

Ein Problem sei auch der Schallschutz, insbesondere bei der über der Taverne liegenden Wohnung. Wie auch bei allen übrigen Objekten empfiehlt Erdmann hier, die Schlafräume nicht in Richtung Lange Straße, sondern nach hinten heraus auszurichten. Damit das Haus wieder in Schuss kommt, sind mindestens 525.000 Euro fällig. Für den Idealzustand müsste für die aus drei Gebäudeteilen bestehende Immobilie wohl rund eine Million Euro ausgegeben werden.

In der Hausnummer 30 hat einst ein Holzliebhaber großzügig umgebaut. Dem Bauamt des Kreises missfällt dieses. - © Uwe Pollmeier
In der Hausnummer 30 hat einst ein Holzliebhaber großzügig umgebaut. Dem Bauamt des Kreises missfällt dieses. (© Uwe Pollmeier)

Lange Straße 30 (1822)

Die Immobilie bezeichnet Erdmann als „Westernstadt", da im Inneren eine Holzempore entlang der vier Wände errichtet worden ist. Das Bauamt des Kreises Gütersloh hat für zwei der vier Wohneinheiten eine Nutzungsuntersagung erlassen, da es an einem zweiten Rettungsweg mangele und die Fenster zu klein seien.

„Der hygienische Zustand ist nicht ausreichend und der Keller gleicht einer Tropfsteinhöhle", schilderte Erdmann das Innenleben der Immobilie, in der sich auch so manches Insekt längst heimisch fühle. Die Kosten der Sanierung dürften hier zwischen 480.000 und knapp 700.000 Euro liegen.

Lange Straße 33 (1799)

Bei diesem Gebäude östlich der Wertherstraße, in dem sich früher eine Änderungsschneiderei befand, und für das derzeit ein Antrag auf Denkmalschutz läuft, zeigte sich Erdmann erstaunt. „Ich war von der Substanz überrascht. Dieses Gebäude hat die beste Ausgangslage", sagte der Architekt. Sanierungsbedürftig seien aber Keller, Elektrik und sanitäre Anlagen. Der hygienische Zustand sei nicht ausreichend, eine ins Obergeschoss führende Treppe sei außergewöhnlich steil. Die Sanierungskosten bewegen sich zwischen 485.000 und 720.000 Euro.

Lange Straße 35a (vor 1959)

Äußerlich ist das Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich ein Wettbüro befindet, laut Erdmann das beste. „Im Treppenhaus sieht es dann aber schon ganz anders aus", beschreibt Erdmann das Wechselbad der Gefühle angesichts dieser Immobilie. Löcher in Türen und Wänden lassen einen darüber rätseln, was Ursache für die großflächige Zerstörungswut gewesen sein mag. Wenn es hier wieder schön werden soll, müssen 270.000 bis 625.000 Euro investiert werden.

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