Kunden drängen Friseure zur Schwarzarbeit - sogar mit Drohungen

Nicht jeder Kunde kann sich mit der Zwangsschließung von Friseursalons abfinden. Eine Frau vom Fach ärgert sich über die unseriösen Angebote, die zum Teil sogar mit Drohungen verknüpft werden.

Melanie Wigger

Auf den Friseursalon müssen die Kunden momentan verzichten. Doch nicht alle können das akzeptieren. - © CC0 Pixabay
Auf den Friseursalon müssen die Kunden momentan verzichten. Doch nicht alle können das akzeptieren. (© CC0 Pixabay)

Halle. „Ungewissheit und Existenzangst sind insbesondere innerhalb der Friseurbranche greifbar", kommentiert Sara Vitale in einer Haller Facebook-Gruppe. Die Friseurmeisterin hat seit Tagen geschlossen. Viele Kunden hätten verständnisvoll darauf reagiert, sagt sie im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. Und doch kam immer wieder ein Wunsch zur Sprache: „Ob ich nicht trotzdem bei ihnen vorbeikommen könnte ..." Für die Hallerin ist die Antwort klar: „Nein! Das Risiko ist zu groß. Nicht nur weil die Kunden krank sein könnten. Was ist, wenn ich den Virus, ohne es zu wissen, mit ins Haus bringe, und am Ende vielleicht noch jemand damit umbringe? Dann werde ich doch mein Lebtag nicht mehr froh."

Friseurmeisterin meldet schwarze Schafe

Deshalb ärgere sie sich darüber, dass sich aktuell Kunden privat bei ihren Friseuren und deren Angestellten melden: „Ich möchte gar nicht darauf abzielen, dass dies Schwarzarbeit ist die aktuell mit bis zu 25.000 Euro bestraft wird", macht sie auf Facebook deutlich. „Viel wichtiger ist, dass Sie, liebe Kunden, damit Ihren Friseur in eine sehr schlimme Lage bringen. Auf der einen Seite die finanziellen Not und auf der anderen Seite die Angst vor einer eigenen Ansteckung."

Und nicht nur das. Die Friseurin berichtet, dass manche die Anfrage mit der Drohung, „dass man schon jemanden finden wird, der das macht", verbinden. „Dann sind Sie mich als Kunden los", lautet die Botschaft an die Friseure, beschreibt Vitale. „Schürt nicht die Ängste von Menschen und setzt sie nicht mit ihrer Zukunftsangst unter Druck", bittet sie im Netz. „Das ist alles andere als fair und wirklich unnötig."

Im Gespräch mit dem HK betont sie außerdem, dass sie auch von ihren Mitstreitern erwartet, sich auf solche unseriösen Angebote nicht einzulassen. Sie werde jeden melden, der sich in diesen Zeiten auf Schwarzarbeit einlasse. „Ich habe den Eindruck, dass viele immer noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist."

Hallerin bezahlt Dienstleistungen, obwohl diese ausfallen

Im Netz bekommt sie viel Zuspruch für ihren Appell, darunter bekräftigen auch weitere lokale Friseure ihren Zusammenhalt in der Krise. Eine Nagelstudio-Besitzerin kommentiert zudem, dass sie ähnliches erlebt hat – von Drohungen bis zu Beschimpfungen: „Solche Kundinnen werde ich aber knallhart aussortieren."

Doch es gibt auch positive Beispiele. Anna Hörner berichtet auf Nachfrage des Haller Kreisblatts, dass sie als ohnehin mobil arbeitende Friseurmeisterin auch gefragt wurde, ob sie noch Hausbesuche macht. „Nachdem ich denen erklärt habe, dass ich erstmal keine Termine mehr annehme, bis die Sperrungen aufgehoben sind, waren alle verständnisvoll und haben mir keinen Druck gemacht", sagt die Hallerin. Eine ganz außergewöhnliche Geste hat sich derweil eine Kundin aus Halle überlegt. Für sie fallen durch die Corona-Maßnahmen in den nächsten Wochen ihre Termine beim Friseur, bei der Fußpflege und im Nagelstudio aus. Doch sie bezahlt diese wegfallenden Dienstleistungen trotzdem. „Für mich sind das geplante Ausgaben, also kann ich die im Sinne des Zusammenhalts auch tätigen. So unterstütze ich die, die extrem betroffen sind. Und zwar von Herzen gerne."

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