A33: Ein Spagat zwischen Natur und Ökonomie

Matthias Bungeroth

Am 18. November wird der letzte Abschnitt der A33 freigegeben. - © Ulrich Fälker
Am 18. November wird der letzte Abschnitt der A33 freigegeben. (© Ulrich Fälker)

Bielefeld/Steinhagen. Fragt man Wirtschafts- und Naturverbände, so könnten die Antworten zur Sinnhaftigkeit des A 33-Lückenschlusses nicht unterschiedlicher sein. Während sich die Naturschützer bis heute mit den Eingriffen der Trasse in Flora und Fauna nicht abfinden wollen, fällt das Lob der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld geradezu überschwänglich aus.

„Die A 33 ist eine Verbindung von europäischer Bedeutung. Sie verbindet die Seehäfen in den Niederlanden und die nordwestdeutsche Region mit Süddeutschland und Südosteuropa", sagt IHK-Präsident Wolf-D. Meier-Scheuven. Eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur sei eine „wesentliche Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg im Handel, für Dienstleistungsunternehmen und vor allem in der Industrie". Da diese in Ostwestfalen-Lippe stark vertreten sei, sei die A 33 für den Standort Ostwestfalen „überlebenswichtig", wie Meier-Scheuven unterstreicht.

"Meilenstein für die Entwicklung"

Wolf-D. Meier-Scheuven - © Andreas Zobe
Wolf-D. Meier-Scheuven (© Andreas Zobe)

Deshalb bedankt sich die IHK bei allen beteiligten Instanzen von Bund und Land für die letztlich erfolgreiche Umsetzung des Projekts. Der A 33-Lückenschluss sei „ein wichtiger Meilenstein für die wirtschaftliche Zukunft Ostwestfalens", ist der IHK-Präsident überzeugt. Immerhin fünf Präsidenten des Wirtschaftsverbandes haben sich seit den 1980er Jahren für die Realisierung des Bauprojekts stark gemacht.

Marion Ernsting kann diesen Jubel indessen nicht nachvollziehen. Die Expertin der Gemeinschaft für Natur und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh kritisiert vielmehr den Bau der Autobahntrasse auf dem Abschnitt zwischen Steinhagen und Borgholzhausen heftig.

"Die Autobahn bringt nur kurzfristig einen Nutzen"

Marion Ernsting - © Marc Uthmann
Marion Ernsting (© Marc Uthmann)

Die Steinhagenerin, die die Planungs- und Bauphase jahrelang kritisch-konstruktiv begleitet hat, vertritt den Standpunkt: „Diese Autobahn bringt kurz-, bestenfalls mittelfristig einigen Wirtschaftszweigen Nutzen. Der Umwelt schadet sie nachhaltig, laut Gutachten, die Straßen.NRW selbst eingeholt hatte, ist mit einer Verkehrssteigerung von 13,6 Prozent zu rechnen und besonders ist mit einer Steigerung des Schwerverkehrs um 17.500 Fahrten gegenüber 2008 zu rechnen." Dieser deutliche Zuwachs werde maßgeblich durch den Neubau der A 33 hervorgerufen, da diese auch Fernverkehre bündele, deren Routen bislang nicht durch den Untersuchungsraum verlaufen seien, so Ernsting.

Gänzlich irritierend ist für die GNU-Expertin die geplante „feierliche ökumenische Einsegnung zur Verkehrsfreigabe dieser Autobahntrasse. Einer Straße, durch die gerade nicht Gottes eigene Schöpfung bewahrt wird", wie Ernsting unterstreicht. Sie fügt hinzu: „Diese A 33 zerstört sie vielmehr. Zum Beispiel schützenswerte Landschaften, Wiesen, Waldökosysteme wie den Tatenhauser Wald, 160 ha guter Boden, Trinkwassergewinnungsgebiete. Sie zerschneidet Steinhagen und ihre Wohngebiete, um nur weniges aufzuzählen. Die Segnung macht auch den Weg frei für einen neuen Verkehrsstrom."

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