Zu vertrauensselig: 20-Jähriger hilft einem Bekannten beim Internetbetrug

Der junge Kontoinhaber kommt mit einem blauen Auge davon. Der Haupttäter sitzt für mehrere Jahre ein.

Herbert Gontek

Symbolbild Gericht - © CC0 Pixabay
Symbolbild Gericht (© CC0 Pixabay)

Halle. „Ich habe nicht einmal die vereinbarten 50 Euro bekommen", erinnerte sich jetzt ein 20-jähriger Angeklagter. Er war beschuldigt, zusammen mit einem Bekannten knapp 10.000 Euro ergaunert zu haben. Für diese Aktion stellte der 20-Jährige sein Konto zur Verfügung. Der zur Tatzeit Jugendliche schilderte vor Gericht, dass er den Haupttäter kennen gelernt hatte, der ihm erzählte, dass er aus dem Knast komme und deswegen kein Konto erhalte. Er benötige aber eines, um seine Arbeitslosenunterstützung empfangen zu können.

„Ich hatte noch ein Konto bei der Kreissparkasse, das ich nicht mehr brauchte", bestätigte der 20-Jährige. Was er zunächst nicht wusste: Der neue Bekannte setzte dieses Konto für Internetbetrügereien ein. Er bot in Portalen Autoreifen, Thermomixe und andere teure Gerätschaften an. Die Kunden leisteten Vorkasse auf das Konto des jungen Angeklagten, erhielten aber keine Gegenleistung. So kamen in kurzer Zeit knapp 10.000 Euro zusammen.

„Vor uns sitzt kein abgebrühter Ganove"

„Ja, irgendwann wurde mir klar, worauf ich mich eingelassen hatte, aber der Bekannte drohte mir, wenn ich aussteigen würde." Der Schwarzgeld-Revision der Kreissparkasse entgingen die merkwürdigen Zahlungen nicht. Darauf angesprochen, packte der junge Mann sofort aus. So konnten Teile der Beute gerettet und den geprellten Menschen zurückgezahlt werden.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe schilderte die familiären Verhältnisse, in denen er sich nicht optimal entwickelt habe. Er sei antriebslos, konfliktscheu und ziellos. Außerdem schiebe er einen größeren Schuldenberg vor sich her, der aus der Tatsache resultiere, dass er in seiner Gutmütigkeit mehreren Bekannten für ein Wochenende seine Wohnung überlassen habe. Bei der dann veranstalteten Party sei das Appartement „zerlegt" worden, schilderte der Sozialberater.

„Vor uns sitzt kein abgebrühter Ganove, sondern ein eher depressiver junger Mann, der endlich auf die richtige Spur des Lebens gebracht werden muss", fand die Staatsanwältin. Sie empfahl dem Gericht eine Strafe von 60 Sozialstunden, eine einjährige Betreuung und drei Sitzungen, um ein neues Lebenskonzept zu erarbeiten und anzugehen. Diesen Vorstellungen schloss sich der Richter in seinem Urteil an. Der Haupttäter, damals stand er unter Bewährung, wurde nach dem umfangreichen Betrug zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

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