Wie ein 30.000-Teile-Puzzle: Amprion baut 54 Strommasten auf

Montagetrupps bauen derzeit die neuen Höchstspannungsmasten zwischen Halle und Hesseln zusammen. Die ersten sind schon komplett montiert.

Herbert Gontek

Harte Arbeit mit schwergewichtigen Teilen. Auf der Montagebaustellen arbeiten ein gutes halbes Dutzend Stahlbauer, meist in zwei Teams. Untrstützt werden sie vom einem Mobilkran. - © Herbert Gontek
Harte Arbeit mit schwergewichtigen Teilen. Auf der Montagebaustellen arbeiten ein gutes halbes Dutzend Stahlbauer, meist in zwei Teams. Untrstützt werden sie vom einem Mobilkran. (© Herbert Gontek)

Halle. Ein wenig wirkt es wie Basteln mit dem Modellbaukasten – wenn da nicht die gewaltigen Dimensionen wären. 70 Tonnen wiegt eine mittelmäßige Tragkonstruktion der neuen Höchstspannungsleitung. Ein Team aus einem halb Dutzend Stahlbauern pro Baustelle schraubt das 30.000-Teile-Puzzle zusammen, dafür brauchen die Männer mehrere Wochen und einen Mobilkran als Helfer. 56 Masten werden im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Amprion zwischen Gütersloh und Hesseln entstehen. Die Baukosten dürften – von Amprion nicht bestätigt – bei rund 20 Millionen Euro liegen.

Zwei der gewaltigen neuen Masten stehen schon in ihrer ganzen Größe. Der längste mit 80 Metern Höhe auf dem Gelände der Firma Storck, weil unter seinen Tragarmen die Erweiterung des Hochregallagers entsteht und ein „normal" dimensionierter mit gut 60 Meter an der Patthorst, der derzeit endmontiert wird.

Auf die Betonpfosten der Fundamente wird zunächst das Grundgerüst gebaut, dann folgen die am Boden montierten Segmente. Alle Bauteile werden als Einzelteile angeliefert, kommen aus einem Lager in Borgholzhausen.

Aufbauzeit eines kompletten Mastes dauert drei Monate

Nach Auskunft der Leiterin Projektkommunikation, Katrin Schirrmacher, dauert die Aufbauzeit eines kompletten Masten drei Monate, abhängig von den Randbedingungen. Dabei werden aus den 30.000 Bauteilen 13 Großbauteile am Boden vormontiert und mit Schrauben im Kaliber M 12 bis M 30 verbunden. Für die Monteure ist ein dicker Metalldorn eines der wichtigsten Werkzeuge. Mit ihm werden die zu verschraubenden Bohrlöcher auf Deckung gebracht.

Harte Arbeit mit schwergewichtigen Teilen. Auf der Montagebaustellen arbeiten ein gutes halbes Dutzend Stahlbauer, meist in zwei Teams. Untrstützt werden sie vom einem Mobilkran. - © Herbert Gontek
Harte Arbeit mit schwergewichtigen Teilen. Auf der Montagebaustellen arbeiten ein gutes halbes Dutzend Stahlbauer, meist in zwei Teams. Untrstützt werden sie vom einem Mobilkran. (© Herbert Gontek)

Ohne die Hilfe eines zunächst kleinen Mobilkranes wären die Arbeiten am Boden nicht machbar, denn die meisten Bauteile sind zu schwer, um sie mit zwei Mann tragen zu können. Sind alle Teile vormontiert, kommt der Großkran und bringt die Elemente in ihre Endlage. In schwindelerregender Höhe hilft dann der besagte Stahldorn den Monteuren, die Schraubenlöcher passend übereinander zu bringen, um die Schrauben einstecken zu können.

Bis zu 25 Seile tragen die Masten

Bis zur Umspannanlage in Hesseln tragen die Stahlträger 25 Seile, je zwölf für die Stromkreise und eine Datenleitung. Von Hesseln aus gehen zusätzlich zwölf Seile für eine 110-kV-Spannung und zwei Lichtwellenleiter auf das Stahlgerüst. Gemeinsam werden die Leitungen 1,2 Kilometer geführt, dann geht die 110-kV-Trasse wieder ihren eigenen Weg.

Die Bauabläufe sind nach Angaben von Sprecherin Katrin Schirrmacher im Zeitplan. Zu den Kosten der Modernisierung der Umspannanlage Hesseln macht das Unternehmen ebenso wie zu denen des Netzausbaues keine Angaben. Fachliteratur gibt aber mittlere Baukosten von einer Million Euro pro Kilometer an, die auf bis zu 1,5 Millionen Euro unter erschwerten Geländebedingungen steigen können.

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