Trotz A33-Lückenschluss: Mehr Verkehr auf der B 68 als erwartet

Heiko Kaiser

Auch nach dem Lückenschluss hat der Verkehr in der Ortsdurchfahrt nur unwesentlich nachgelassen. Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Auch nach dem Lückenschluss hat der Verkehr in der Ortsdurchfahrt nur unwesentlich nachgelassen. Foto: Uwe Pollmeier (© Uwe Pollmeier)

Halle. Die Zahlen sind verblüffend. Wenige Wochen nach der Freigabe des Autobahnteilstücks zwischen Halle und Borgholzhausen hat der Kreis Gütersloh das Verkehrsaufkommen auf der B 68 ermittelt. Dabei kam heraus, dass die Zahl der Fahrzeuge messstellenabhängig nur um 13 und 18 Prozent zurückgegangen ist. Deutlich weniger, als Politiker und Experten zuvor erwartet und versprochen hatten. In einem Interview hatte zum Beispiel Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann spekuliert, dass der Verkehr auf der B 68 nur noch ein Drittel des früheren Aufkommens betrage. Eine offensichtlich falsche Einschätzung.

Wählen die Menschen aus Gewohnheit den bekannten Weg?

So sank die Zahl der Fahrzeuge an der Messstelle in Höhe des Autohauses Orth und Nagel von 15.748 pro Tag vor dem Lückenschluss auf 13.275 (minus 15 Prozent). In Höhe des Amtsgerichts ging der Verkehr um 13 Prozent von 11.860 auf 10.235 Fahrzeuge zurück. Immerhin 18 Prozent weniger Verkehr wurde an der Einmündung am Laibach gemessen (9.028/7.344).

Kommentar

Die Krankheit schreitet voran

Manches Sprichwort gehört abgeschafft. „Es muss erst schlimmer werden, damit es besser wird" hat Halles Bürgermeisterin mit Blick auf den Autobahnbau stets gesagt. Es ist schlimmer geworden. Doch ist es nun besser? Zumindest nicht so gut, wie es jahrelang versprochen wurde. Das zumindest besagen die jüngsten Verkehrsmessungen. Schlimmer geworden ist es mit Sicherheit auf der Alleestraße, für viele im Lärmkegel der Autobahn und für die Umwelt. Ist die Autobahn also ein Segen für Halle? Sie ist und bleibt ein notwendiges Übel. Notwendig für die einen, übel für die anderen. Man muss sich daher fragen, ob diese Lösung tatsächlich alternativlos war. Sie ist es, wenn wir nur in alten, gewohnten Strukturen denken. Wenn wir den Autoverkehr als feste Konstante einbringen und es nicht schaffen, über alternative Konzepte nachzudenken. Die ermüdenden Diskussionen über Tempo 30 oder Tempo 50 kurieren an Symptomen. Die eigentliche Krankheit schreitet derweil voran. Die Übermotorisierung der Gesellschaft. Aber vielleicht muss es ja noch schlimmer werden, damit es besser wird.

Auch Bernhard Riepe, zuständiger Fachbereichsleiter für die Verkehrslenkung beim Kreis Gütersloh, zeigte sich überrascht von den ermittelten Zahlen und kündigte an, in den kommenden Monaten weitere Zählungen vornehmen zu wollen. „Möglicherweise liegt der geringe Rückgang daran, dass viele Menschen aus Gewohnheit noch den alten Weg wählen. Aber das ist nur reine Spekulation", sagt Riepe. Eine große Entlastung der B 68 habe es lediglich mit der Auslagerung des Schwerlastverkehrs vor einigen Jahren gegeben. Um genaue Kenntnisse für die hohe Belastung der Ortseinfahrt zu gewinnen, müsste nach Ansicht von Riepe genau analysiert werden, von wo welche Fahrzeuge kommen und mit welchem Ziel sie die B 68 benutzen. Zudem müsste ermittelt werden, in welchen Gebieten der Stadt es eine besonders hohe Zahl an Fahrzeugen gebe.

Subjektiv, darauf lassen Äußerungen in den sozialen Netzwerken schließen, beschränkt sich die weiter hohe Belastung der Bundesstraße auf die Haller Ortsdurchfahrt, während die Strecke zwischen Halle und Borgholzhausen sowie zwischen Halle und Bielefeld deutlich entlastet scheint.

Auf 100 Einwohner kommen 72 Fahrzeuge

Bernhard Riepe vermutet, dass das hohe Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt auf den Pendlerverkehr von und zu Arbeitsstätten, Schulen, Dienstleistern und Geschäften zu erklären ist. Es ist also hausgemacht.

Derzeit sind in Halle 13.676 Pkw, 790 Lkw, 1.087 Mopeds und Motorräder sowie vier Busse angemeldet. Das bedeutet: Auf 100 Einwohner, einschließlich Kinder, kommen 72 Fahrzeuge. Der Traum von einer verkehrsberuhigten Zone, ähnlich wie in Dissen scheint in Halle nicht realisierbar „Man kann die beiden Orte nicht miteinander vergleichen", sagt Riepe. Dazu fehle Halle eine Umgehungsstraße.

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