Gewerbeschau Gartnisch in Halle fällt auch 2020 aus

Der Ausstellerausschuss und KonText-Kontor reagieren auf die schwache Resonanz. Die Hoffnung auf ein Comeback schwindet.

Marc Uthmann

Die Gewerbeschau Gartnisch wird auch 2020 abgesagt. Damit steht die Messe vor dem Aus. - © Rolf Uhlemeier
Die Gewerbeschau Gartnisch wird auch 2020 abgesagt. Damit steht die Messe vor dem Aus. (© Rolf Uhlemeier)

Halle. 17 Jahre war die Gewerbeschau der Gartnischer Betriebe ein Erfolgsmodell mit hohen Besucherzahlen, doch diese Ära geht nun offenbar zu Ende. Nachdem der Ausstellerausschuss und die mitausrichtende KonText-Agentur schon im vergangenen Jahr beschlossen hatten, eine Pause einzulegen, sagen sie die für den 25. und 26. April geplante Messe auch in diesem Jahr ab.

„Die Zahl der Anmeldungen lag zur abgelaufenen Deadline deutlich unter dem wirtschaftlichen Break Even“, heißt es in einer Mitteilung, welche die Ausrichter an die Partnerunternehmen verschickt haben. „Vor diesem Hintergrund – und um unsere treuen Besucher nicht mit zu wenigen Ausstellern zu enttäuschen – verbietet sich unseres Erachtens eine Durchführung der Gewerbeschau.“

„Digitale Verbreitungswege nehmen zu“

„Viele ähnliche Schauen im Umkreis gibt es schon länger nicht mehr oder sie laufen in zunehmend kleinerem Umfang“, sagt Antje Enkemann-Schneider, Vorsitzende des Ausstellerausschusses, auf Anfrage des Haller Kreisblattes. Sie hat für die zurückgehende Zahl der Anmeldungen verschiedene Gründe ausgemacht: „Die meisten Betriebe haben gerade im Frühjahr randvolle Auftragsbücher und bekommen dann Probleme, Personal für die umfangreiche Organisation einer solchen Schau bereitzustellen, weil es ohnehin schon hoch belastet ist.“ Zudem befürchteten die Betriebe, dass ihre Leistungsfähigkeit generell unter einem solchen Großprojekt leiden könnte.

Darüber hinaus sieht Antje Enkemann-Schneider die Zeit der analogen Ausstellungen ablaufen. „Die digitalen Verbreitungswege nehmen zu, die Betriebe kanalisieren ihr Marketing zunehmend anders.“ Zumal sich in den vergangenen Jahren immer mehr gezeigt habe, dass zwar viele Besucher nach Gartnisch gekommen seien, aber nicht unbedingt mit einem echten Beratungs- oder Kaufinteresse, sondern eher als Volksfest-Besucher. „Einfach ein Forum aufzubauen, genügt ja nicht mehr. Es müssen Attraktionen her, was die Messen sehr teuer macht. Und da gibt es nicht mehr die Bereitschaft der Betriebe, die hohen Kosten zu tragen.“

Entscheidung der wirtschaftlichen Vernunft

So sei es letztlich eine Entscheidung der wirtschaftlichen Vernunft gewesen, die Gewerbeschau Gartnisch auch in diesem Jahr abzusagen – auch für KonText müsse sich das Event schließlich lohnen. „Wir sind weder überrascht noch enttäuscht“, betont Antje Enkemann-Schneider. „Wir hatten 17 tolle Jahre, in denen wir Herzblut in diese Veranstaltung gesteckt haben und viel Spaß daran hatten.“

Zwar kündigen Aussteller-Ausschuss und die Agentur an, Ende 2020 zu prüfen, ob die Gewerbeschau noch ein Comeback feiert. „Aber Hoffnung darauf habe ich eher nicht“, sagt Antje Enkemann-Schneider ganz offen. Sie selbst bringt sich mittlerweile verstärkt in der Initiative „Kauf im Ort“ ein. „Eines unserer aktuellen Projekte ist es, Leerstände in heimischen Schaufenstern vorübergehend mit Ausstellungen heimischer Handwerksbetriebe zu füllen. So zeigen wir, was Halle kann.“

Das ist zwar nicht digital, aber ein weiteres Zeichen, dass sich die Werbeplattformen ändern. Das Gewimmel in Gartnisch spielt in diesen neuen Zeiten dabei wohl keine Rolle mehr.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.