Der perfekte Verkehrsfluss: Was ist an der Lange Straße machbar?

Verkehrs- und Stadtplaner stellen im Hauptausschuss die Pläne für den zukünftigen Verkehrsfluss im Stadtzentrum vor. Den geplanten Kreisverkehren stehen jedoch noch Immobilien und Bäume im Weg

Uwe Pollmeier

Für einen Kreisverkehr an der Wertherstraße müssten entweder die Bäume links und rechts im Bild oder aber das in der Bildmitte zu sehende Fachwerkhaus verschwinden. - © Uwe Pollmeier
Für einen Kreisverkehr an der Wertherstraße müssten entweder die Bäume links und rechts im Bild oder aber das in der Bildmitte zu sehende Fachwerkhaus verschwinden. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Der Verkehrsfluss in der Stadt wird sich mit dem Lückenschluss der A 33 am Montag wohl spürbar ändern. Wie er am besten entlang der Langen Straße laufen könnte, hat die Aachener Ingenieurgruppe IVV herausgearbeitet. Ihre Prognosen und Empfehlungen stellte Diplom-Geografin Sylke Schwarze nun den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses vor.

„Derzeit fahren täglich zwischen 10.000 und 15.800 Fahrzeuge über die Lange Straße zwischen Theenhausener Straße und Grüner Weg", erklärte Schwarz. Mit dem Lückenschluss der Autobahn werde diese Zahl auf 4.800 bis 10.000 Fahrzeuge sinken. Weitere Maßnahmen könnten sogar noch mehr Autos von der langjährigen Hauptverkehrsachse fernhalten.

Tempo-20-Zone hilft Fußgängern und Radfahrern

Durch die Einrichtung einer Tempo-20-Zone zwischen Wertherstraße und Martin-Luther-Straße könne die Zahl der Fahrzeuge auf etwa 4.000 bis 7.000 pro Tag reduziert werden. Zudem bedeute dieses Tempo verglichen mit einer 30er-Zone nochmals ein Plus an Verkehrssicherheit für Radfahrer und Personen, welche die Fahrbahn überqueren wollen.
Das gelbe Eckhaus an der Martin-Luther-Straße/Lange Straße müsste im Falle eines Kreisverkehrs abgerissen und in kleinerer Variante neugebaut werden. - © Uwe Pollmeier
Das gelbe Eckhaus an der Martin-Luther-Straße/Lange Straße müsste im Falle eines Kreisverkehrs abgerissen und in kleinerer Variante neugebaut werden. (© Uwe Pollmeier)

Für die beiden Knotenpunkte an diesem Streckenabschnitt, also die Kreuzungen Martin-Luther-Straße/Lange Straße und Lange Straße/Wertherstraße/Graebestraße, sei aus städtebaulicher Sicht ein Kreisverkehr zu empfehlen. „Sie sind dort aber frei in der Gestaltung, eine abknickende Vorfahrt brächte zum Beispiel nur marginale Unterschiede", erklärte Schwarz.

"Lange Straße bleibt die Achse durch die Innenstadt"

In jedem Fall werde sich das Verkehrsaufkommen in der Lindenstadt lediglich verlagern. Sämtliche Maßnahmen führten nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen.

„Die Lange Straße bleibt aber weiterhin die Achse durch die Innenstadt", stellte Planer Ralf Düspohl vom Ingenieurbüro Röver klar. Er erläuterte gemeinsam mit Roger Loh vom Büro Tischmann Loh aus Rheda-Wiedenbrück die Möglichkeiten der beiden Kreisverkehre. Beide sollen einen Durchmesser von 26 Metern haben und somit von allen Fahrzeugen befahrbar sein. Im Bereich der Wertherstraße gebe es zwei Varianten. Entweder müsse das Gebäude der jetzigen Regionalstelle des Kreisjugendamts verkleinert beziehungsweise neu gebaut werden oder man dehnt sich in nördliche Richtung aus, was wiederum den Abriss des Hauses 38 bedeuten würde.

Info
Kritik der Interessengemeinschaft

Ilka Windisch, Sprecherin der Interessengemeinschaft Lange Straße, zeigte sich verärgert darüber, dass man „ohne Notwendigkeit ein 200 Jahre altes Haus für einen Kreisverkehr ohne Vorteilseffekt abreißen will". Die Stadt habe anfangs ihren Erhaltungswillen bekundet und rücke nun davon ab. „Bei der Besichtigung vor einer Woche wurde immer nur gesagt, wie teuer alles sei", sagte Windisch vor dem Hauptausschuss. „Warum gibt es im Gutachten keine Hinweise darauf, was hier möglich ist?", fragte Windisch. Dass bei den passenden Investoren immer etwas möglich sei, zeige das Beispiel Lange Straße 63. Das Fachwerkhaus ist von den Brüdern Andreas, Jochen und Eckhard Kotthaus vor gut drei Jahren aufwendig restauriert worden. „Suchen Sie nach Investoren und Möglichkeiten für den Erhalt. Entwickeln Sie Visionen. Man kann für alles Lösungen finden, man muss es nur wollen", forderte Windisch.

"Wir sind im Prozess, noch ist nichts entschieden"

„Hier blieben dann rund 150 Quadratmeter Platz für eine Neubebauung mit zwei Obergeschossen", erklärte Loh. Zudem plädierten sie für eine Aufhebung der Einbahnstraßenregelung in der Graebestraße. „Eine Öffnung hätte keinerlei Nachteile", sagte Düspohl.

Die Ausschussmitglieder hörten sich die Empfehlungen an und beschlossen einstimmig, die Details nun innerhalb der Fraktionen beraten zu wollen. „Wir sind noch im Prozess, noch ist gar nichts entschieden", betonte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann zum Abschluss des Tagesordnungspunktes.

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