Leben mit permanentem Autobahnlärm: „Daran kann man sich nicht gewöhnen“

Im Ortsteil Hesseln wächst der Unmut über die permanente Geräuschkulisse von der Autobahn. Kathrin Oetting-Damme hat einen Antrag für mehr Lärmschutz gestellt, der am Mittwoch politisch diskutiert wird. Zunächst soll ein Gutachten die Belastung ermitteln.

Rolf Uhlemeier

Kathrin Oetting-Damme, Hans-Gerd Damme und Kathleen Damme (von links) mit Emil, Michel und Milla setzen sich dafür ein, dass in Hesseln etwas gegen den permanenten Lärm von der Autobahn unternommen wird. - © Rolf Uhlemeier
Kathrin Oetting-Damme, Hans-Gerd Damme und Kathleen Damme (von links) mit Emil, Michel und Milla setzen sich dafür ein, dass in Hesseln etwas gegen den permanenten Lärm von der Autobahn unternommen wird. (© Rolf Uhlemeier)

Halle-Hesseln. „Ich werde oft gefragt, ob ich mich schon an den Lärm der Autobahn gewähnt habe", sagt Kathrin Oetting-Damme. Die Antwort fällt unmissverständlich aus: „Das Gegenteil ist der Fall – an die permanente Geräuschkulisse kann man sich nicht gewöhnen."

Seit der Eröffnung des letzten Teilstücks der A 33 zwischen Halle und Borgholzhausen regt sich nach Einschätzung der Hesselnerin im Haller Ortsteil zunehmend Unmut über die Dauerbeschallung von der Autobahntrasse: „Darüber sind hier viele Menschen sehr erschrocken."

Diese Einschätzung bestätigt auch Margret Scholz: „Es ist wie eine Glocke, die über Hesseln liegt." Die Anwohnerin der Clever Straße hat seit dem Lückenschluss selbst nachts, wenn sie mit ihrem Hund vor die Tür tritt, den Eindruck, sie stünde auf einer Baustelle: „Ich habe das Gefühl, dass der Schall vom nahen Berg noch einmal zurückgeworfen wird."

Vermehrt angefahrene Tiere und tote Vögel

Für Kathrin Oetting-Damme ist die Grenze des Erträgliche schon jetzt deutlich überschritten, und dass in einer Jahreszeit, in der sich die Menschen eher im Haus aufhalten: „Im Sommer, wenn sich das Leben draußen abspielt, dann werden die Menschen die Belastung durch die Autobahn sicherlich noch viel stärker empfinden." Nach Einschätzung von Margret Scholz ist die Dauerbeschallung von der Trasse auch für die Tierwelt ein großes Problem: „Mein Mann ist Jäger und hatte in letzter Zeit vermehrt Einsätze wegen angefahrener Tiere. Auch für sie hat die Autobahn offensichtlich erheblich mehr Stress gebracht." Zudem habe ihr Mann seit der Eröffnung immer öfter tote Vögel entlang der Trasse gefunden: „Vermutlich hat das etwas mit den Luftverwirbelungen durch die Lastwagen zu tun, deren Aufbauten über die Wände hinausragen.

Auch für Jürgen von Morsey-Picard ist der Lärm von der Autobahn mittlerweile ein steter Begleiter: „Natürlich ist es nicht so schön, aber man gewöhnt sich daran", sagt er. Zusammen mit seiner Frau wohnt er in der ehemaligen Villa seiner Großeltern gegenüber des Elektrizitätswerkes in Hesseln und damit sehr nah an der Autobahn. „Wenn die Bäume wieder grün sind, dann wird es bestimmt leiser", hofft der Freiherr. Von Bewohnern der Hesselner Siedlung hat er allerdings gehört, dass der Lärm dort größer ist, weil der Schall den Nahbereich der Autobahn möglicherweise überspringt. An den Wochenenden sei es deutlich leiser, weil dann erheblich weniger Lastwagen auf der Autobahn unterwegs seien: „Da hört man fast nichts", sagt der Landwirt, der in Sachen Verkehrslärm als direkter Anwohner der Haller-Willem-Trasse allerdings auch einiges gewohnt ist: „Ich weiß zwar, wann die Züge fahren, aber ich höre sie überhaupt nicht mehr."

Anwohner hoffen auf Gegenmaßnahmen

Kathrin Oetting-Damme und Margret Scholz hoffen nun zusammen mit vielen anderen Hesselnern, dass im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz am kommenden Mittwoch der Beschluss gefasst wird, zunächst einmal die Lärmbelastung genau zu untersuchen. „Ich hoffe sehr, dass das erstmal geprüft wird und dann wird man weitersehen müssen." Als mögliche Maßnahmen sieht die Hesselnerin zum Beispiel die Erhöhung der Überflughilfen für Fledermäuse, die sich entlang der Autobahn ziehen sowie die Aufforstung der Flächen entlang der Trasse.

Bis möglicherweise die Lärmschutzwände installiert oder Bäume gewachsen sind, möchte Margret Scholz allerdings nicht warten: Sie plädiert dafür, die Geschwindigkeit deutlich herabzusetzen – auf 120 Kilometer in der Stunde oder besser noch auf Tempo 100: „Das würde den Lärmpegel hier im Ortsteil für alle deutlich verringern und eine erhebliche Entlastung bringen."

Kathrin Oetting-Damme wünscht sich, dass am Mittwoch möglichst viele Hesselner um 17.15 Uhr in den Sitzungssaal des Rathauses kommen und sich dafür einsetzen, dass etwas gegen den permanenten Autobahnlärm unternommen wird.

Ausschuss diskutiert freiwilligen Lärmschutz

Der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt sich am Mittwoch, 26. Februar, mit zwei Anträgen zu zusätzlichem Lärmschutz entlang der A 33 in Hesseln.

In ihrem Bürgerantrag von Anfang Dezember bittet Kathrin Oetting-Damme darum, zu prüfen, ob „die Schaffung von zusätzlichem Lärmschutz für die Hesselner Bürger" möglich ist. Die Hesselnerin regt an, Flächen entlang der Trasse zu pachten und zu bewalden.

Die Grünen haben ebenfalls Anfang Dezember beantragt, dass die Stadt Halle „zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen an der Trasse der A 33 prüfen lässt. Als Begründung führt die Ratsfraktion an, dass Verkehrslärm eine Umweltbelastung sei und die Menschen auf Dauer krank mache. Zudem habe die Stadt in Künsebeck freiwillig einen Lärmschutzwall errichten lassen. In den Antrag heißt es: „Ob und wo sich wirksame und sinnvolle Lärmschutzmaßnahmen seitens der Stadt Halle errichten lassen, sollte dringend untersucht werden."

In ihrem Beschlussvorschlag für den Ausschuss regt die Verwaltung an, die Beratungs- und Begutachtungsgesellschaft Akus zu beauftragen, „eine lärmtechnische Untersuchung zur Verbesserung der Lärmimmissionen der A 33 im Ortsteil Hesseln durchzuführen". Darüber hinaus regt die Stadt an, „mit den Grundstückseigentümern zwischen der A 33 und dem Ortsteil Hesseln Gespräche zu führen, ob Flächen für Lärmschutzmaßnahmen oder Aufforstung zur Verfügung stehen".

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