Traum zerplatzt: 19-jährige Hallerin hängt in Neuseeland fest

Maria Wöstmann und ihr Freund Oliver Brune wollten insgesamt acht Wochen auf den beiden Inseln verbringen, ehe es weiter nach Asien gehen sollte. Dieser Plan ist durch die Corona-Krise nun hinfällig.

Uwe Pollmeier

Am Farewell Spit, der schmalen Landzunge im äußersten Norden der neuseeländischen Südinsel, haben Maria Wöstmann und Oliver Brune noch ihren Urlaub genossen. - © Maria Wöstmann/Oliver Brune
Am Farewell Spit, der schmalen Landzunge im äußersten Norden der neuseeländischen Südinsel, haben Maria Wöstmann und Oliver Brune noch ihren Urlaub genossen. (© Maria Wöstmann/Oliver Brune)

Halle/Rotorua. Einmal Neuseeland sehen und danach Südostasien bereisen – für Maria Wöstmann aus Halle war es ein langjähriger Traum. Die 19-Jährige, die im vergangenen Jahr am KGH ihr Abitur machte und sich in der Fridays-for-Future-Bewegung engagierte, setzte sich gemeinsam mit ihrem Freund Oliver Brune in den Flieger Richtung anderes Weltende.

Geplant war, zunächst dreieinhalb Wochen auf der Südinsel zu verbringen, und anschließend weitere viereinhalb Wochen lang die Nordinsel zu erkunden. Danach sollte es weitergehen in Richtung Asien – aber nun ist wegen der weltweiten Corona-Ausbreitung alles anders.

„Die Regierung hat sehr schnell auf das Virus reagiert, bereits am 19. März gab es ein Einreiseverbot für alle Ausländer", sagt Wöstmann. Zu diesem Zeitpunkt gab es gerade einmal 28 bestätigte Infektionen in dem gut 4,5 Millionen Einwohner zählenden Inselstaat. Eine Woche später, bei mittlerweile 283 Infektionen, folgte der Lockdown. „Alle Schulen, Unis und öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen, man soll das Haus nicht mehr verlassen und sozialen Abstand halten", erklärt die Hallerin. Die Maßnahmen gleichen damit denen in Deutschland. Mit aktuell 589 Infizierten beträgt die Quote in Neuseeland gemessen an der Einwohnerzahl nur ein Achtel von der in Deutschland.

„Wir planen nur noch von Tag zu Tag"

Die ersten drei Fotos sind vom Lake Pukaki und dem Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Das von uns beiden ist vor dem Lake Wakatipu bei Queenstown.

Das letzte von mir ist auf den Banks Peninsula bei Christchurch. - © Maria Wöstmann/Oliver Brune
Die ersten drei Fotos sind vom Lake Pukaki und dem Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Das von uns beiden ist vor dem Lake Wakatipu bei Queenstown.
Das letzte von mir ist auf den Banks Peninsula bei Christchurch. (© Maria Wöstmann/Oliver Brune)

„Für uns hieß das dann, dass wir uns schnell einen Ort suchen mussten, an dem wir uns für längere Zeit aufhalten können. Schließlich durften auch wir nicht weiter durch das Land reisen", sagt Wöstmann. Da sie mit Auto und Zelt meistens auf Campingplätzen unterwegs gewesen seien, hätten sie schließlich am Lake Rotorua im Zentrum der Nordinsel einen guten Platz gesucht. Man habe ihnen versichert, dass dieser Platz geöffnet bleibt.

„Für uns ist die Lage natürlich schwierig. Wir können mittlerweile nur noch von Tag zu Tag planen, weil es jeden Tag neue Nachrichten und Infos zu Rückflügen gibt. Das verunsichert uns", sagt die 19-Jährige. Natürlich seien sie auch traurig, dass die geplante sechsmonatige Rundreise nun nicht mehr möglich sei.

„Trotzdem sind wir aber weder besonders panisch noch ängstlich. Wir haben die gesamte Lage so akzeptiert und versuchen, das Beste daraus zu machen", sagen die beiden Haller. Seit einer Woche seien sie nun auf dem Campingplatz. „Wir fahren zum Einkaufen in die Stadt, genießen die Sonne, schauen Serien und spielen mit anderen deutschen Campern, die in der gleichen Situation wie wir sind, Karten", beschreibt Maria Wöstmann den erzwungenen Alltag auf der anderen Globusseite.

„Singapur müssen wir nun streichen"

In diesem Supermarkt in der Nähe des Campingplatzes gilt auch die übliche Zwei-Meter-Abstandsregel. - © Maria Wöstmann/Oliver Brune
In diesem Supermarkt in der Nähe des Campingplatzes gilt auch die übliche Zwei-Meter-Abstandsregel. (© Maria Wöstmann/Oliver Brune)

Es sei beruhigend, dass man nicht alleine sei und es andere Camper mit ähnlichen Probleme gebe. „Normalerweise wären wir am 5. April weiter nach Singapur geflogen, das geht aber nun nicht mehr", erklärt Wöstmann. Stattdessen habe man nun für den 7. April einen Rückflug nach Frankfurt gebucht.

Bis dahin heiße es, viel Geduld aufzubringen und abzuwarten. Es sei denn, das Auswärtige Amt teilt mit, dass sie in einer Rückholaktion schon vorher nach Deutschland ausgeflogen werden. Seit einigen Tagen sei dieses auch in Neuseeland möglich.

„Wir können nur noch von Tag zu Tag planen. Niemand weiß, was morgen passiert", sagt Wöstmann. Die Lage in Deutschland haben sie in den vergangenen Wochen natürlich auch aus Neuseeland genauestens mitverfolgt. „Zum einen haben wir sehr viel mit Freunden und Familie geschrieben, zum anderen haben wir jeden Tag die neuesten Nachrichten gelesen und den Podcast mit dem Virologen Christian Drosten auf Spotify gehört", sagt die ehemalige KGH-Schülerin.

Als die bundesweiten Schul- und Unischließungen angekündigt wurden, sei ihnen klar geworden, wie ernst die Lage in der Heimat ist. „Wir fanden das beängstigend, denn so eine Maßnahme hatten wir bis dahin noch nicht mitbekommen." Gleichzeitig sei man auch etwas froh darüber gewesen in Neuseeland zu sein und so die Panik und die Krise in Deutschland nicht richtig mitbekommen zu müssen. „Die immer weiter verschärften Maßnahmen haben uns besorgt, weil wir uns viele Gedanken über unsere Familie und Freunde gemacht haben", sagen Maria Wöstmann und Oliver Brune. Nun hoffen die beiden Ostwestfalen, dass sie bald wieder in Halle sind und dass sich die Lage in Kürze entspannt.

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