20.000 Euro für nichts? Unbekannte Brücke in Halle soll erneuert werden

Bisher hat eine seit 2006 im Wald versteckte Holzbrücke am Laibachhof kaum jemand benutzt. Nun soll aber für 20.000 Euro ein neuer Übergang gebaut werden.

Uwe Pollmeier

Brücke über den Laibach am Heuweg neben dem Laibach-Hof - © Uwe Pollmeier
Brücke über den Laibach am Heuweg neben dem Laibach-Hof (© Uwe Pollmeier)

Halle-Bokel. Die etwa 120 Zentimeter breite Fußbrücke neben dem Laibachhof, die den Heuweg mit der Tiegstraße verbindet, ist vor einigen Wochen mangels Verkehrssicherheit von der Stadtverwaltung gesperrt worden. Nun hat der Bauausschuss beschlossen, die Brücke zu erneuern, was mit Kosten von rund 20.000 Euro verbunden ist.

Der Weg diene, so ist der Ausschussunterlage aus dem vergangenen Dezember zu entnehmen, als „Spaziergehweg entlang einer schönen Allee“. Das Problem ist nur, dass diese idyllische Wanderstrecke bisher wohl kaum jemandem bewusst gewesen ist.

„Uns war diese Brücke vorher gar nicht bekannt“, sagt Katrin Boidol vom Heimatverein Bokel. „Der Weg gehört der Stadt, wird aber leider nicht gepflegt“, sagt Boidol. Daher sei auch für Außenstehende gar nicht erkennbar, dass hier ein Wanderweg entlangführe. Ein derzeit offenbar vom Team des Laibachhofs aufgestelltes Schild, auf dem der Hinweis steht, dass Äste herabfallen könnten, erwecke den Eindruck, dass der Weg gesperrt sei, und dass es sich um einen Privatweg handele.

Bauausschuss spricht sich für Neubau aus

„Es ist wichtig, dass solche Wege auch genutzt werden, aber dazu müssen sie auch deutlich gekennzeichnet werden. Das ist unser Ziel“, sagt Boidol. Die Gegend mit vielen Naturschutzgebieten sei sehr schön, aber man müsste sie halt kennen, um dorthin zu gelangen.

„Wäre die Brücke weg, wäre das vielleicht auch das Ende für den Wanderweg“, sagt Boidol. Zwar gibt es nur wenige Meter weiter eine Möglichkeit, den Laibach zu überqueren, jedoch müsste man dafür über das Privatgelände der Vereins Odilia gehen. Alternativ könnte man aber auch in die andere Richtung wandern und dann problemlos und ohne Bachüberquerung auf die Tiegstraße gelangen. Sicher ist aber, so hat der Verein vorab der Stadt mitgeteilt, dass die Brücke, welche die aus Bokel kommende Tiegstraße mit der Kölkebecker Straße verbindet, nicht zwingend benötigt würde, da ja eine andere Brücke auf dem Grundstück vorhanden sei. Diese alternative Wegeverbindung ist auch Manfred Stockhecke aufgefallen.

„Muss es denn wirklich eine Brücke für 20.000 Euro sein. Rund 100 Meter weiter kann man doch über den Bach kommen“, äußerte das UWG-Mitglied in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses seine Bedenken. Er enthielt sich daher bei der Abstimmung. Da jedoch die übrigen zehn Ausschussmitglieder für den Brückenneubau stimmten, wird es in absehbarer Zeit wohl auch dazu kommen.

Sicher ist auch, dass die Brücke lediglich für Fußgänger und Radfahrer, nicht aber für Autos passierbar sein wird. Auf der anderen Seite der Brücke steht übrigens ein alter Kotten, der bis zum August 2018 als Lager genutzt wurde. Danach zerstörte ein Brand das alte Haus, an dem der Wanderweg entlangführt. Der Sachschaden wurde damals auf rund 25.000 Euro geschätzt.

„Da die Brücke nicht verkehrssicher ist, haben wir nur die Wahl, sie abzureißen oder neu zu bauen“, erklärt Eckhard Hoffmann vom Bauamt der Stadt. Da es sowohl gute Argumente dafür und dagegen gebe, habe man die politische Entscheidung gewählt. Eine entsprechende Beschilderung der Wege sei aber nicht geplant.

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