Halles älteste Filmaufnahme wiederentdeckt: So wurde das HK 1932 produziert

Obwohl Videos im Tageszeitungsgeschäft erst seit wenigen Jahren eine Rolle spielen, war das Haller Kreisblatt der Pionier unter den bewegten Bildern in der Region. Ein verschollener Film zum 50. Geburtstag der Heimatzeitung aus dem Jahr 1932 gilt als Beleg.

Uwe Pollmeier

Szenen aus dem Film zum 50. Jubiläum des Haller Kreisblatts 1932. - © Uwe Pollmeier
Szenen aus dem Film zum 50. Jubiläum des Haller Kreisblatts 1932. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Exakt 88 Jahre nach Drehschluss feiert am Samstag im virtuellen Museum Haller Zeiträume ein Film Premiere, der anlässlich des 50. Geburtstags des Haller Kreisblatts im Juli 1932 produziert worden ist. Der historische Stummfilm ist nicht nur interessant, weil offenbar ein Profi an der Kamera stand, sondern insbesondere auch deshalb, weil seine Existenz kaum bekannt war.

„Ich habe mir den Film kürzlich angeschaut und habe ihn bis dahin nicht gekannt", sagt Verleger Hans Brachvogel, dessen Großvater August 1908 das Haller Kreisblatt von August Meyer und Wilhelm Beckmann übernommen hatte. Ihm sei bis dahin lediglich ein Film über die Kreistierschau in Tatenhausen aus demselben Jahr bekannt gewesen.

Und genau dort liegt auch die Lösung für die Herkunft des nun wieder aufgetauchten Stummfilms. Denn die Berichterstattung über eben diese Schau füllt die ersten 16 Minuten des gut 23 Minuten langen Films. Dass dieser nun überhaupt wieder aufgetaucht ist, ist Dieter Luedtke zu verdanken. Der Haller, der einst im Keller des Verlagshauses an der Rosenstraße die Diskothek „Rave" betrieb und später im „Schluffen" auflegte, stieß kürzlich durch Zufall auf das historische Filmdokument. „Ich habe den bei meinem Bruder in Borgholzhausen gefunden", sagt Luedtke. Dort schlummerte der Film fertig digitalisiert auf der Festplatte des Computers. Wie er den Weg dorthin gefunden hat, weiß allerdings niemand mehr.

Ein Bremer hinter der Kamera

Sicher ist aber, dass offenbar die Bremer Firma Müller & Gersief den Film im Auftrag des Haller Kreisblatts anlässlich des Jubiläums produziert hat. Als Kameramann wird Franz-August Brandt genannt. Wer im Film zu sehen ist, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen. Hans Brachvogel, der sieben Jahre nach der Entstehung des Films geboren wurde, kann nicht mit Sicherheit sagen, wer dort wohl zu sehen ist. Für Historikerin Katja Kosubek, die nun in ihrem virtuellen Museum das Zeitdokument der Öffentlichkeit präsentiert, ist der Film jedoch eine ganz besondere Rarität. Ihres Wissens nach zeige der von Fritz Wellpott gedrehte Film „Schützenfest 1937" die bisher ältesten bewegten Szenen aus Halle.

Der Stummfilm sei, so Kosubek, eine historische „Sendung mit der Maus". Erklärt werde nach den zahlreichen Szenen auf der Tatenhauser Tierschau innerhalb von rund siebeneinhalb Minuten die Entstehung der Zeitung, welche elegant mit einer Betriebsführung verbunden wurde. „Die Auslieferung der Zeitung zeigt die damalige Infrastruktur, wobei die Eisenbahn noch eine große logistische Bedeutung hatte", sagt Kosubek auch und spricht damit eine Szene an, in welcher der Zug für den Transport der Zeitung eingesetzt wird.

Der Film ist professionell gemacht, mit Drehbuch, ausgesuchten Kameraeinstellungen, einer Choreographie der handelnden Personen und ausgewählten Requisiten. Eingeblendete Zwischentexte erläutern die bewegten Bilder des Stummfilms. Die Bildeinstellungen und die Schnitte wirken, als ob ein echter Fachmann am Werk gewesen ist. Schließlich steckte die Filmszene noch in den Kinderschuhen, erst drei Jahre zuvor war der erste Tonfilm in den deutschen Kinos angelaufen.

Szenen aus Halle und Versmold

Das letzte Drittel des Films, das sich dem HK widmet, beginnt mit einer Szene gegen 6 Uhr an einem sonnigen Sommermorgen. An der Rosenstraße wartet vor der Druckerei Meyer & Beckmann vermutlich der damalige Chefredakteur auf den Boten mit den letzten Meldungen. Dieser kommt auf dem Fahrrad. Der Eindruck eines enormen Zeitdrucks wird vermittelt. „Der Hauptteil der Zeitung ist schon gesetzt, der Setzer hat damit schon um vier Uhr begonnen. Eine Spalte hat er freigehalten für ’Letzte Drahtmeldungen’, also Nachrichten, die per Telegramm nach Halle kamen", erklärt Kosubek.

Es folgen Szenen an der Linotype-Maschine mit Maschinensetzer Josef Brendel, aus der Druckerei und während der Auslieferung, aber auch aus der Geschäftsstelle, wo ein junges Paar offenbar eine Hochzeitsanzeige aufgibt. Außenkulissen sind die Rosenstraße, der Bahnhof, die Versmolder Post an der Ravensberger Straße sowie das Bürgermeisterhaus in der Münsterstraße.

„Der 50. Geburtstag des Haller Kreisblatts wurde groß aufgezogen und die Krönung war der im Sommer gedrehte Film", sagt Kosubek. Der eigentliche Jubeltag war jedoch bereits am 18. Februar mit einer Sonderausgabe gefeiert worden.

Den Stummfilm aus dem Jahr 1932 gibt es ab sofort unter www.haller-zeitraeume.de.

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