HalleGlobaler Klimastreik fällt aus: Altkreis-Aktivisten stellen Forderungen

Der heutige „Globale Klimastreik“ muss ausfallen. Deswegen haben die Aktivisten von „Fridays for Future Altkreis Halle“ einen Forderungskatalog an die Stadträte online gestellt.

Jonas Damme

Wiederholt gingen die Schüler von Grund-, Gesamtschule und dem Gymnasium in Halle und den anderen Altkreiskommunen für die Fridays-for-Future-Initiative im vergangenen Jahr auf die Straße. Archivfoto: Fridays for Future - © Fridays for Future
Wiederholt gingen die Schüler von Grund-, Gesamtschule und dem Gymnasium in Halle und den anderen Altkreiskommunen für die Fridays-for-Future-Initiative im vergangenen Jahr auf die Straße. Archivfoto: Fridays for Future © Fridays for Future

Altkreis Halle. #Netzstreik fürsklima heißt der neue „Hashtag" der Fridays-for-Future-Bewegung. Weil die Corona-Einschränkungen nicht nur Schule, sondern auch Streiks derzeit verbieten, haben die jungen Aktivisten um Greta Thunberg ihren Protest ins Internet verlegt.

Am heutigen Freitag war eigentlich der „Globale Klimastreik" geplant. Millionen Schüler sollten weltweit mit kreativen Aktionen auf die Klimakrise aufmerksam machen und die erwachsene Generation so zum Handeln zwingen. Daraus wird nichts.

Deswegen streben die Jugendlichen nun online nach Aufmerksamkeit. Auf ihrer Website ist eine digitale Streikkarte eingestellt, auf der sich jeder eintragen kann, der sonst zu Fuß mitgelaufen wäre. Viele Aktionen sollen auch den virtuellen Protest abwechslungsreich gestalten. So gibt es mittlerweile sogar eine FFF-Handyapp.

Besonders wichtig ist der Altkreisgruppe, in der sich Schüler und Studierende aus Halle, Werther, Versmold, Steinhagen und Borgholzhausen zusammengeschlossen haben, ihre in den vergangenen Wochen erarbeitete Forderungsliste. Darin wenden sie sich auf sieben Seiten an die Stadträte der fünf Kommunen. Ihr Kernziel ist, die Erderwärmung bei weniger als zwei Grad zu stoppen.

„Wir betonen, dass gerade auch Kommunalpolitiker*innen die Einhaltung dieser Grenze und die Umsetzung der Forderungen auf allen politischen Ebenen mit größter Entschlossenheit vorantreiben müssen", heißt es dort. „Um die Klimakatastrophe zu verhindern, erfordert es insbesondere auch auf Kommunalebene weitreichende Veränderungen sowie die Ausrichtung aller städtischen Sektoren auf Nachhaltigkeit. Ein nachhaltiger Umgang mit unserem Planeten und den Ökosystemen muss Teil unserer Gesellschaft, unserer Kultur und unserer Wirtschaft werden."

Die Schüler haben sich durchaus konkrete Gedanken gemacht, wie der Erwärmungsstopp erreicht werden kann. Sie teilen ihre Forderungsliste deshalb in neun Hauptpunkte auf. Detailreich und im deutlich fordernden Ton geben sie darin vor, was zu geschehen hat, um „um den Klimawandel zu stoppen und die Lebensgrundlage künftiger Generationen nach Artikel 20a Grundgesetz zu schützen".

Forderungen an Rathäuser und Parteien

So dürfen aus Sicht der Jugendlichen künftig nur noch klimaneutrale Projekte genehmigt werden. Solche, die negative Auswirkung hätten, müssten die Rathäuser von vornherein verhindern. In klimapolitischen Fragen müssten die fünf Kommunen außerdem verstärkt zusammenarbeiten.

Heute versendeten die Aktivisten ihre Forderungen an die Rathäuser, Parteien und politischen Entscheidungsträger im ganzen Altkreis. Die Reaktion bleibt abzuwarten.

Die Forderungen in Auszügen:

Allgemeines

- Verringerung der CO2 Emissionen bis spätestens 2035 auf Nettonull

Verwaltung

- zusätzliche Stellen für den Klimaschutz

- keine Investitionen in fossile/nukleare Energie

Energie

- möglichst schnell die maximal mögliche Kapazität an Photovoltaikanlagen installieren

- den Wasserverbrauch von Industrie und Stadt durch strenge Auflagen auf ein Minimum begrenzen

Mobilität

- motorisierten Individualverkehr benachteiligen/ ÖPNV massiv begünstigen

Natur

- Flächenversiegelung und Waldwirtschaft auf ein Minimum begrenzen

Abfallvermeidung & Ressourceneinsparung

- Mehrwegpflicht bei Festen

- private Feuerwerke verbieten

- Läden für unverpackte Lebensmittel fördern

Wirtschaft

- Unternehmensförderung direkt an verbindlichen Klimaschutzplan binden

- innovative Klimaschutzprojekte fördern

Landwirtschaft

- die Erhöhung der ökologischen Landwirtschaft auf 30 Prozent bis 2030 unterstützen

- erworbene Flächen der Stadt nur noch an BioLandwirte verpachten

- Förderung von regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen, Gastronomie, und Veranstaltungen

Baugewerbe

- CO2-Bilanzierung bei der Planung von Neubauten

- Förderung von nachhaltigen Werkstoffen

- Neubauten nur noch als Plusenergiehäuser

Der vollständige Forderungskatalog findet sich auf: fridaysforfuture.de/ortsgruppen/altkreishalle/

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