Schnelle Autos und Zigarren: Alfred Sträter feiert seinen 100. Geburtstag

Alfred Sträter wird am 12. November 100 Jahre alt: Zum runden Geburtstag gönnt sich der Mann aus dem Pott gerne noch eine Extra-Zigarre. Dabei war sein Leben nicht immer ein Genuss

Uwe Pollmeier

Alfred Sträter ist seit heute 100 Jahre alt. Seine Töchter Gisela (links) und Karin gratulieren natürlich. - © Uwe Pollmeier
Alfred Sträter ist seit heute 100 Jahre alt. Seine Töchter Gisela (links) und Karin gratulieren natürlich. (© Uwe Pollmeier)

Halle. „Es gibt schon 18 Urenkel", sagt Alfred Sträter überrascht und schaut seine Tochter Gisela an, während die den Pressevertretern Teile des Familienstammbaums erläutert. Sträter lächelt dabei etwas verschmitzt und schnell wird klar, dass hier nicht seine fortgeschrittene Demenz zur Aussage geführt hat, sondern eher seine Art. Sträter trägt halt das Herz auf der Zunge, wie es eben bei vielen Menschen im Ruhrgebiet üblich ist. Schließlich hat er die ersten seiner mittlerweile 100 Lebensjahre im Essener Stadtteil Altenessen verbracht.

50 Zigarren pro Woche raucht der Jubilar immer noch

Der gelernte Offset- und Steindrucker hat neben den erwähnten 18 Urenkeln auch 13 Enkel und drei Kinder, die den Jubilar häufig am Altenzentrum Eggeblick besuchen. Dort lebt er seit sechs Jahren und wer ihn sucht, findet ihn häufig vor der Eingangstür. „Er raucht immer noch seine Zigarren und ist daher oft draußen, egal bei welchem Wetter", sagt die ältere Tochter Karin. Zwei Packungen pro Woche und somit 50 Stumpen seien durchaus fällig. Somit bestätigt der 100-Jährige wohl eindrucksvoll die Ausnahme von der Regel. Rauchen ist und bleibt ungesund – an Sträter lässt sich dies jedoch nicht festmachen.

Gesundheitlich ist Sträter sicherlich angeschlagen, aber das verwundert bei einem 100-Jährigen mit dieser Vergangenheit nicht. Durch eine Kriegsverletzung am Unterschenkel ist Sträter seit Jahren beeinträchtigt, hinzu kam ein schwerer Autounfall 1968 auf der Autobahn, der zu einer Versteifung seines linken Armes führte.

Von Halle nach Halle

Nach der Kriegsgefangenschaft lebte Sträter zunächst in Halle an der Saale, ehe er 1948 zurück nach Altenessen kam. Dort heiratete er 1951 Charlotte Höhn, die er bereits vor dem Krieg kennen gelernt hatte, und gemeinsam bekamen sie die drei Kinder Karin, geboren 1952, Alfred (1955) und Gisela (1960). In Altenessen hatten die Sträters zunächst eine kleine Kneipe. Später arbeitete Alfred Sträter als Berufspendler zwei Jahre lang bei Willibald-Getränke in Lippstadt und zog mit seiner Familie 1960 nach Gütersloh, wo er einen eigenen Getränkevertrieb eröffnete.

Später fuhr er Lkw, arbeitete im Lager vom Kaufhaus Hertie und verließ erst im Rentenalter 1989 NRW und zog in den hohen Norden nahe Papenburg. Nach dem Tod seiner Ehefrau vor 25 Jahren kam Sträter schließlich 2008 zurück und fand 2013 sein neues Zuhause in der Lindenstadt.

Mit dem Elektromobil auf der Bundesstraße unterwegs

„Unser Vater hat immer gerne und gut gekocht", sagen seine Töchter. Und er war gerne schnell unterwegs. Nicht nur in Autos, an denen er gerne selbst rum schraubte, sondern auch auf seinem Elektromobil für Senioren. Einmal habe ihn sogar die Polizei von der Bundesstraße 61 runterholen müssen.

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