Nach 20 Jahren: Ulrike Sommer nimmt Abschied vom SPD-Vorsitz

Im Haller Ortsverband geht eine Ära zu Ende. Die verdiente Lokalpolitikerin blickt überwiegend positiv auf ihre Karriere zurück.

Alexander Heim

Nach mehr als 20 Jahren im SPD-Vorstand verabschiedet sich Ulrike Sommer nun in den politischen Ruhestand. - © Alexander Heim
Nach mehr als 20 Jahren im SPD-Vorstand verabschiedet sich Ulrike Sommer nun in den politischen Ruhestand. (© Alexander Heim)

Halle. Dass ihr Rückzug aus der aktiven Politik mit einem Mal auch vom Thema Corona beherrscht werden würde, das hatte sich Ulrike Sommer wohl so auch nicht vorgestellt. Auf Abstand saßen die rund 30 Genossen, die – auch aus Anlass ihrer Verabschiedung – den Weg in den großen Saal des Landhotels Jäckel gefunden hatten. Umarmungen blieben aus. Doch wenigstens ein neues Parteimitglied durfte Ulrike Sommer später herzlich drücken: ihren Enkel Max.

„Ich bin vor mehr als 40 Jahren in die SPD eingetreten“, blickte Ulrike Sommer zurück. „Und ich bin stolz, in dieser Partei zu sein.“ Ihre Motivation bis heute: „Wir müssen uns darum kümmern, dass Menschen, die kein Sprachrohr haben, vertreten werden.“

„Es war nicht immer einfach. Aber es war schön.“

Dass sie im Jahr 2000 zur Vorsitzenden der Haller SPD gewählt worden war, sei kein Zufall gewesen. „Ich wollte den Posten auch haben“, erzählt sie lachend. „Nach der Bürgermeister-Kandidatur 1999 habe ich so viel Unterstützung erfahren, dass ich auch gerne etwas zurückgeben wollte.“ Und Ulrike Sommer gab zu: „Es war nicht immer einfach. Aber es war schön. Und es hat Spaß gemacht.“

Mit einer neuen Doppelspitze, bestehend aus Jörg Witteborg und Marie Hauhart, bereitet sich der Vorstand der Haller SPD auf die bevorstehende Kommunalwahl vor. - © Alexander Heim
Mit einer neuen Doppelspitze, bestehend aus Jörg Witteborg und Marie Hauhart, bereitet sich der Vorstand der Haller SPD auf die bevorstehende Kommunalwahl vor. (© Alexander Heim)

Ein Rückblick auf ihr politisches Wirken durfte natürlich nicht fehlen. Die Initiierung des Ehrenamtspreises sei „eine ganz tolle Sache“ gewesen, sagte Ulrike Sommer. Auch das Format „Komm mit! Rede mit!“ in den Wahlkreisen habe sich sehr bewährt. Dass es für das Freischwimmbecken hingegen keine Mehrheiten gegeben hatte – „das bedaure ich sehr“, räumte Ulrike Sommer ein. Damals habe das auch an den Finanzen gelegen.

Es gelte für die Sozialdemokraten, sich auch in Zukunft einzusetzen. Für die medizinische Grundversorgung in Halle, etwa. Und für das Thema Mobilität. Doch für sie persönlich sei es nun, nach 20 Jahren als Vorsitzende der SPD Halle, genug. Mit den Worten: „Ich sag’ jetzt einfach mal Tschüss“, verabschiedete sie sich aus der Führungsriege.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Fortmeier rief einige Stationen von Ulrike Sommer in der Haller Politik in Erinnerung. „Vier Jahre warst du im Vorstand des Künsebecker Ortsvereins.“ Bevor Künsebeck und Halle sich zusammenschlossen, leitete Ulrike Sommer bis 1998 den Stadtverband als Vorsitzende. „1994 und 1999 warst du Bürgermeisterkandidatin, bist später erste stellvertretende Bürgermeisterin geworden.“

„Du warst immer gradlinig und hast deine Meinung gesagt“

Viele Jahre Ratsarbeit kamen hinzu. Und: ein aktives Engagement auf Kreisebene, davon alleine zehn Jahre als stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD. „Du warst immer gradlinig und hast deine Meinung gesagt. Das zeichnet diesen Ortsverein aus“, so Georg Fortmeier weiter. Gerne erinnere er sich an den Besuch des Kleingärtnervereins zusammen mit Franz Müntefering. „Ich danke dir für die schöne Sommer-Zeit“, gratulierte er. Und erklärte: „Für dieses hohe Engagement meinen ganz persönlichen Respekt.“

Diesen Glückwünschen schlossen sich andere an. „Du hast es dir nie leicht gemacht und viel Herzblut in die Partei investiert, um die Grundwerte der Sozialdemokratie in die Gesellschaft zu tragen“, sagte Sommers Genossin Anke Ruprecht. „Dass man dabei nicht immer nur Lob bekommt, hast du akzeptiert und dich niemals verbiegen lassen. Jetzt hast du es verdient, dich einmal zurückzulehnen und dich verwöhnen zu lassen.“

Auch Ulrike Sommers Tochter Edda Sommer, seit Februar dieses Jahres bekanntlich Bürgermeisterkandidatin für die SPD in Halle, bedankte sich für den Einsatz ihrer Mutter. Und überreichte zwei symbolische Geschenke: ein Seepferdchen als Hinweis darauf, dass es stets aufrecht durchs Leben geht. Und ein Segelschiff als Zeichen für entspanntere Tage und den Aufbruch zu neuen Ufern.

Info
Wie auf Bundesebene führt in Jörg Witteborg und Marie Hauhart nun eine Doppelspitze den SPD-Ortsverband. Zu gleichberechtigten Stellvertretern wurden auf der Mitgliederversammlung Tim Brandt und Claudia Lantzke gewählt. Kassierer bleibt Fraktionsvorsitzender Wolfgang Bölling. Als Beisitzer komplettieren Marco Hülsmann, Daniel Kühnpast, Sandra Mecklenburg, Michael Müller, Anne Rodenbrock-Wesselmann, Anke Ruprecht, Christian Schulz, Edda Sommer und Michael Wienecke das Gremium.

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