Flugbegleiterin (53) bei größter Rückholaktion der Regierung im Einsatz

Vermummte Passagiere bescheren der Condor-Crew Gänsehautmomente. Die gebürtige Hallerin Andrea Windau zeigt sich auch Tage später sehr bewegt.

Nicole Donath

Die derzeit laufenden Rückholungen, an denen auch die Condor beteiligt ist, ist die größte Aktion in der Geschichte der Bundesrepublik. - © Condor
Die derzeit laufenden Rückholungen, an denen auch die Condor beteiligt ist, ist die größte Aktion in der Geschichte der Bundesrepublik. (© Condor)

Halle/Trier/Teneriffa. Leerer Hinflug von Frankfurt nach Teneriffa. Boarding und Service mit Masken und Handschuhen. Und auf dem Rückflug dann neben der Crew auch sämtliche Passagiere vermummt. – „Das war schon sehr beeindruckend", sagt Andrea Windau. „Eine sehr besondere Situation und für mich, die ich nun seit über 30 Jahren fliege, bislang einmalig." Die 53-Jährige, die am Kreisgymnasium Halle ihr Abitur gemacht hat und vielen noch unter ihrem Mädchennamen Ferber bekannt ist, war am Wochenende für eine der Rückholaktionen des Auswärtigen Amtes im Einsatz.

Eigentlich hatte sich Andrea Windau, die mit ihrer Familie heute in Trier lebt, bei ihrem Arbeitgeber Condor im März einen Flug auf die Malediven eingeplant. Geplanter Abflugtermin war der 25. – dann kam die Corona-Krise und aus dem geplanten Trip zu den Trauminseln im Indischen Ozean wurde ein Einsatz im Auftrag der Regierung auf den Kanaren. „Ich wollte auch unbedingt einen Flug übernehmen", betont Andrea Windau. „Denn beim Bereitschaftsdienst 180 muss man innerhalb von drei Stunden bei der Condor am Frankfurter Flughafen sein muss."

„Hier ist die Einsatzzentrale: Wir brauchen Sie!"

Am ersten Tag dieses dreitägigen Bereitschaftsdienstes sei noch nichts passiert. „Dann kam der Anruf von der Einsatzzentrale: Wir brauchen Sie!" Ihre Sachen hatte Andrea Windau bereits gepackt und es ging auch direkt los – voll neugieriger Erwartungen.

„Eigentlich gibt es vor jedem Abflug ein Briefing. Das ist eine Flugbesprechung, dieses Mal haben wir dies direkt an Bord durchgeführt. Jeder bekam zu seiem persönlichen Schutz Masken und Handschuhe. Dann sind wir „Tango" nach Teneriffa. Das bedeutet, dass wir ohne Gäste hinfliegen – also leer." Vier Stunden dauerte die Reise, dann war Teil eins der Mission erfüllt. Die eigentliche Herausforderung war Teil zwei: der Rückflug.

Andrea Windau - © Privat
Andrea Windau (© Privat)

Aus Sicherheitsgründen gab es hier nicht den klassischen Service. „Stattdessen hatten wir allen Passagieren, die sich die Gesichter mit Schals, Tüchern oder Rollkragen vermummt hatten, einen Snackbeutel mit einem Sandwich, einem halben Liter Wasser und etwas Süßem auf die Sitze gestellt", beschreibt Andrea Windau den Ablauf. „Die Toiletten wurden von uns ständig desinfiziert. Allerdings war es tatsächlich so, dass die meisten geschlafen haben." Die Anspannung sei in dem Moment, da die Touristen im Flugzeug Platz genommen hätten, von ihnen abgefallen. Und die Gewissheit, jetzt sicher nach Hause gebracht zu werden, habe ihnen ein sehr beruhigendes Gefühl vermittelt. „Alle waren super dankbar und haben am Ende des Fluges geklatscht, sie nannten uns ihre Helden, ihre Engel, obwohl wir uns in dem Moment doch gar nicht so gefühlt haben. Aber das waren natürlich die totalen Gänsehautmomente, die wir da während des gesamten Fluges erlebt haben", beschreibt Andrea Windau die Stimmung.

Angst vor einer eigenen Ansteckung habe sie übrigens nicht einen Moment lang gehabt, sagt die Mutter dreier Kinder dann. „Ich bin grundsätzlich niemand, der ängstlich ist. Und wenn es drauf ankommt, gerade im Job, schalte ich erst recht auf souverän-professionell um", ergänzt die Purserette, also die Kabinenchefin, und lächelt. Vielmehr bereite ihr jetzt die Aussicht Sorgen, dass dieser Flug der letzte für eine lange, lange Zeit gewesen sein könnte. „Ich würde mich zwar gerne an weiteren Rückholaktionen beteiligen, aber aber ob es dazu kommt, entscheidet die Condor."

„Wenn wir fliegen, haben wir keine Angst"

Andrea Windau überlegt einen Moment, dann sagt sie: „Ich liebe das Fliegen. Deshalb denke ich positiv – wie überhaupt in dieser Krise. Auch dann, wenn die Corona-Pandemie Veränderungen mit sich bringen wird – ich bleibe zuversichtlich. Alle meine Kolleginnen und Kollegen haben diesen besonderen Condor-Spirit: Wir leben sehr stark für diese Firma, die meisten von uns sind sehr lange dabei. Wenn wir fliegen, haben wir keine Angst."

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