Es flossen Tränen: Jugendfreizeiten werden abgesagt - gibt es Alternativen?

Die Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises Halle haben für dieses Jahr alle Kinder- und Jugendfreizeiten abgesagt. Für viele ist das ein Anlass zum Traurigsein.

Ekkehard Hufendiek

Zu den Zielen zählten in diesem Jahr Norwegen, Kroatien oder die Niederlande. - © Kirchenkreis Halle
Zu den Zielen zählten in diesem Jahr Norwegen, Kroatien oder die Niederlande. (© Kirchenkreis Halle)

Halle. Die Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises Halle haben für dieses Jahr alle Kinder- und Jugendfreizeiten abgesagt. Insgesamt 17 Freizeiten sind betroffen, fünf alleine in Halle. Weitere Gemeinden, die die Absage trifft, sind Werther, Versmold, Steinhagen und Harsewinkel. Leicht getan haben es sich die Verantwortlichen nicht, immer wieder haben sie die Entscheidung hinausgezögert. „Es ist traurig und die Entscheidung fiel uns schwer", sagt Jana Ruhe. Die Fachberaterin der Jugendreferenten im Kirchenkreis Halle berichtet sogar von Tränen, die bei einigen Beteiligten nach Bekanntgabe der Entscheidung geflossen seien. „Irgendwann aber mussten wir eine Entscheidung treffen. Wir sind uns alle einig, dass das die verantwortungsvollste Entscheidung ist."

Abstandsregel in Bussen kaum möglich

Allein schon die Anreise in Bussen sei mit einer Abstandsregelung und bis zu 110 Teilnehmern für die zwei- bis dreiwöchigen Freizeiten kaum möglich gewesen. Zu den Zielen zählten Norwegen, Kroatien oder die Niederlande. Die Kinder und Jugendlichen wären dort in Gemeinschaftszimmern untergebracht gewesen und nähmen die Mahlzeiten in der Regel gemeinsam zu sich. Spiel, Spaß, Abenteuer und Gemeinschaft, all das verhindere die Hygienevorschrift während der Corona-Pandemie. „Mit Maskenpflicht, Abstandsgebot und Hygieneregeln ist die Freizeitarbeit schwer vorstellbar", fügt Jana Ruhe hinzu.

Pressereferentin Frauke Brauns (links) und Jugendreferentin Jana Ruhe haben die Absage jetzt öffentlich gemacht. - © Ekkehard Hufendiek
Pressereferentin Frauke Brauns (links) und Jugendreferentin Jana Ruhe haben die Absage jetzt öffentlich gemacht. (© Ekkehard Hufendiek)

Der endgültigen Absage sei ein langer Prozess vorausgegangen, der im März kurz nach dem Lockdown einsetzte, im April fortgesetzt wurde – als noch alles auf der Kippe gestanden habe –, und jetzt am vergangenen Freitag seinen Schluss gefunden habe. Dabei habe die vom Auswärtigen Amt ausgesprochene, weltweite Reisewarnung wegen der Corona-Pandemie eine große Rolle gespielt. Schon am 22. April hatte Außenminister Heiko Maas geäußert, dass es „einen normalen Urlaub nicht geben wird" und „internationaler Urlaub auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird".

Ist eine unbeschwerte Freizeit so überhaupt möglich?

Nachdem die Reisewarnung trotz der Lockerungen nicht aufgehoben wurde, habe es eine Videokonferenz mit dem Superintendenten Walter Hempelmann, seinem Assessor Dirk Leiendecker, Jana Ruhe sowie weiteren Gemeindevertretern gegeben. In der wägten die Teilnehmer ein Für und Wider sorgsam ab. Fragen wurden erörtert: Was passiert, wenn sich ein Teilnehmer vor Ort mit Corona infiziert? Kann das Freizeitteam die Auflagen zum Abstand und zur Hygiene erfüllen? Ist ein unbeschwertes Freizeiterleben unter den Voraussetzungen überhaupt realistisch?

Letztlich seien alle zur einhelligen Übereinstimmung gekommen und sprachen in der Folge die klare Empfehlung aus, die Freizeiten abzusagen. „Das Risiko ist einfach zu groß", sagt Jana Ruhe.

Alternatives Angebot wird erarbeitet

Die Freizeiten haben eine lange Tradition nicht nur im Kirchenkreis Halle, sondern bundesweit. Weil das Angebot niederschwellig sei, ermöglichen sie laut Ruhe einen Erstzugang zur Kirche. Andererseits bringe es viele jugendliche Helfer erstmals in Verantwortung für andere. Es gehe neben der Erholung auch um Orte des sozialen Lernens und der Begegnung mit gläubigen Christen. Musik, Andacht und Gebet erfahren die Kinder und Jugendlichen an spannenden Orten.

Der Kirchenkreis muss jetzt nicht nur für 17 Freizeiten die Stornokosten begleichen, sondern auch in kurzer Zeit ein alternatives Angebot für die Kinder und Jugendlichen auf die Beine stellen. Weiteres Abwarten hätte sogar noch teurer werden können. „Wir wissen auch, dass die Unterkünfte an unseren Zielen ebenso hart unter der Corona-Pandemie leiden wie das gesamte Hotel- und Gaststättengewerbe", sagt Jana Ruhe. Gerne hätte die Kirche die Häuser und Busunternehmen, mit denen sie zum Teil seit Jahren zusammenarbeiten, weiter durch Freizeiten unterstützt. Das sei aber in diesem Jahr nicht möglich.

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