A33-Lückenschluss: Eine Straße wird zur Schnappschuss-Zone

Volksfeststimmung: Morgens wird zunächst echter Sport geboten. Später üben sich die Besucher der Autobahn in einer anderen Disziplin. Himmlische Hilfe sollen alle gemeinsam jedoch erst Montag erhalten

Nicole Donath,Heiko Kaiser

Fotos unterm Ausfahrtsschild: Fast alle Besucherinnen und Besucher nutzten den A 33-Bürgertag, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Beliebtester Treffpunkt: die Ausfahrt. Foto: Nicole Donath - © Nicole Donath
Fotos unterm Ausfahrtsschild: Fast alle Besucherinnen und Besucher nutzten den A 33-Bürgertag, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Beliebtester Treffpunkt: die Ausfahrt. Foto: Nicole Donath (© Nicole Donath)

Halle/Borgholzhausen. Vier Grad, kräftiger Sprühregen. Für einen Morgen im November mag das vielleicht nichts Besonderes sein. Als perfekte Rahmenbedingung für ein Bürgerfest taugt diese Art von Wetter jedoch wenig. Entsprechend sorgenvoll schauten die Organisatoren auch immer wieder gen Himmel – und der hatte tatsächlich ein Einsehen: Als die mehr als tausend Läuferinnen und Läufer ab halb neun nach und nach zur Anschlussstelle Borgholzhausen reisten, ließ der Regen nach. Und eine halbe Stunde vor dem Start um 10 Uhr war es sogar gänzlich trocken.

Immer wieder klicken die Kameras

Bürgertag auf der A33

Nach den beiden Läufen über fünf und zehn Kilometer starteten erst viele der Sportler, später auch die übrigen Schaulustigen dann in einer ganz anderen Disziplin: Erinnerungsfotos knipsen. Zu den Motiven gehörten das Posen auf dem Mittelstreifen, freihändiges Fahren oder Balancieren auf der Trennmauer und – Bilder an der Ausfahrt. Die standen im Ranking mit Abstand ganz oben, zu Stoßzeiten bildeten sich sogar lange Warteschlangen, ehe unterm Schild – wahlweise als Gruppe mit dem obligatorischen Daumen hoch, hängend oder kniend – die Kamera auslöste.

Und auch an anderer Stelle war noch einmal Geduld gefragt: auf der B 68. Aufgrund der nötigen Umbauarbeiten parallel zur Westumgehung wurde der gesamte Verkehr am Wochenende wie früher durch die Stadt geleitet. Und das bedeutete Stau und noch mal Stau. Stop-and-go. Lkw im Begegnungsverkehr oder Autos auf Kreuzungen, die wiederum die Nerven der Fahrer in den Nebenstraßen strapazierten.

„Ich werde die Menschen segnen und nicht einfach den Asphalt“

Wenn am heutigen Montag dann ab 11 Uhr in einem feierlichen Akt die Autobahn 33 freigegeben wird, geht es auf der Strecke deutlich schneller zu. Und an dieser Stelle kommt, ähnlich wie Samstag, wieder die Hoffnung auf himmlische Unterstützung ins Spiel.

So wird auf Anregung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der aus Passau kommt, der neue Autobahnabschnitt kirchlich gesegnet. Für den katholischen Pfarrer Josef Dieste ist die Segnung einer Straße nichts Außergewöhnliches: „In Rietberg oder Wiedenbrück würde darüber gar nicht erst diskutiert“, sagt er. Im Altkreis allerdings ist es eher die Ausnahme, wenn Dinge wie eine Straße eine Segnung erfahren. „Das Jobcenter habe ich gemeinsam mit Superintendent Walter Hempelmann gesegnet“, erinnert sich Josef Dieste.

Während in der katholischen Kirche die Segnung von Dingen eine Tradition hat – im Benedictionale, dem Segensbuch sind auf 456 Seiten Segenssprüche für die unterschiedlichsten Anlässe aufgeführt, unter anderem für eine Straße –, kennt die evangelische Kirche nur die Segnung von Menschen. Dem Borgholzhausener Pastor Christian Eckey schwebt daher eine Aufgabenteilung vor: „Ich werde die Menschen segnen“, sagt er. Doch auch Pfarrer Josef Dieste segnet nicht einfach den Asphalt: „Der Segen ist ein Urbild. Es geht dabei auch mir um die Menschen, die diese Straße benutzen. Ihnen wünscht man mit dem Segen etwas Gutes“, erklärt er.

"Ich blicke nicht zurück"

Josef Dieste weiß natürlich um die kontroverse Diskussion über den Autobahnbau und setzt sich auch damit auseinander, dass einige Menschen nicht verstehen, warum diese Straße jetzt noch gesegnet wird. „Doch der Bau ist in einem demokratischen Prozess beschlossen worden. Ich blicke nicht zurück. So wie ich auch einen Menschen, den ich segne, nicht nach seiner Vergangenheit frage.“ Außerdem sei es schließlich sein Job, zu segnen. „Das wäre fast Berufsverweigerung, wenn ich ablehnen würde“, erklärt Joseph Dieste mit einem Lachen.

Erst Feier, dann Freigabe

Gegen 11 Uhr wird die offizielle Eröffnung im Festzelt stattfinden. Dazu werden unter anderem der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann und Verkehrsminister Hendrik Wüst erwartet. Um 12 Uhr soll dann die Fahrspur von Borgholzhausen Richtung Halle, gegen 15 Uhr die Fahrspur von Halle Richtung Borgholzhausen für den Verkehr freigegeben werden.

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