Mitten in der City: Was passiert mit diesem Haller Grundstück in Toplage?

Die rechte Herzhälfte der Haller Innenstadt gilt seit Jahren als eine der ungenutzten Visitenkarten des Stadtbildes. Doch nach dem Aus für einen Aldi-Neubau hat sich nun eine vielversprechende Umgestaltungslösung ergeben.

Uwe Pollmeier

Im Idealfall könnte in Einzelabschnitten diese Gesamtfläche neu geplant werden. Neben großen Grünflächen gibt es auch viele Aufenthaltsbereiche für Fußgänger und Radfahrer (gelb markiert). Beim amöbenförmigen Bau am unteren Bildrand könnte, so Stadtplaner Roger Loh, eine „progressive Architektur“ angewandt werden. grafik: Tischmann Loh Stadtplaner - © Tischmann Loh Stadtplaner
Im Idealfall könnte in Einzelabschnitten diese Gesamtfläche neu geplant werden. Neben großen Grünflächen gibt es auch viele Aufenthaltsbereiche für Fußgänger und Radfahrer (gelb markiert). Beim amöbenförmigen Bau am unteren Bildrand könnte, so Stadtplaner Roger Loh, eine „progressive Architektur“ angewandt werden. grafik: Tischmann Loh Stadtplaner (© Tischmann Loh Stadtplaner)

Halle. In den vergangenen Jahren hat es bereits einige Überlegungen gegeben, wie der Bereich zwischen Rosenstraße, Martin-Luther-Straße, Polizeiwache und dem Medizinischen Versorgungszentrum des Zahnarztes Dr. Thorsten Ideke, gestaltet werden kann. Politik und Verwaltung suchen seit Jahren die bestmögliche Gestaltung für das Grundstück in Toplage. Nun zeichnet sich eine Lösung ab, die im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss auf breite Zustimmung traf.

Dass nun wieder Bewegung in die Sache kommt, ist auf konstruktive Gespräche der Stadt mit den beiden Grundstückseigentümern zurückzuführen. War man sich lange uneinig, so herrscht nun offenbar Konsens hinsichtlich der zukünftigen Gestaltung. „Dass wir schon so lange darüber reden, zeigt, wie dick das Brett ist, das wir durchbohren wollen", sagte Stadtplaner Roger Loh bei der Vorstellung der aktuellen Planung. Diese beinhaltet bis zu 13 zweieinhalb- oder dreieinhalb-geschossige Wohnhäuser, in denen auch wohnverträgliches Gewerbe angesiedelt werden kann. „Dazu zählen kleine Gastronomiebetriebe, Steuerberater oder auch kleine Einzelhändler", erklärte Loh.

Ein wichtiges Element bleibt auch in der neuen Planung die Fußwegbeziehung zum Ronchin-Platz. „Diese machen wir noch breiter und attraktiver", erklärte Loh. Vorteilhaft sind die flexiblen Bauabschnitte, die im Prinzip die Fläche des Möbelhauses Vollmer, die beiden langgezogenen Flächen der Grundstückseigentümer und die jetzigen Parkflächen umfassen. Unabhängig voneinander könnten sie in aller Ruhe umgesetzt werden. Nach und nach oder auch nur teilweise. „Diese Planung hat viel Charme. Ich sehe da eine sehr schöne Lösung für die Innenstadt", sagte die Ausschussvorsitzende Ulrike Sommer.

Seit fast sechs Jahren ein Thema

Zum ersten Mal war das Areal bereits Anfang 2014 Thema im Ausschuss, allerdings konnten die damaligen Überlegungen nicht überzeugen. Ebenso gescheitert ist die Idee, einen Aldi-Markt in der rechten Herzhälfte anzusiedeln. Erst vor einem Jahr im Ratssaal vorgestellt, geriet die Idee schnell in Vergessenheit und auch der Discounterriese fand bald mehr Gefallen an einer möglichen Neubaulösung gegenüber dem aktuellen Standort an der Masch.

Sollte das Gesamtprojekt realisiert werden, bedeutet dies, dass die derzeit 93 Parkplätze bis auf wenige Reststellflächen Geschichte sind. „Ich schätze grob, dass nur etwa 15 Außenplätze bestehen bleiben", sagte Loh. Sowohl der Bau eines dreigeschossigen Parkhauses als auch der einer großflächigen Tiefgarage mit einer Parkebene würde sich jedoch die Gesamtzahl der Parkplätze im Vergleich zum jetzigen Zustand deutlich erhöhen. „Aus städtebaulicher Sicht empfehle ich eine Tiefgarage. Hier geht es schließlich um die Potenzialfläche in der Stadt und nicht um eine Fläche am Rande eines Gewerbegebietes", sagte Loh. „Das ist der wertvollste Bereich, den wir in der Stadt haben", stimmte Bauamtsleiter Jürgen Keil dem Vorschlag des Planers zu. „Wenn nicht hier, wo wollen wir dann Tiefgaragen bauen?", fragte Keil rhetorisch.

„Ich bin etwas besorgt. Stellplätze in Tiefgaragen kosten viel Geld. Ist dann der Wohnraum noch bezahlbar?", fragte Wolfgang Schulz (CDU). Dennoch sei er beeindruckt von der Planung und insbesondere von der Möglichkeit, abschnittsweise vorzugehen.

Diese beiden langgezogenen und durch einen Bretterzaun getrennten Grundstücke zwischen dem Parkplatz und dem Möbelhaus Vollmer sind Kernstück der Planung. Die Eigentümer haben nun nach vielen Jahren eine einvernehmliche Lösung gefunden. Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Diese beiden langgezogenen und durch einen Bretterzaun getrennten Grundstücke zwischen dem Parkplatz und dem Möbelhaus Vollmer sind Kernstück der Planung. Die Eigentümer haben nun nach vielen Jahren eine einvernehmliche Lösung gefunden. Foto: Uwe Pollmeier (© Uwe Pollmeier)

„Wir begrüßen es sehr, dass die Grundstückseigentümer mitmachen und wir somit etwas entwickeln können", sagte Ulrike Sommer (SPD). „Ich bewerte dies sehr positiv, wir können erfreut in die Zukunft blicken", sagte Jochen Stoppenbrink, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Und Manfred Stockhecke ergänzte für die UWG, dass „diese Option deutlich besser ist als die bisherigen Vorschläge".

„Die Eigentümer sind willens, sich gute Architekten zu suchen", sagte Loh und zeigte sich somit zuversichtlich, dass auf dem letzten Filetstück der City etwas Tolles entstehen könne. Nun beraten die Fraktionen, ob diese Planung wirklich die Lösung darstellt.

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