HalleBaumschutzsatzung in Halle? - Was spricht dagegen?

Die Fällung der Eichen im Hesseltal hat die Diskussion neu entfacht. Hartmut Lüker sieht eine gesetzliche Regelung kritisch und bevorzugt eine andere Lösung.

Rolf Uhlemeier

Baumschutzsatzung

Hartmut Lüker (BUND) - © Rolf Uhlemeier
Baumschutzsatzung
Hartmut Lüker (BUND) (© Rolf Uhlemeier)

Halle. „Auch wenn eine Baumschutzsatzung für die Fällungen im Hesseltal nicht gegriffen hätte, ist das Thema dadurch bei uns in der Fraktion wieder aufgekommen“, sagt Wolfgang Bölling. Für die Sitzung des Umwelt- und Klimaschutz-Ausschusses am Mittwoch ab 17.15 Uhr im Saal des Rathauses hat die SPD-Fraktion den Antrag gestellt, für Halle wieder eine Baumschutzsatzung einzuführen.

„Wir waren schon dagegen, die Satzung abzuschaffen, und hatten uns 2015/2016 bereits für eine Wiedereinführung eingesetzt“, sagt der Fraktionsvorsitzende. „Damals waren wir allerdings die Einzigen und konnten uns mit unserem Antrag nicht durchsetzen.“ Nun ist Bölling gespannt, ob sich die Stimmungslage nach zwei extrem trockenen Sommern und massivem Baumsterben bei den anderen Fraktion geändert hat. „Wir hatten die Sache ruhenlassen, weil nicht erkennbar war, dass es eine politische Mehrheit für die Satzung geben würde“, sagt der Fraktionsvorsitzende – und erwartet für Mittwoch eine spannende Diskussion. Halles Umweltbeauftragter Stephan Borghoff hatte im Zuge der Diskussion um die im Hesseltal gefällten Eichen erklärt, dass eine Baumschutzsatzung aus seiner Sicht durchaus sinnvoll sei, er aber eine Satzung zur Förderung von Bäumen sinnvoller fände: „Ich würde es bevorzugen, wenn diejenigen, die auf ihrem Grundstück ökologisch und klimatisch einen Mehrwert für die Allgemeinheit schaffen, in einer wie auch immer gearteten Form unterstützt würden.“

"Bürger sind sensibler und bewusster geworden"

Das sieht Martin Lüker ähnlich, der sich in der Lindenstadt als Naturschützer, Wanderführer und BUND-Mitglied engagiert: „Ich habe zu dem Thema mittlerweile eine andere Einstellung gewonnen. Aus meiner Sicht sind die Bürger auch durch die beiden extrem heißen und trockenen Sommer bei dem Thema sensibler und bewusster geworden.“ Nach Ansicht des Streiters für den Haller Stadtpark am Berufskolleg hätten die Menschen gemerkt, wie sinnvoll es angesichts des Klimawandels ist, schattenspendende Bäume im Garten zu haben. Zudem sieht der Naturschützer einen enorm hohen Aufwand für die Umsetzung einer Baumschutzsatzung: „Wenn man das ernsthaft angehen will, dann muss man ein Kataster für schützenswerte Bäume erstellen und das dann auch jährlich kontrollieren. Wenn man das nicht macht, dann hat man im Grunde nur einen Papiertiger geschaffen.“

Ähnlich wie Stephan Borghoff schlägt Hartmut Lüker vor, Anreize dafür zu schaffen, dass Bäume erhalten bleiben und neue gepflanzt werden: „Ich glaube, dass wir über die Zeit, in der gesetzliche Regelungen Sinn gemacht hätten, mittlerweile hinweg sind – das war vor fünf bis zehn Jahren der Fall.“ Heute müsse man die Menschen informieren und mitnehmen: „Mit Anreizen erreicht man aus meiner Sicht mehr als mit Verboten.“

Mehr Bäume für Steinhagen

In Paragraf 49 des Gesetzes zum Schutz der Natur in NRW ist die Zuständigkeit geregelt: „Die Gemeinden können durch Satzung den Schutz des Baumbestandes innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile und des Geltungsbereichs der Bebauungspläne regeln.“ Steinhagen hat so eine Satzung und verpflichtet sich, jedes Jahr mindestens 20 Bäume mehr zu pflanzen, als gefällt wurden. Die Regelung gilt für große Laubbäume wie Eichen, Buchen und Linden. Im vergangenen Jahr wurden in der Nachbargemeinde 23 Bäume legal gefällt, 17 wegen Baumaßnahmen sowie sechs, weil sie in Folge von Krankheiten eine Gefahr darstellten. Angesichts des massiven Fichtensterbens im Haller Stadtwald und der Erlenfällungen am Künsebecker Weg dürfte die Haller Baum-Bilanz aktuell negativ ausfallen.

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