Vier Haller Abiturienten erleben die Schönheit und Katastrophen Australiens

Atemberaubende Landschaften, freundliche Menschen und beste Voraussetzungen für Backpacker waren Gründe, warum Timo Heidebruch Australien bereisen wollte. Aber unbeschwert ist die Zeit nun nicht.

Nicole Donath

Vier Haller in Sydney: Timo Heidebruch, Erik Stoppenbrink, Luis Brickenkamp und Frederik Lüdorff (von links) trafen sich auf ihrer Rundreise in der Millionenmetropole an der Ostküste. - © Timo Heidebruch
Vier Haller in Sydney: Timo Heidebruch, Erik Stoppenbrink, Luis Brickenkamp und Frederik Lüdorff (von links) trafen sich auf ihrer Rundreise in der Millionenmetropole an der Ostküste. (© Timo Heidebruch)

Halle/Sydney. Ungezügelt breiten sich die Flammen entlang der Ostküste aus. Eine Fläche, größer als die Niederlande, ist mittlerweile verbrannt – vor allem die Staaten New South Wales und Victoria sind von der Katastrophe betroffen. Mindestens 27 Menschen wurden bislang Opfer der Flammen und nach aktuellen Schätzungen verloren schon über 1,25 Milliarden Tiere ihr Leben. Seit November sind Timo Heidebruch und Luis Brickenkamp nun in Australien unterwegs. Und ihr Ziel war es ausgerechnet, die gesamte Ostküste zu bereisen.

„Wir haben unseren Plan trotz der Umstände umgesetzt: Wir waren an der Ostküste unterwegs und haben während dieser Zeit schon viele verschiedene Orte kennen gelernt", berichtet Timo Heidebruch. „Die Landschaft ist traumhaft schön und die größeren Städte sehr spannend", sagt der 19-Jährige. Da die beiden Haller im Norden Australiens gestartet waren, hatten sie zunächst nur wenig von den verheerenden Bränden mitbekommen.

"Wir haben zuerst nur einzelne Buschfeuer gesehen"

Im Landesinnern wie hier in Wagga Wagga ist die Luft von den Bränden rot, braun und orange gefärbt. - © Timo Heidebruch
Im Landesinnern wie hier in Wagga Wagga ist die Luft von den Bränden rot, braun und orange gefärbt. (© Timo Heidebruch)

„Natürlich haben wir vereinzelt kleinere Buschfeuer gesehen. Die waren aber nicht so groß und zudem unter Kontrolle", blickt Timo Heidebruch auf die ersten Wochen ihres Aufenthalts in Down Under zurück. „Aber nachdem wir jetzt in New South Wales angekommen sind, sieht das alles schon anders aus. Denn hier befinden sich aktuell eben die meisten Buschfeuer."

Trotz der verheerenden Brände gibt es auch schöne Momente. - © Timo Heidebruch
Trotz der verheerenden Brände gibt es auch schöne Momente. (© Timo Heidebruch)

Zurzeit wohnen die beiden Abiturienten in der Millionenmetropole Sydney und haben hier zwei weitere Freunde aus Halle getroffen: Erik Stoppenbrink und Frederik Lüdorff. Gemeinsam haben sie Silvester gefeiert und Touren zu den Figure Eight Pools und den Blue Mountains unternommen. Oder sich einfach mal so verabredet. Jetzt gehen die vier wieder getrennte Wege: Stoppenbrink und Lüdorff reisen die Ostküste weiter hoch gen Norden, Heidebruch und Brickenkamp machen sich Ende Januar wieder auf den Weg nach Hause. Sehr zur Freude ihrer Eltern und Freunde in der Heimat übrigens, die sich durchaus Sorgen machen und regelmäßig erkundigen, ob die Jungs nicht womöglich doch in Gefahr geraten sind.

"Man sieht nur ab und zu Menschen mit Schutzmasken"

Nachdem die Abiturienten die Ostküste bereist haben, landeten sie in Sydney und haben, wie hier im Bild, die Harbour Bridge gesehen. - © Timo Heidebruch
Nachdem die Abiturienten die Ostküste bereist haben, landeten sie in Sydney und haben, wie hier im Bild, die Harbour Bridge gesehen. (© Timo Heidebruch)

„Hier in Sydney sieht man an manchen Tagen sehr viel Rauch in und über der Stadt", erzählt Timo Heidebruch über die aktuelle Situation. „Das variiert aber oftmals. Wenn der Wind passend steht, ist der Himmel manchmal sogar klar beziehungsweise nur bewölkt, und es ist kaum Rauch zu sehen." Man merke zwar, dass es brennt, und man rieche es auch, fährt er dann fort. „Aber man merkt in Sydney nicht direkt, dass die Situation gerade eskaliert, und die Brände nicht mit denen in der Vergangenheit zu vergleichen sind." Allerdings liefen nicht – wie in verschiedenen Medien beschrieben – sehr viele Menschen mit Schutzmasken in Sydney herum. „Nur an Tagen, an denen sehr viel Rauch in der Stadt ist, sieht man ab und zu Menschen mit Schutzmaske."

In einem Punkt ist Timo Heidebruch ganz ehrlich: „Mit Umweltthemen rund um Australien hatten wir uns vor der Reise eher weniger auseinandergesetzt. Höchstens so grundlegende Aspekte wie der Frage nach den heißesten Monaten. Aber die Brände haben uns definitiv gezeigt, was durch den Klimawandel ausgelöst wird. Und natürlich ist die Befürchtung da, dass alles in den nächsten Jahren noch viel schlimmer werden und der Mensch es nicht mehr stoppen kann."

Touren nur, wenn die Beiträge gespendet werden

Betroffen zeigen sich Timo Heidebruch und Luis Brickenkamp auch von den Instagramstorys ihrer neuen Freunde, die sie in Australien kennen gelernt haben: „Auf den Bildern sieht man richtig, wie heftig die Feuer doch sind. Zum Beispiel in der Stadt Wagga Wagga, etwa fünf Stunden Autofahrt von Sydney entfernt, wurden in den vergangenen Wochen über 42 Grad Celsius gemessen. Und auch auf den Videos sieht man die ganze Stadt in Rauch gehüllt." Das Licht dort sei durch den Rauch orange, braun und rot gefärbt und man könne nur etwa 100 Meter weit schauen.

Die Hilfe der Haller für Australien in Not sieht dabei so aus, dass sie sich jene Touren ausgesucht haben, bei denen die Beiträge anschließend gespendet wurden. „Da haben wir natürlich mitgeholfen. Ebenso mit weiteren Spenden." Und nach ihrer Rückkehr, so viel steht fest, werden sie diese Not nicht beiseite schieben, sondern weiter die Spendentrommel rühren – und dem Thema Klimawandel einen neuen Stellenwert einräumen.

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