Mutter und Sohn nach fünf Jahren Trennung wiedervereint

Kerstin Spieker

Viel Platz haben Shiraz Mesto und ihr 18-jähriger Sohn Kamal Inalo nicht im Zimmer in der Haller Asylbewerberunterkunft. Vielleicht reicht es in Zukunft auch mal für eine kleine Wohnung mit etwas mehr Privatsphäre für die Bewohner. - © Kerstin Spieker
Viel Platz haben Shiraz Mesto und ihr 18-jähriger Sohn Kamal Inalo nicht im Zimmer in der Haller Asylbewerberunterkunft. Vielleicht reicht es in Zukunft auch mal für eine kleine Wohnung mit etwas mehr Privatsphäre für die Bewohner. (© Kerstin Spieker)

Halle. Kamal Inalo strahlt übers ganze Gesicht. Man sieht ihm an, dass etwas anders geworden ist in seinem Leben. Als er Mitte Oktober zum ersten Mal in der Redaktion des Haller Kreisblattes saß, um seine Geschichte zu erzählen, wirkte er bedrückt, lächelte nur selten. Als 13-Jähriger war der junge Syrer begleitet von einer Tante 2014 nach Deutschland geflüchtet. Nach fünf Jahren der Trennung durfte seine Mutter Shiraz Mesto ihm im Februar nach Deutschland folgen, war aber von den zuständigen Behörden im knapp 100 Kilometer entfernten Wickede untergebracht worden. Jetzt ist sie hier bei ihm in Halle.

„Und jetzt ist alles anders", freut sich der 18-Jährige. Seine Mutter und er teilen sich ein kleines Zimmer in der Asylbewerberunterkunft. „Und es ist jetzt immer alles sauber und aufgeräumt", sagt Kamal Inalo. Er genießt die mütterliche Fürsorge sichtlich, hat sogar schon ein bisschen zugenommen. Jeden Morgen weckt ihn seine Mutter jetzt, damit er pünktlich an seinem Ausbildungsplatz beim Wertheraner Malerfachbetrieb Lieneweg ankommt. Und wenn er abends müde nach Hause zurückkehrt, steht das Essen schon auf dem Tisch.

Fünf Jahre musste der junge Mann warten, bis er im Februar seine Mutter endlich wieder in die Arme schließen konnte. Sein Antrag auf Familiennachzug war überraschend doch noch genehmigt worden, obwohl er in der Zwischenzeit volljährig geworden war und sein Anspruch auf den Nachzug damit eigentlich erloschen war. Das ist auch der Grund dafür, dass seine Mutter in ein eigenes Asylverfahren einsteigen musste und der Erstaufnahmestelle Wickede zugewiesen wurde.

„Sie auf dem Mond wohnen können"

Malermeisterin Sarah Kuklinski und ihr Lebenspartner Florian Gahlstorf machten sich hinter den Kulissen dafür stark, dass Shiraz Mesto so schnell wie möglich zu ihrem Sohn nach Halle ziehen konnte. „Bei fast 100 Kilometern Entfernung hätte sie für Kamal genauso gut auf dem Mond wohnen können", sagte Florian Gahlstorf. Wie hätte der Auszubildende mit seinen finanziellen Mitteln und neben der Arbeit die Fahrten nach Wickede bewerkstelligen sollen. „Und ich bin überzeugt, dass Familiennachzug auch Familienzusammenführung meint", so Gahlstorf.

Das Helferteam Kuklinski /Gahlstorf ließ nicht locker. Und seit dem 20. November ist Shiraz Mesto nun endlich offiziell in Halle gemeldet. Bescheiden ist die Unterkunft, die Mutter und Sohn zusammen bewohnen. Für jeden ein Bett, ein Tisch mit Stühlen, Schrank, Kühlschrank und Fernseher. Shiraz Mesto erledigt tagsüber den Haushalt, trifft andere Frauen aus der alten Heimat und besucht sogar schon einen ersten Deutschkurs. Das Einkaufen erledigt sie allein.

In der Gemeinschaftsküche bereitet Shiraz Mesto das Essen für ihren Sohn. Der genießt die mütterliche Fürsorge. - © Kerstin Spieker, HK
In der Gemeinschaftsküche bereitet Shiraz Mesto das Essen für ihren Sohn. Der genießt die mütterliche Fürsorge. (© Kerstin Spieker, HK)

Sie lächelt viel, bis das Gespräch auf das Thema Heimweh kommt. Da laufen ihr die Tränen übers Gesicht. In Aleppo, da ist nicht nur ihr Ehemann und Vater von Kamal zurückgeblieben. Auch die 20- und 13-jährigen Töchter sowie der 16-jährige Sohn sind noch dort. Die Mutter hat gesehen, was ihr Sohn Kamal sich hier erarbeitet hat, ist stolz darauf. Jetzt wünscht sie sich auch für ihre anderen Kinder, dass sie nach den vielen Kriegsjahren wieder eine Schule besuchen können, einen Beruf erlernen. Sooft es geht, telefoniert sie abends mit ihnen – wenn es Aleppo Strom gibt.

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