Gerry Weber: Rote Zahlen bis ins nächste Jahr

Die Vorstände des Haller Modeunternehmens präsentieren sich optimistisch. Die neue Kollektion soll die endgültige Wende bringen. Mit Gewinnen rechnen sie aber erst im nächsten Jahr.

Stefan Schelp

Die Zukunft für Gerry Weber sieht etwas heller aus. - © Nicole Donath
Die Zukunft für Gerry Weber sieht etwas heller aus. (© Nicole Donath)

Halle. Kurz nach dem Neustart gibt sich das Führungsteam des Haller Modeunternehmens Gerry Weber optimistischer denn je. „Wir starten mit einer verjüngten Kollektion, einem ausgedünnten Filialnetz und weniger Kosten ins Geschäft", erklärt Vorstandschef Johannes Ehling im Handelsblatt.

Zum ersten Mal seit der Insolvenz muss der Vorstand Ende Januar Farbe bekennen, dann legt der Konzern seine Bilanz vor. In den vergangenen Monaten hatte sich Gerry Weber mit Verweis auf das laufende Verfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung davon befreien lassen.

Eine der Baustellen ist das in der Vergangenheit vernachlässigte Online-Geschäft. Gerry Weber war hier erst spät mit einer reinen Online-Marke "Grateful" eingestiegen, hatte hier eine Millionensumme investiert und das Label dann kurz darauf unter Verweis auf die hohen Kosten wieder eingestellt. Mithin ist das Onlinegeschäft mit einem Anteil von sieben Prozent vom Umsatz im Vergleich zu Mitbewerbern ziemlich klein. Große Sprünge seien auch in den kommenden Jahren nicht möglich, sagt Ehling. Er wolle im Rahmen des Vierjahresplans bis 2023 den Anteil signifikant steigern. Genauer wird er nicht.

Mehr als 150 Filialen geschlossen

Auch die Umsatzzahlen dürften kaum in neue Höhen klettern. Schließlich hat das Unternehmen bis auf einen Minderheitenanteil seine Tochter Hallhuber verkauft und mehr als 150 Filialen geschlossen. Diese Zahl nennt Restruktuierungsvorstand Florian Frank. Geschlossen hatte das Unternehmen unter anderem die Geschäfte in Bielefeld. Bis 2021 soll das Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen. Das hatte der Vorstand mehrfach erklärt. Bis dahin könnte auch der restliche Anteil an Hallhuber sowie das völlig überdimensionierte Logistik-Zentrum im Haller Gewerbegebiet "Ravenna Park" verkauft sein.

Im Auslandsgeschäft wolle sich Gerry Weber weiter auf Österreich, die Schweiz und die Benelux-Staaten konzentrieren, erklärt Ehling. Der Verkauf über eigene Filialen soll sich mit dem über Handelspartner die Waage halten. Nicht nur in den eigenen Läden, auch auf den Verkaufsflächen in Kaufhäusern hatte das Modeunternehmen starke Abstriche hinnehmen müssen.

Erstmal kein weiterer Stellenabbau

Dagegen soll die Zeit des Stellenabbaus erst einmal vorbei sein, sagt Frank. Die Personalstruktur sei nun gesund, erklärte er dem Handelsblatt. Weitere Entlassungen seien nicht geplant. Zuletzt hatte das Unternehmen allein in der Zentrale noch einmal 39 Stellen abgebaut.

Wie berichtet, wollte der Konzern insgesamt 145 Vollzeitstellen am Stammsitz streichen. Da viele Beschäftigte eine Teilzeitstelle haben, wurde mit 300 Entlassungen gerechnet. Doch viele Arbeitskräfte haben nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden das Unternehmen schon vorher freiwillig verlassen. In den Filialen sollten mehr als 300 Stellen abgebaut werden.

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