Freie Bahn: A33 ist auf ganzer Länge befahrbar

Markante Reden und Live-Bilder vom Start der ersten Autokolonne in Richtung Halle, die ins Festzelt übertragen wurden – es fehlte an nichts bei der großen Einweihungsparty für die Autobahn. Außer vielleicht an der Stimmung an diesem so lang erwarteten Tag.

Andreas Großpietsch

Wolf D. Meier-Scheuven (IHK-Präsident, von links), Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann, Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, Enak Ferlemann (Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums), Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Landrat Sven-Georg Adenauer, Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann und Straßen.NRW-Niederlassungsleiter Andreas Meyer. - © Frank Jasper
Wolf D. Meier-Scheuven (IHK-Präsident, von links), Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann, Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, Enak Ferlemann (Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums), Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Landrat Sven-Georg Adenauer, Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann und Straßen.NRW-Niederlassungsleiter Andreas Meyer. (© Frank Jasper)

Borgholzhausen/Halle. Als vor fast 20 Jahren ganz in der Nähe das Autobahnteilstück von Dissen nach Borgholzhausen freigegeben wurde, war das ganz anders. Damals nutzten sowohl Gegner als Befürworter der Autobahn die Gelegenheit, für ihre Anliegen zu werben. Die Stimmung war auf beiden Seiten kämpferisch, das Polizeiaufgebot hoch, weil handfestere Auseinandersetzungen zumindest nicht ausgeschlossen schienen.

Am Montag waren nur wenige uniformierte Ordnungshüter zu sehen. Und die beschäftigten sich vor allem damit, den Verkehr zu regeln. Was angesichts des planvollen Durcheinanders von wegzuräumenden Warnbaken, anreisenden A 33-Freigebern und vorbeifahrender Verkehrsteilnehmer keine ganz einfache Sache war.

Autobahneröffnung

An den Rednern des Tages lag es allerdings auch nicht, dass im Festzelt neben der Autobahn eben kein rauschendes Fest gefeiert wurde. Und auch nicht an der Bewirtung – Bratwurst und Bier hätten auch noch für wesentlich mehr Menschen gereicht. Selbst der Segen des Herrn war organisiert und wurde von Dechant Josef Dieste und Pastor Christian Eckey überbracht. „Wir Christen glauben, dass wir auf Gottes Geleit angewiesen sind", formulierte Eckey betont vorsichtig.

Minister dankt Landwirten für Flächen

Deutlicher wurde da schon Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. Er dankte den Bauern, die für die Autobahn ihre Flächen abgeben mussten. „Sie können sicher sein, dass es für eine gute Sache ist", befand er. Und auch Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium betonte die positiven Seiten, erinnerte an die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen, aber auch an die heute fast vergessenen Schwierigkeiten der Finanzierung.

Landrat Sven-Georg Adenauer befand, der Tag der Eröffnung sei „einer der schönsten Tage, die ich in meiner Amtszeit erleben durfte." Mehr Beifall im gut gefüllten Zelt löste allerdings sein Lob für Jens Kronsbein als Verfahrensleiter der Bezirksregierung in der Planfeststellung aus.

Das war eines der Details, die deutlich machten, dass an diesem Tag vor allem erfahrene A 33-Veteranen den Weg nach Borgholzhausen gefunden hatten. Bei nicht wenigen Amtsträgern fällt der Tag der Fertigstellung in die Nähe des Tages ihres Abschieds vom Beruf. Europageordneter Elmar Brok und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl waren die prominentesten in dieser Gruppe. Aber auch beim Landesbetrieb Straßen.NRW schließt sich manche Karriere mit der Fertigstellung der A 33. Insofern wehte auch ein Hauch von Abschied durchs Festzelt an der Autobahn.

Kommentar

Gebremste Euphorie

• Manchmal werden Dinge deutlicher, wenn man sich auf das konzentriert, was nicht da ist. Oder im Fall der A 33 daran, wer nicht da ist. Der NRW-Ministerpräsident und der Bundesverkehrsminister, bei der Freigabe in Steinhagen noch in der ersten Reihe, kamen am Montag nicht. Auch die Oberbürgermeister von Bielefeld und Osnabrück, den beiden konkurrierenden Oberzentren, die jetzt zu schnell erreichbaren Nachbarstädten geworden sind, waren nicht dabei, als das Band durchschnitten wurde.
Das kann alles Zufällen geschuldet sein. Das kann aber auch als Zeichen des politischen Instinkts der Ferngebliebenen gedeutet werden. Autobahnen sind als notwendig anerkannt, aber bei aller lobenswerten Planungskunst für immer weniger Menschen ein Grund zum Jubel als in früheren Zeiten. Glasfaserkabel und Stromleitungen, die möglichst störungsfrei für die künftigen Anlieger unterirdisch verlegt werden, liefern klar die besseren Bilder.
Auch bei den Menschen vor Ort scheint es ein Umdenken zu geben. Sehr gut besucht war der Autobahnlauf am Samstag, danach war der Strom der Neugierigen nicht besonders reißend. Die Zahl der vorhandenen Parkplätze war mehr als ausreichend.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die A 33 künftig leer bleiben wird. Denn Alternativen zum Autos sind weder im Personenverkehr und schon gar nicht beim Warentransport erkennbar.

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