Gerry Weber bangt wegen Coronakrise ums Überleben

Der Modekonzern sieht Gespräche über weitere Kredite gefährdet

Andrea Frühauf

Der Modehersteller erwartet, dass sich die Umsätze auch nach der Wiedereröffnung der Läden nur schrittweise erholen werden. - © Picture Alliance
Der Modehersteller erwartet, dass sich die Umsätze auch nach der Wiedereröffnung der Läden nur schrittweise erholen werden. (© Picture Alliance)
Halle. Die Coronavirus-Pandemie könnte dem Vorstand des gerade erst aus dem Insolvenzverfahren entlassenen Modeherstellers Gerry Weber einen gefährlichen Strich durch die Rechnung machen. Die Auswirkungen der Pandemie seien existenzbedrohend, erklärte Vorstandsmitglied Florian Frank bei der Vorlage der neuesten Geschäftszahlen. Er befürchtet vor allem, dass die begonnenen Verhandlungen mit Banken über ein zusätzliches Finanzierungsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe für das Unternehmen nun platzen könnten.

„Bis Mitte März 2020 waren wir auf gutem Weg, unseren Auftritt und unsere Leistung im Markt künftig weiter zu verbessern", so Frank. „Dann erreichten uns mit aller Wucht der Ausbruch der Corona-Krise und die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen daraus." In den vergangenen Wochen habe der Vorstand bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Überleben des Modekonzerns zu sichern.

Für den Großteil der Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt und in Kraft gesetzt. Außerdem werde mit allen Vermietern über Entlastungen bei den Mietkosten verhandelt. Mit den Lieferanten seien Preisreduzierungen und Stornierungen bereits zum Teil vereinbart worden.Zudem seien mit einer angepassten Finanzierungsplanung „umfassende Kostensenkungen in allen Bereichen des Unternehmens" geplant.

Umsatzprognose um rund 30 Prozent gesenkt

Die Umsatzprognose für 2020 wurde wegen der Coronakrise um fast 30 Prozent auf 260 Millionen bis 280 Millionen Euro gesenkt. Eigentlich waren 370 bis 390 Millionen Euro erwartet worden. Bei diesen Planungen geht der Vorstand allerdings davon aus, dass die Läden ab Anfang Mai im Kernmarkt Deutschland wieder geöffnet werden können. Sollte das nicht passieren, „sind alle Planungen Makulatur", hieß es.

Gleichwohl äußerte Interimschef Alexander Gedat Optimismus: „Das Kerngeschäftsmodell von Gerry Weber ist intakt." Mit dem neuen Zukunftskonzept werde die Geschäftstätigkeit von Gerry Weber bis in das Jahr 2021 hinein gesichert.

Im Rumpfgeschäftsjahr 2019 (April bis Ende Dezember) betrug der Umsatz wie erwartet 330,5 Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl im Schnitt 3.360. In diesen fünf Monaten wurden 174 eigene Läden weltweit geschlossen. Mit dem gleichzeitigen Insolvenzverfahren blieb am Ende ein kleiner Gewinn von 119,3 Millionen Euro übrig – „begünstigt vor allem durch Sanierungserträge aus der Ausbuchung von Insolvenzverbindlichkeiten".

Im Vorjahr hatte sich der Verlust noch auf 244,5 Millionen Euro belaufen. Ohne Sondereffekte betrug das steuerrelevante Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Rumpfgeschäftsjahr 2019 minus 6,2 Millionen Euro.

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